Anpassungsstörungen. Anpassung woran?

Dieser Artikel ist Teil 1 von 2 der Artikel-Serie Störung

 

 

 

Viele Menschen, die traumatische Erfahrungen erleben mussten, erhalten bei einer psychiatrischen oder therapeutischen Behandlung die Diagnose Anpassungsstörungen. Betrachten wir zunächst einmal die Definition im ICD-10. Hier heißt es: “Hier handelt es sich um Zustände von subjektivem Leiden und emotionaler Beeinträchtigung, die soziale Funktonen und Leistungen behindern und während des Anpassungsprozesses nach einer entscheidenden Lebensveränderung, nach einem belastenden Lebensereignis oder bei Vorhandensein oder der drohenden Möglichkeit von schwerer körperlicher Krankheit auftreten. Die Belastung kann die Unversehrtheit des sozialen Netzes betroffen haben (bei einem Trauerfall oder Trennungserlebnis), das weitere Umfeld sozialer Unterstützung oder soziale Werte (wie bei Emigration oder nach Flucht).“[1]

Diese Definition ist sehr weit gefasst und bezieht sich also nicht nur auf traumatische Ereignisse. In dem Gebrauch dieser Definition sind uns zwei Aspekte begegnet. Der eine besteht in dem Begriff der „Anpassung“. Dieser ruft oft Widerstand bei den Menschen, die diese Diagnose erhalten, hervor. Sie fragen sich: Warum soll ich mich anpassen, wenn ich leide? Ist meine Trauer zu viel? Für wen? Für mich oder die andern? Wie kann jemand anders darüber entscheiden, wann ich mit meiner Trennung klarkomme oder nicht? Der Begriff der Anpassung impliziert die Forderung, etwas Gegebenes hinzunehmen. Zum Beispiel heißt es auf der Webseite www.neurologen-und-psychiater-im-netz.ork.: „Eine Anpassungsstörung tritt auf, wenn Menschen einen neu eingetretenen schwierigen psychischen oder physischen Zustand über einen längeren Zeitraum hinaus nicht akzeptieren können bzw. sich an die neue Lebenssituation nicht anpassen können.“

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Was tun bei »seltsamen« Gefühlen traumatisierter Kinder?, Teil 10: Sehnsucht

Dieser Artikel ist Teil 10 von 10 der Artikel-Serie Was tun bei »seltsamen« Gefühlen traumatisierter Kinder?

 

 

 

 

Traumatische Erfahrungen bewirken in den Kindern, dass sie in all ihrem Erleben erschüttert sind. Dazu gehört auch ihr Gefühlsleben. Manche Gefühle verschwinden scheinbar, andere werden stärker, wieder andere verändern sich in ihren Inhalten und ihrem Ausdruck. Deswegen werde ich in den folgenden Abschnitten auf einige dieser Gefühle eingehen, die Veränderungen durch traumatische Erfahrungen beschreiben und Ihnen Hinweise geben, wie Sie damit umgehen können.

Wer durch eine traumatische Erfahrung »aus der Welt geworfen« oder in einen »Abgrund gestoßen« wurde, entwickelt oft eine Sehnsucht nach einer guten, heilen Welt. Diese Sehnsucht ist für Kinder überlebensnotwendig. Sie gibt ihnen Kraft und zeigt ihnen eine Überlebensperspektive. Weiter lesen

Was tun bei »seltsamen« Gefühlen traumatisierter Kinder?, Teil 9: Mitgefühl

Dieser Artikel ist Teil 9 von 10 der Artikel-Serie Was tun bei »seltsamen« Gefühlen traumatisierter Kinder?

