Zur Geschichte der Trauma-Leugnung, Teil 2: Vom „Eisenbahn-Rücken“ bis zur „traumatischen Neurose“

 

 

 

Dass traumatische Erfahrungen psychische Folgen haben, wurde lange Zeit abgestritten. Im Interesse der Mächtigen, im Interesse der Kranken- und Rentenversicherungen. Es lohnt sich, auf die Geschichte der schrittweisen Anerkennung von psycho-traumatologischen Folgen zu schauen, denn viele dieser Argumente und viele Aspekte dieses Kampfes um solche Anerkennung existieren noch heute.

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Erste Hilfe bei Traumatisierungen, Teil 4: Nicht drängen, nicht drängeln

 

 

 

Oft wissen oder ahnen die Helferinnen und Helfer nach traumatisierenden Situationen, was den betroffenen Menschen guttun könnte. Doch entscheidend ist, dass sie nicht drängen und auch nicht drängeln. Denn die Menschen, um die es hier geht, haben eine extreme Belastung erfahren. Sie wurden bedrängt, durch Gewalt oder sexuelle Gewalt, durch Unglück oder andere schlimme Erfahrungen. Deswegen ist es wesentlich, dass sie Unterstützung in ihrer Autonomie erfahren und dass ihre Entscheidungsfähigkeit respektiert wird.

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Sicherer Ort, Teil 3

 

 

 

Der nächste „sichere Ort“, den traumatisierte Menschen gewinnen können, sind Beziehungen. Denn traumatische Erfahrungen sind Beziehungserfahrungen. Es waren andere Menschen, die den betroffenen Leid zugefügt haben, die sie vergewaltigt, geschlagen und erniedrigt haben. Es waren andere Menschen, die Hilfeleistung unterlassen und die Opfer alleine gelassen haben. Die traumatischen Erfahrungen sind daher immer eine Beziehungskränkung.

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Von der Härte beim Kämpfen

Thea F. hatte in ihrer Jugend Gewalt erfahren. Mehrmals. Sie hat sich geschworen, sich das nie mehr bieten zu lassen. Sie kämpft. Sie setzt sich für Opfer ein. Sie kämpft für die Frauenrechte und lässt sich „nichts mehr gefallen“.

Mit dieser Haltung und diesem Verhalten ist sie zufrieden. Doch unter einem Aspekt leidet sie. Manchmal kämpft sie gegen Kolleginnen, gegen Freundinnen, gegen andere Menschen und merkt danach, dass gar nicht so viel Kampf notwendig gewesen wäre. Oft kämpft sie vorsorglich mit großer Intensität. Manchmal zurecht, manchmal vergeudet sie ihre Energie, ja manchmal verletzt sie andere Menschen, was sie gar nicht möchte. Und sie merkt, dass sie sich oft verausgabt und zu hart und zu streng mit sich selbst ist.

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Zur Geschichte der Trauma-Leugnung, Teil 1: Ehre für Ulrich Venzlaff

 

 

Ulrich Venzlaff wurde 1921 geboren und starb 2013. Er erregte Aufsehen, als er sich in einem Gutachten für eine Entschädigung eines ehemaligen Naziverfolgten einsetzte. Dies geschah schon 1952. Er erkannte bei den traumatisierten Menschen eine „verfolgungsbedingte Neurose“. Dieses Gutachten versetzte die Öffentlichkeit und vor allen Dingen das zuständige Entschädigungsamt in große Unruhe, weil diese eine „Gefahr einer nachfolgenden Lawine von Rentenansprüchen“ zu erkennen meinten. Denn bis dahin stand es außer Frage, dass Verfolgungen im Nationalsozialismus und andere Traumata oder erst recht Kriegsfolgen keinerlei Entschädigungsansprüche begründeten.

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Drei Viertel der Flüchtlinge sind traumatisiert!

Drei Viertel der Flüchtlinge sind traumatisiert!

Drei von vier geflüchteten Menschen aus Syrien, Afghanistan und dem Irak sind traumatisiert. Das sind seit 2015 über 600.000 Menschen, die aus diesen Ländern stammen und in Deutschland einen Asylantrag gestellt haben.

Dies berichtet die am 30. Oktober veröffentlichte Studie des Wissenschaftlichen Instituts der AOK, das über 2.000 geflüchtete Menschen aus diesen drei Ländern befragte.  58 % der Befragten waren mehrfach traumatisiert. Mehr als zwei Fünftel der Befragten zeigen Anzeichen einer depressiven Erkrankung.

