Was tun bei »seltsamen« Gefühlen traumatisierter Kinder?, Teil 2: Angst

 

 

 

Traumatische Erfahrungen bewirken in den Kindern, dass sie in all ihrem Erleben erschüttert sind. Dazu gehört auch ihr Gefühlsleben. Manche Gefühle verschwinden scheinbar, andere werden stärker, wieder andere verändern sich in ihren Inhalten und ihrem Ausdruck. Deswegen werde ich in den folgenden Abschnitten auf einige dieser Gefühle eingehen, die Veränderungen durch traumatische Erfahrungen beschreiben und Ihnen Hinweise geben, wie Sie damit umgehen können.

 

Alle Kinder haben Angst. Angst ist ein nützliches Gefühl, denn es bewahrt Kinder (und Erwachsene) davor, sich in gefährliche Situationen zu begeben. Wenn wir Trauma-Folgen betrachten geht es also nicht um die Angst an sich, sondern vor allem um das Maß der Angst. Viele traumatisierte Kinder sind im Nachklang extrem angstvoll. Sie wurden und sie fühlten sich existenziell bedroht und konnten dies nicht bewältigen. Also ist es nachvollziehbar, dass ihre Angst steigt, manchmal sogar ins Unermessliche.

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Gewaltprävention in sozialen Institutionen, Teil 2 : Die Haltung

 

 

Jedes Gewaltpräventionskonzept beruht auf einer Haltung und diese fußt auf einem Menschenbild. Das Menschenbild sollte auf der Achtung der Würde aller Menschen gründen. Der Schutz der Würde ist ein Menschenrecht. Er gilt für alle Menschen, egal wo sie herkommen und wie sie sind. Diese Grundhaltung verpflichtet alle Mitarbeiter/innen und Bewohner/innen oder andere Klient/innen, sich gegen Gewalt zu wenden und ihr vorzubeugen. Gewalt entwürdigt.

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Was Begleiter/innen traumatisierter Menschen brauchen, Teil 2: Trauern

 

 

Das Gefühl des Trauerns ist ein äußerst hilfreiches Gefühl in der Bewältigung traumatischer Erfahrungen und ihrer Folgen. Denn Trauern ist das Gefühl des Loslassens. Wenn Menschen mit traumatischen Erfahrungen trauern können, löst sich das Trauma nicht auf, aber es kann an Kraft verlieren und einen anderen Platz im Leben erhalten.

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Was Begleiter/innen traumatisierter Menschen brauchen, Teil 1: Bewegung

 

 

Eine der klassischen Reaktionen von Menschen, denen traumatischer Schrecken widerfahren ist, besteht darin zu erstarren. Bei vielen hält die Erstarrung sehr lange an. Oft ist die Erstarrung ein äußerliches Phänomen, während innendrin Hocherregung tobt.

Die Erstarrung macht etwas mit den Begleitern/innen. In der Resonanz und dem Raum der Zwischenleiblichkeit, also des gemeinsamen Erlebens, kann die Erstarrung der Klient/innen auf die Begleiter/innen übergreifen. Zumindest aber werden Erfahrungen und Erinnerungen der Begleiter/innen wiederbelebt, die selbst mit Erstarrungsreaktionen der Begleiter/innen verbunden waren.

Also nicht nur Lachen oder Weinen steckt an, auch das Erstarren.

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Gewaltprävention in sozialen Institutionen, Teil 1: Warum ein Gewaltpräventionskonzept notwendig ist

 

 

Für viele Institutionen ist die Erstellung von Konzepten zur Gewaltprävention und damit zur Verhinderung und Vorbeugung von traumatischen Erfahrungen vorgeschrieben. Andere machen dies freiwillig. Ein solches Konzept ist notwendig, um die Mitarbeiter/innen und ebenso das Klientel vor Gewalt und anderen Traumatisierungen zu schützen.

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Trost, Teil 10: Trostkompetenzen

 

 

 

 

 

 

Um trösten zu können, müssen wir keine Seminare besuchen. Wir Menschen sind kompetent zu trösten und wir haben Erfahrungen als Kinder, als Jugendliche, auch als erwachsene Menschen gemacht, zu trösten und getröstet zu werden. Um diesen Erfahrungen des Trostes und des Tröstens nahezukommen, stellen Sie sich bitte zwei Fragen.

Die eine Frage lautet: Wie bin ich früher getröstet worden? Die Antworten sind vielfältig:

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Was tun bei »seltsamen« Gefühlen traumatisierter Kinder?, Teil 1: Neugier

Traumatische Erfahrungen bewirken in den Kindern, dass sie in all ihrem Erleben erschüttert sind. Dazu gehört auch ihr Gefühlsleben. Manche Gefühle verschwinden scheinbar, andere werden stärker, wieder andere verändern sich in ihren Inhalten und ihrem Ausdruck. Deswegen werde ich in den folgenden Abschnitten auf einige dieser Gefühle eingehen, die Veränderungen durch traumatische Erfahrungen beschreiben und Ihnen Hinweise geben, wie Sie damit umgehen können.