 

 

 

Traumatische Erfahrungen bewirken in den Kindern, dass sie in all ihrem Erleben erschüttert sind. Dazu gehört auch ihr Gefühlsleben. Manche Gefühle verschwinden scheinbar, andere werden stärker, wieder andere verändern sich in ihren Inhalten und ihrem Ausdruck. Deswegen werde ich in den folgenden Abschnitten auf einige dieser Gefühle eingehen, die Veränderungen durch traumatische Erfahrungen beschreiben und Ihnen Hinweise geben, wie Sie damit umgehen können

Das Mitgefühl ist die Fähigkeit, sich in das Leid und in die Freude anderer Menschen hineinzuversetzen. Lachen steckt an, genauso wie der Schmerz und das Weinen. Das Mitgefühl ist ein besonders wichtiges Gefühl für ein humanes Miteinander. Das Leid oder auch das mögliche Leid des anderen zu spüren, bremst die eigene Aggressivität und fördert die Solidarität. Alle Kinder verfügen über die Fähigkeit zum Mitgefühl, auch im Vorschulalter. Wie sie es leben und wie sie es umsetzen, das müssen sie lernen. Dafür brauchen sie gute Vorbilder durch uns Erwachsene. Weiter lesen

Was tun bei seltsamen Gefühlen traumatisierter Kinder, Teil 8: Einsamkeit

Dieser Artikel ist Teil 8 von 10 der Artikel-Serie Was tun bei »seltsamen« Gefühlen traumatisierter Kinder?

 

 

 

 

 

Traumatische Erfahrungen bewirken in den Kindern, dass sie in all ihrem Erleben erschüttert sind. Dazu gehört auch ihr Gefühlsleben. Manche Gefühle verschwinden scheinbar, andere werden stärker, wieder andere verändern sich in ihren Inhalten und ihrem Ausdruck. Deswegen werde ich in den folgenden Abschnitten auf einige dieser Gefühle eingehen, die Veränderungen durch traumatische Erfahrungen beschreiben und Ihnen Hinweise geben, wie Sie damit umgehen können.

Viele Kinder fühlen sich phasenweise einsam. Sie vermissen einen Freund oder haben eine Freundin verloren. Manche fühlen sich unverstanden und mit ihrem Kummer alleine gelassen. Solche Phasen der Einsamkeitsgefühle kommen und gehen. Bei traumatisierten Kindern können sich Gefühle der Einsamkeit festsetzen und zu einem Dauerzustand werden, so dass die Kinder sehr stark unter diesem Gefühl leiden. Weiter lesen

Traumatisierte Kinder sensibel begleiten, Teil 4: Kulturelle Unterschiede

Dieser Artikel ist Teil 4 von 4 der Artikel-Serie Traumatisierte Kinder sensibel begleiten

Es wird manchmal vermutet oder unterstellt, dass Kinder, die an traumatischen Erfahrungen leiden und aus anderen als der einheimischen Kultur kommen, anders damit umgehen oder gar die Schreckenserfahrungen anders spüren. Dazu sind einige Anmerkungen notwendig.

Erstens ist es mir wichtig zu betonen, dass menschliches Leid alle Menschen gleich betrifft. Ob ein Kind in Dresden oder in Aleppo geschlagen wird, ob es in Beirut oder München vergewaltigt wird, ob es seine Geschwister durch Bombenangriffe in der Ukraine oder in Afghanistan verliert – es ist das gleiche Blut das fließt; es ist der gleiche Schmerz, der gespürt wird; es ist die gleiche Not, die die Kinder und auch die Erwachsenen überkommt.

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Was tun bei seltsamen Gefühlen traumatisierter Kinder?, Teil 4: Misstrauen

Dieser Artikel ist Teil 4 von 10 der Artikel-Serie Was tun bei »seltsamen« Gefühlen traumatisierter Kinder?

 

 

Traumatische Erfahrungen bewirken in den Kindern, dass sie in all ihrem Erleben erschüttert sind. Dazu gehört auch ihr Gefühlsleben. Manche Gefühle verschwinden scheinbar, andere werden stärker, wieder andere verändern sich in ihren Inhalten und ihrem Ausdruck. Deswegen werde ich in den folgenden Abschnitten auf einige dieser Gefühle eingehen, die Veränderungen durch traumatische Erfahrungen beschreiben und Ihnen Hinweise geben, wie Sie damit umgehen können

 

Dass eine traumatische Erfahrung dazu führt, dass Kinder misstrauisch gegenüber anderen Menschen, ja, gegenüber der Welt werden, habe ich schon mehrmals erwähnt. Wenn Menschen, denen sie vertrauen, ihnen Gewalt antun, wenn sie in Situationen, die sie als vertraulich erlebt und in denen sie auf den Schutz der Erwachsenen vertraut haben, in existenzielle Bedrohungen gestürzt werden, dann bricht die Welt zusammen und damit auch das Vertrauen in die Welt.