Quelle: Helmut Schröder, Klaus Zok, Frank Faulbaum
Gesundheit von Geflüchteten in Deutschland – Ergebnisse einer Befragung von Schutzsuchenden aus Syrien, Irak und Afghanistan. Oktober 2018

 

Sicherer Ort, Teil 2

 

 

 

Das bisher vorgestellte Verständnis des „sicheren Ortes“ bedarf des Überdenkens. Dass Menschen mit traumatischen Erfahrungen sich einen „sicheren Ort“ vorstellen, ist sinnvoll. Doch wissen wir aus Imaginationen, dass positive Imaginationen nicht immer alleine daherkommen, sondern oft mit negativen Bildern, ja manchmal mit verängstigenden Schreckensbildern verbunden sein können, insbesondere bei mehrfach traumatisierten Menschen. Es bedarf daher besonderer Ausbildung und Begleitungskompetenz, Klienten/innen bei solchen Imaginationen zu begleiten. Sie brauchen nicht nur die einfach scheinende Hilfe, positive Bilder eines „sicheren Ortes“ herzustellen. Sie brauchen darüber hinaus Hilfen zwischen angstmachenden und positiven Bildern und Vorstellungen zu wechseln.

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Das dreifache UND für Partner/innen traumatisierter Menschen

Wenn ein Partner oder eine Partnerin unter Trauma-Folgen leiden, insbesondere unter solchen sexualisierter bzw. sexueller Gewalt, dann spüren Partner/Partnerinnen oft für sie seltsame und manchmal belastende Verhaltensweisen der traumatisierten Menschen. Sie können diese antriggern. Sie können Übertragungen ausgeliefert sein. Sie können mit ihren Bemühungen um Nähe und liebevolles Verhalten auf Abweisung stoßen. Diese Erfahrungen müssen nichts damit zu tun haben, dass ihr/e Partner/in sie nicht liebt oder nicht mit ihnen die Liebe im Alltag leben möchte. Nein, es sind Folgen von traumatischen Erfahrungen, insbesondere Gewalterfahrungen einschließlich sexualisierter Gewalt. Diese Erfahrungen können zum Beispiel durch Nähe, durch Berührungen, Töne, Gerüche oder andere Erfahrungen wieder ausgelöst werden.

Hilfreich für die Angehörigen ist die Haltung des dreifachen UND, die hier kurz skizziert werden soll.

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Erste Hilfe bei Traumatisierungen, Beitrag 3: Stress triggert !

 

 

 

 

 

Die Volksweisheit sagt: „Wer einen Fahrradunfall hatte, sollte sofort wieder auf das Fahrrad steigen.“ Oder: „Wer vom Pferd gefallen ist, soll sofort weiter reiten.“ Diese Ratschläge sind für die meisten Menschen, die traumatischen Ereignissen ausgesetzt wurden, falsch.

Im Einzelfall kann dies eine Bewältigungsstrategie sein, doch all unsere Erfahrungen zeigen, dass Menschen, die traumatische Ereignisse durchlitten haben, danach eine Pause benötigen. Sie kann eine Woche dauern oder drei Tage, bei manchen auch zwei bis drei Wochen oder eine noch längere Zeit. Dies ist individuell unterschiedlich. In jedem Fall ist es wichtig, dass die Menschen Zeit und Raum bekommen, um sich wieder zu sortieren, wieder Boden unter den Füßen zu spüren, sich zu erholen.

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neues Buch von Udo Baer: Traumatisierte Kinder sensibel begleiten – Basiswissen & Praxisideen

 

Traumatisierte Kinder sensibel begleiten
Basiswissen & Praxisideen

Dieses Buch ist soeben in der Reihe Nikolo bei Beltz erschienen und überall erhältlich.
Es ist vor allem für Fachkräfte in Kindergärten und Kitas geschrieben, aber auch für Grundschul-Lehrerer/innen und
Therapeut/innen ein nützlicher „Handwerkskoffer.

 

Traumatisierte Kinder sensibel begleiten
Basiswissen und Praxisideen,
Beltz Verlag, ca. 128 Seiten, ISBN:978-3-407-72766-4
Bestellung hier

„Für die sensible Trauma-Begleitung von Kindern bietet dieses Praxisbuch:

  • kompaktes Basiswissen rund um Traumata bei Kindern, z. B.: Was ist ein Trauma? Welche Ursachen und  Folgen kann es haben? Wie lässt es sich erkennen? Was tue ich bei einem Verdacht   und wie sollte ich mich verhalten?
  • einen umfassenden Praxisteil mit einer breiten Palette an Informationen und Angeboten, wie Kinder (trauma-)sensibel begleitet werden können, u. a. Gesprächshinweise, Fallbeispiele sowie Spiele und Übungen, die der Stärkung und der Überwindung von Traumafolgen dienen
  • zahlreiche Bilderbuchtipps, die Kindern und Fachkräften den gemeinsamen Zugang erleichtern. Die Ideen und Aktivitäten richten sich an die gesamte Kita-Gruppe, sodass die Fachkräfte gemeinsam mit allen Kindern einen sensiblen und unterstützenden Umgang mit dem Thema Trauma erfahren.“