Neugier ist ein Gefühl, das häufig unterschätzt wird. Es macht sich negativ bemerkbar, wenn Eltern genervt sind, weil das Kind »zu« neugierig ist und fragt und fragt und fragt oder wenn die Neugier und das Interesse eines Kindes schwinden, wenn die Fähigkeit, sich für Dinge und Menschen zu interessieren oder gar zu begeistern, verloren geht. Ein solcher Verlust kann starke Auswirkungen auf die Kinder haben. Denn Neugier und Interesse öffnen die Türen zur Welt. Indem Kinder sich für Dinge interessieren, wenden sie sich ihnen zu und beschäftigen sich damit. Worauf sie neugierig sind, fragen sie, erkunden sie mit Händen und mit Worten, mit all ihrem Handeln und eignen sich die Welt an. Manche Kinder sind neugieriger als andere, doch alle Kinder werden mit Neugier und Interesse für ihre Umwelt geboren. Sie brauchen Unterstützung, diese Neugier zu leben und zu entfalten.

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Drei aktuell erschienene Artikel zu unterschiedlichen Aspekten des Themenbereichs „Trauma“, von Udo Baer und Gabriele Frick-Baer

 

1. Beitrag
„Flucht, traumatisierende Gewalt und die Folgen“
Autoren: Udo Baer und Gabriele Frick-Baer
Erschienen in: Migration und soziale Arbeit- Freie Beiträge, 41. Jahrgang 2019, Heft 4, Seite 360-367.

2. Beitrag
„Die Zeit heilt nicht alle Wunden“
Drei Viertel der Menschen, die in der Altenhilfe begleitet werden, sind traumatisiert. Der Beitrag zeigt die Phänomene von Trauma­folgen im Alter und eröffnet Perspektiven für eine angemessene und würdigende Begleitung in sozialen Diensten und anderen Feldern Sozialer Arbeit.
Autor: Udo Baer
Erschienen in: sozialmagazin, Die Zeitschrift für Soziale Arbeit, Heft 1-2- 2020, Seite 48-55.

3. Beitrag
„Schuldgefühle ohne Schuld“
Wir kennen keine Opfer sexueller Ausbeutung oder anderer entwürdigender Gewalt, die nicht unter Schuldgefühlen leiden.
Deswegen ist es sinnvoll, ja notwendig, sich mit dem Thema «Schuld und Schuldgefühle» zu beschäftigen.
Autoren: Gabriele Frick-Baer und Udo Baer
Erschienen in: CASTAGNA Themenheft 2020, Seite 24-28

Trost, Teil 9: Trostdialog

 

 

 

 

 

Wenn Menschen mit dem Trösten fremdeln und mit dem Wort und dem Inhalt des Tröstens nicht viel anfangen können, entspringt dies meistens der Erfahrung, dass sie selbst zu wenig getröstet worden sind und in dessen Gefolge auch zu wenig andere Menschen trösten durften. Hier bietet sich der Trostdialog an, um Erfahrungen des Tröstens auszutauschen und sich dem Thema anzunähern. Ein Beispiel aus der Paararbeit:

Nehmt ein großes Blatt A0-Papier. Zeichnet die Umrisse einer großen Blume mit fünf Blütenblättern auf das Papier …

Es geht um Trost und Trösten. Eine/r von euch malt oder schreibt in ein Blütenblatt Erfahrungen zum Thema „Ich werde getröstet“. Erfahrungen, wie ihr getröstet wurde und aktuell werden, vielleicht auch, welchen Trost ihr gebraucht hättet. Ihr könnt dabei erzählen, wenn ihr wollt …

Dann gestaltet die andere Person ein Blütenblatt zum gleichen Thema aus ihren/seinen Erfahrungen …

Das nächste Blütenblatt wird beschrieben oder bemalt zum Thema: „Ich tröste“. Wie kann ich trösten? Was hat sich „bewährt“, bei wem auch immer? …

Auch hier wieder der Wechsel zur anderen Person, die das vierte Blatt füllt …

Das fünfte Blatt wird gemeinsam gestaltet. Es ist der „Joker“: Welches Trösten mag ich probieren/riskieren/wagen …? Nach welchem Trost habe ich Sehnsucht …?

 Dabei und danach viel Austausch.

Wenn genug Boden vorhanden ist, kann diese Einheit abgeschlossen werden mit einem gegenseitigen Geschenk. Beide stehen auf, stellen sich gegenüber und schenken der oder dem jeweils anderen eine Geste. Vielleicht eine Geste des Trostes, vielleicht eines des Dankes, eine der Ermutigung …