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Was tun bei »seltsamen« Gefühlen traumatisierter Kinder?, Teil 3: Zorn

Dieser Artikel ist Teil 3 von 10 der Artikel-Serie Was tun bei »seltsamen« Gefühlen traumatisierter Kinder?

 

 

 

Traumatische Erfahrungen bewirken in den Kindern, dass sie in all ihrem Erleben erschüttert sind. Dazu gehört auch ihr Gefühlsleben. Manche Gefühle verschwinden scheinbar, andere werden stärker, wieder andere verändern sich in ihren Inhalten und ihrem Ausdruck. Deswegen werde ich in den folgenden Abschnitten auf einige dieser Gefühle eingehen, die Veränderungen durch traumatische Erfahrungen beschreiben und Ihnen Hinweise geben, wie Sie damit umgehen können.

Ein Kind ist manchmal ärgerlich, zornig, wütend und zeigt dies auch. Die Kinder teilen uns dadurch mit, dass sie etwas anders haben wollen. Die Mutter soll nicht weggehen, sie möchten das Essen nicht aufessen, sie wollen beim Spiel gewinnen … Das ist der Sinn und der Nutzen der aggressiven Gefühle: Sie zielen auf Veränderung ab und zeigen, dass Kinder eine solche Veränderung bewirken wollen. Mit den aggressiven Gefühlen umzugehen, gehört zu Ihrem erzieherischen Alltag. Doch bei Kindern, die traumatische Erfahrungen gemacht haben, können der Zorn oder die Wut besondere Qualitäten zeigen, die über die Alltagserfahrungen hinausgehen:

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Trost, Teil 12: Die ungetröstete Generation

Dieser Artikel ist Teil 12 von 12 der Artikel-Serie Trost

 

 

 

 

Im Jahr 2015 jährte sich das Ende des Zweiten Weltkrieges zum 70. Mal. Im Institut für Soziale Innovation (ISI) überlegten wir, was wir aus diesem Anlass unternehmen könnten. Absicht war, die alten Menschen, die das Kriegsende erlebt hatten, zu trösten und zu unterstützen. Wir kamen auf die Idee, Menschen zu befragen, die das Kriegsende erlebt und überlebt hatten: Was hat Sie damals getröstet? Dies taten wir, und es kamen viele Aussagen, Bilder und Objekte zusammen, die später als eine Ausstellung „Trost 45“ in verschiedenen Einrichtungen gezeigt wurden. Bei der Eröffnung der Ausstellungen in den unterschiedlichen Orten führten wir Veranstaltungen durch und diskutierten mit den Beteiligten aber auch deren Kindern und anderen interessierten Menschen. Dabei hörten wir oft:

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Was tun bei »seltsamen« Gefühlen traumatisierter Kinder?, Teil 2: Angst

Dieser Artikel ist Teil 2 von 10 der Artikel-Serie Was tun bei »seltsamen« Gefühlen traumatisierter Kinder?

 

 

 

Traumatische Erfahrungen bewirken in den Kindern, dass sie in all ihrem Erleben erschüttert sind. Dazu gehört auch ihr Gefühlsleben. Manche Gefühle verschwinden scheinbar, andere werden stärker, wieder andere verändern sich in ihren Inhalten und ihrem Ausdruck. Deswegen werde ich in den folgenden Abschnitten auf einige dieser Gefühle eingehen, die Veränderungen durch traumatische Erfahrungen beschreiben und Ihnen Hinweise geben, wie Sie damit umgehen können.

 

Alle Kinder haben Angst. Angst ist ein nützliches Gefühl, denn es bewahrt Kinder (und Erwachsene) davor, sich in gefährliche Situationen zu begeben. Wenn wir Trauma-Folgen betrachten geht es also nicht um die Angst an sich, sondern vor allem um das Maß der Angst. Viele traumatisierte Kinder sind im Nachklang extrem angstvoll. Sie wurden und sie fühlten sich existenziell bedroht und konnten dies nicht bewältigen. Also ist es nachvollziehbar, dass ihre Angst steigt, manchmal sogar ins Unermessliche.

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