„Die andern sind anders.“

Fremdsein und Trauma 3

„Die andern sind anders“, sagt ein traumatisierter junger Mann. „Ich habe etwas erlebt, was die andern nicht kennen. Die fragen mich manchmal. Aber wenn ich erzähle, denke ich, dass das die andern gar nicht interessiert. Die wollen das nicht wirklich wissen. Verstehen kann das ja nur jemand, der es wirklich kennt. Ich hab aufgegeben.“

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Trauma, Alleinsein, Einsamkeit

Nach einer traumatischen Erfahrung können manche Menschen nicht mehr allein sein. Sie waren in der traumatischsten Situation allein und konnten sich allein nicht gegen die Gewalt, oft sexualisierte Gewalt wehren. Also meiden sie das Alleinsein. Verständlich.

Doch bei vielen anderen geht das Verhalten in die andere Richtung. Der Kreis des gelebten sozialen Feldes eng sich ein: Es gibt weniger Besuche. Auch Anrufe werden manchmal nicht mehr gern beantwortet oder angenommen. Die sozialen Kontakte reduzieren sich. Für viele ist das unverständlich.

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Das Fremde zwischen Angst und Sehnsucht

Fremdsein und Trauma 1

Fremd zu sein ist nicht nur die Beschreibung eines objektiven Zustandes. Wir Menschen können uns fremd fühlen, nehmen manches als befremdlich wahr oder sind uns selber fremd. Ich werde deshalb in einigen Beiträgen verschiedene Aspekte der Fremde und des Fremd-Fühlens beleuchten und dabei insbesondere die Auswirkungen traumatischer Erfahrungen untersuchen.

Beginnen wir mit den offensichtlichen Phänomenen. Wenn uns Menschen etwas Fremdes entgegentritt, dann sind wir unsicher. Das Neue, das Fremde kann freundlich oder feindlich oder neutral sein. Wir wissen es zunächst nicht. Deswegen ist bei den meisten Menschen der erste Impuls zurückhaltend, abwägend, beobachtend.

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Sicherer Ort – Beziehungskränkungen brauchen Beziehungsheilung

Der nächste „sichere Ort“, den traumatisierte Menschen gewinnen können, sind Beziehungen. Denn traumatische Erfahrungen sind Beziehungserfahrungen. Es waren andere Menschen, die den betroffenen Leid zugefügt haben, die sie vergewaltigt, geschlagen und erniedrigt haben. Es waren andere Menschen, die Hilfeleistung unterlassen und die Opfer alleine gelassen haben. Die traumatischen Erfahrungen sind daher immer eine Beziehungskränkung.

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Sicherer Ort, das Verraumen und der unzerstörbare Kern

In der Traumapädagogik und Traumatherapie hat seit vielen Jahren die Arbeit mit dem „sicheren Ort“ einen besonderen Stellenwert. Die Notwendigkeit einer Pädagogik bzw. Traumapädagogik des „sicheren Ortes“ wird damit begründet, dass Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene, die traumatische Erfahrungen machen mussten, verunsichert sind und kein Vertrauen mehr in die Umgebung haben. Um dieser Verunsicherung entgegenzuwirken, brauchen sie Stabilität, Halt und den „sicheren Ort“. Dabei wird der „sichere Ort“ vor allem in zweierlei Hinsicht verstanden:

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Der leise Schrei: Warum manche Menschen so ungern Hilfe annehmen können!

Wir begegnen in der Traumahilfe oft Menschen, die ungern oder gar nicht Hilfe annehmen können. Das kann Beratung, Therapie oder andere Unterstützung betreffen. Wenn sie dann zum Beispiel in einer Therapie erfahren haben, dass Hilfe wirkt, erleichtert, stärkt, verstehen sie oft ihre frühere Haltung nicht.

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In Männerwelten darf es kein Trauma geben?

