Was Begleiter/innen traumatisierter Menschen brauchen, Teil 2: Trauern

Dieser Artikel ist Teil 2 von 2 der Artikel-Serie Was Begleiter/innen traumatisierter Menschen brauchen

 

 

Das Gefühl des Trauerns ist ein äußerst hilfreiches Gefühl in der Bewältigung traumatischer Erfahrungen und ihrer Folgen. Denn Trauern ist das Gefühl des Loslassens. Wenn Menschen mit traumatischen Erfahrungen trauern können, löst sich das Trauma nicht auf, aber es kann an Kraft verlieren und einen anderen Platz im Leben erhalten.

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Was Begleiter/innen traumatisierter Menschen brauchen, Teil 1: Bewegung

Dieser Artikel ist Teil von 2 der Artikel-Serie Was Begleiter/innen traumatisierter Menschen brauchen

 

 

Eine der klassischen Reaktionen von Menschen, denen traumatischer Schrecken widerfahren ist, besteht darin zu erstarren. Bei vielen hält die Erstarrung sehr lange an. Oft ist die Erstarrung ein äußerliches Phänomen, während innendrin Hocherregung tobt.

Die Erstarrung macht etwas mit den Begleitern/innen. In der Resonanz und dem Raum der Zwischenleiblichkeit, also des gemeinsamen Erlebens, kann die Erstarrung der Klient/innen auf die Begleiter/innen übergreifen. Zumindest aber werden Erfahrungen und Erinnerungen der Begleiter/innen wiederbelebt, die selbst mit Erstarrungsreaktionen der Begleiter/innen verbunden waren.

Also nicht nur Lachen oder Weinen steckt an, auch das Erstarren.

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Erste Hilfe bei Traumatisierungen, Teil 9: Sachliche Hilfen

Dieser Artikel ist Teil 9 von 9 der Artikel-Serie Erste Hilfe bei Traumatisierungen

 

 

 

Manchmal sind die Menschen, die Sie in der Ersten Hilfe begleiten, nicht in der Lage, das was sie bewegt, zu teilen. Manchmal wirkt die Erstarrung nach und braucht Zeit, um langsam wieder aufzutauen. Dann ist es wichtig, dass Sie dies akzeptieren. Oft führt dann der erste Weg der Begleitung und der Begegnung darüber, dass über sachliche Hilfen gesprochen wird, und dass Sie in dieser Hinsicht Unterstützung anbieten können. Da fragt ein Vater, der seine Tochter bei einem Unfall verloren hat und sehr erschüttert ist, plötzlich: „Ich weiß gar nicht, wie man eine Beerdigung vorbereitet.“ Dann ist das Gespräch darüber der erste Schritt der Begegnung und Begleitung.

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Erste Hilfe bei Traumatisierungen, Teil 8: Weich bleiben, auch sich selbst gegenüber

Dieser Artikel ist Teil 8 von 9 der Artikel-Serie Erste Hilfe bei Traumatisierungen

 

 

 

 

In der Ersten Hilfe für Menschen, die mögliche traumatisierende Ereignisse erlebt haben, helfen keine Schemata, keine Checklisten, keine to do-Aufzählungen … . Entscheidend ist, da zu sein. Menschen nicht alleine und damit im Stich zu lassen. Entscheidend ist, Verbindung aufzubauen. Ganz wesentlich ist es, weich zu bleiben. Jeder Mensch ist anders. Jeder Mensch reagiert anders. Das klingt banal, ist aber wichtig zu wissen und ernst zu nehmen.

Deshalb empfehlen wir: Bleiben Sie gegenüber den betroffenen Menschen weich. Achten Sie darauf, was die jeweilige Person in dem jeweiligen Moment braucht. Vielleicht kann sie dies äußern, wahrscheinlich aber nicht. Also sind Sie da auf Ihr Gespür angewiesen. Trauen Sie diesem Gefühl. Probieren Sie aus, was gelingt und was nicht.

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Erste Hilfe bei Traumatisierungen, Teil 7: Zusammenbrüche, Erstarrung und Trauer

Dieser Artikel ist Teil 7 von 9 der Artikel-Serie Erste Hilfe bei Traumatisierungen

 

 

 

 

Manchmal brechen Menschen zusammen, wenn sie eine traumatische Erfahrung machen mussten. Dies geschieht besonders häufig, wenn Menschen eine Todesnachricht erhalten. Viele Menschen brechen dann buchstäblich zusammen. Sie können dann nicht mehr stehen, sondern sinken danieder oder fallen um, manche werden ohnmächtig, manche bekommen Schreikrämpfe, zittern oder schlagen um sich …