Fußball wird immer häufiger von Frauen und Mädchen gespielt, auch die Zahl der weiblichen Zuschauerinnen und Fans nimmt von Jahr zu Jahr zu. Doch die Ideologien, Normen und Sprüche traditioneller Männerbünde bestimmen immer noch die öffentliche und die veröffentlichte Kultur des Fußballs. Ein Element dieser Kultur besteht darin, Traumafolgen zu ignorieren.
Wer sich für Fußball interessiert, wird mitbekommen haben, dass es beim Fußballverein Borussia Dortmund seit einiger Zeit drunter und drüber geht. Der Trainer wurde entlassen, obwohl er sehr erfolgreich war, die Mannschaft ist gespalten, es gibt unterschiedliche Wahrheiten oder Lügen, die Verantwortlichen verbreiten … Es mag Ursachen geben, die sich in Konkurrenzverhalten und Eifersüchteleien finden lassen, doch der entscheidende Ausgangspunkt für diese Entwicklung ist das Attentat auf den Mannschaftsbus vor dem Champions-League-Spiel gegen Monaco. Die Mannschaft musste einen Tag später gegen Monaco antreten und spielte, wie zu erwarten war, verstört. Der ganze Verein ist seitdem verstört. Die häufigste und signifikanteste Traumafolge, die wir kennen. Weiter lesen

„In einer Blase“

„Ich war wie in einer Blase“, erzählte eine Frau, „ich bekam nichts mehr mit. Die Zeit stand still. Ich war aus der Welt heraus und die Welt war mir nicht mehr zugänglich. Einsamkeit pur.“ Sie hatte ein schweres Trauma erlebt und erlebte sich wir viele andere in einer ähnlichen Situation „in einer Blase“. Die traumatische Erfahrung ließ sie die Begegnung mit ihrer Umwelt verlieren, der Schrecken verstieß sie in einer Blase. So beängstigend eine solche Erfahrung für die betroffene Person ist, so sehr ist sie doch als Schutzreaktion zu verstehen, als Flucht aus der unaushaltbaren Welt. Weiter lesen

Trauma und Träume

Ich halte nichts davon, dass Gegenständen und Handlungen in Träumen bestimmte Bedeutungen zugewiesen werden. Jeder Traum ist oft verdeckter Ausdruck individuellen Erlebens, meist des unbewussten Erlebens. Also muss die Bedeutung jedes Traums individuell entschlüsselt werden.[1] Das gilt auch für das Trauma-Erleben, das sich möglicherweise in Träumen ausdrückt.

Doch zwei Hinweise möchte ich Ihnen geben, zwei Themen, die in Träumen traumatisierter Menschen wiederholt vorkommen.

Das erste Thema ist der Abgrund. Viele Menschen, die traumatischen Schrecken erfahren mussten, fühlen sich „aus der Welt gefallen“ oder gestoßen. Sie träumen, dass sie am Rande eines Abgrunds stehen oder in einen Abgrund stürzen. Ob sich der Abgrund zwischen zwei Hochhäusern auftut oder aus einer Schlucht in der Natur besteht, ist meist nicht wesentlich.

Das zweite Thema besteht darin, dass Menschen einen Zug nicht erreichen oder ein Auto, einen Bus … Manche kommen zu spät, andere werden gehindert und aufgehalten, bei anderen fährt der Zug in die falsche Richtung oder fällt aus. Sie erreichen ihn nicht. Mit dem Zug oder anderen Fahrzeug wollen die Träumenden meist zu einer Person, die sie lieben oder geliebt haben, zu einer Person ihres Vertrauens. Nach einem traumatisierenden Ereignis bekommen die meisten Menschen keine oder zu wenig Unterstützung, können keine Hilfe erreichen. So, wie sie den Zug nicht erreichen …

Beide Themen können auch anderen Quellen des Erlebens als einer traumatischen Erfahrung entspringen. Doch bei diesen Träumen scheint es nach meinen Erfahrungen lohnenswert zu sein, der Spur eines möglichen Traumas nachzugehen.

Diesen Hinweis will ich Ihnen geben. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

[1] Hinweis auf das neue AKL-Journal, Heft über Träume …