Wenn Menschen zusammenbrechen, brauchen sie Halt. Im Notfall auch eine Beruhigungsspritze von einem Notarzt. Vor allem brauchen sie von Ihnen als der Person, die versucht, Erste Hilfe zu leisten, dass sie gehalten werden. Dies kann buchstäblich darin bestehen, dass Sie sie aufrecht festhalten. Sie können auch, wenn die Opfer schon auf dem Boden liegen oder sitzen, sich auf Augenhöhe dazusetzen, sie fest halten an den Füßen, am Oberkörper, am Kopf, wo auch immer. Selbstverständlich nur da, wo es auch akzeptiert wird. Wenn das verbal nicht geschehen kann, spüren Sie es, ob sich Menschen gegen Ihre Berührungen wehren oder nicht. Wenn Berührung nicht möglich ist, dann halten Sie sie fest mit Ihren Blicken und vor allem mit Ihrer Stimme. Reden Sie beruhigend und kontinuierlich. Schaffen Sie mit Ihrer Stimme einen Raum der Geborgenheit um die betroffene Person und Sie herum.

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Erste Hilfe bei Traumatisierungen, Teil 4: Nicht drängen, nicht drängeln

Dieser Artikel ist Teil 4 von 9 der Artikel-Serie Erste Hilfe bei Traumatisierungen

 

 

 

Oft wissen oder ahnen die Helferinnen und Helfer nach traumatisierenden Situationen, was den betroffenen Menschen guttun könnte. Doch entscheidend ist, dass sie nicht drängen und auch nicht drängeln. Denn die Menschen, um die es hier geht, haben eine extreme Belastung erfahren. Sie wurden bedrängt, durch Gewalt oder sexuelle Gewalt, durch Unglück oder andere schlimme Erfahrungen. Deswegen ist es wesentlich, dass sie Unterstützung in ihrer Autonomie erfahren und dass ihre Entscheidungsfähigkeit respektiert wird.

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Stolz und Trauma-Erfahrungen

„Sei nicht so stolz“, das haben viele von Ihnen bestimmt gehört, zumindest als Kinder. „Darauf kannst du stolz sein“, werden auch einige gehört haben, doch eine deutlich kleine Anzahl.

„Stolz“ hat mehrere Bedeutungen, ist ein schillernder Begriff. Oft wird er mit Überheblichkeit gleichgesetzt und so abgelehnt. Doch stolz zu sein ist unserer Meinung nach positiv, eine wertvolle Eigenschaft, ein wichtiges Gefühl. Wer sich stolz fühlt, nimmt sich und seine Taten als positiv an, akzeptiert, dass er oder sie etwas geschafft, etwas erreicht hat. Dies stärkt das Selbstbewusstsein und das Selbstwertgefühl.

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Der leise Schrei: Warum manche Menschen so ungern Hilfe annehmen können!

Wir begegnen in der Traumahilfe oft Menschen, die ungern oder gar nicht Hilfe annehmen können. Das kann Beratung, Therapie oder andere Unterstützung betreffen. Wenn sie dann zum Beispiel in einer Therapie erfahren haben, dass Hilfe wirkt, erleichtert, stärkt, verstehen sie oft ihre frühere Haltung nicht.

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G20: Macht die Fernseher aus!

Ich schreibe dies am Vormittag des 8.7. angesichts der Gewaltbilder aus Hamburg. Dass es viel zu protestieren gibt, teile ich. Dass die Gewalt gegen die Polizei, gegen die Autos und Fahrräder der Anwohner, gegen die Drogerien und Supermärkte, die geplündert wurden, menschenverachtend ist, damit werde ich mich mit fast allen, die dies lesen, einig sein.

Mich treibt um, dass auf den meisten Gewaltbildern, die im Internet zu sehen sind, im Hintergrund und an den Seiten Reporter und Fotografen zu sehen sind. Die Gwalttäter schimpfen auf die Medien und gleichzeitig wollen sie in die Medien und die friedlichen Proteste überdecken. Und die Medien bieten ihnen die Bühne dafür. Das ist ärgerlich. Das ist widerlich. Das möchte ich nicht sehen, weder im Fernsehen noch im Internet.

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Wenn Blicke nicht aushaltbar sind…

Menschen, die traumatische Erfahrungen machen mussten, werden oft von Blicken „getriggert“, das heißt, dass Blicke anderer Menschen die leibliche Erinnerung an Traumata, z. B. sexuelle Gewalt auslösen. Für sie sind Blicke oft nicht aushaltbar, da Augenkontakt mit Hilflosigkeit und Opfersein verbunden ist. Sie haben vielleicht die Erfahrung, von Tätern „ausgeguckt“ worden zu sein – unbefangener Blickkontakt ist für sie dann meist unerträglich.

Gleichzeitig spüren sie oft eine große Sehnsucht, gesehen zu werden – allerdings mit Respekt. Sie befinden sich folglich in einem Dilemma, sich nach Blickkontakt zu sehnen und ihn gleichzeitig nicht auszuhalten. Mit diesen Menschen hat sich ein Weg bewährt, den wir Fächertanz nennen. Er ermöglicht, mit Hinschauen und Wegschauen, Sich-Verstecken und Sich-Zeigen zu spielen und so neue Erfahrungen mit Blicken zu machen.

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