Verrat überleben, Verratsfolgen bewältigen (6): Wahrhaftigkeit und heiliger Zorn

Dieser Artikel ist Teil 6 von 10 der Artikel-Serie Verrat überleben, Verratsfolgen bewältigen

Wenn traumatisierte Menschen verraten wurden und sich verraten fühlen, dann sind sie oft wütend und zornig. Doch oft werden diese aggressiven Gefühle gebremst, weil viele Menschen denken: „Ich will nicht so aggressiv sein wie die Menschen, die mir etwas angetan haben!“ Oder: „Man muss doch auch vergeben können!“ Weiter lesen

Verrat überleben, Verratsfolgen bewältigen (5): Der nützliche Abgrund

Dieser Artikel ist Teil 5 von 10 der Artikel-Serie Verrat überleben, Verratsfolgen bewältigen

Eine Klientin mit massiven Verrats- und Traumaerfahrungen sagte: „Ja, ich schaffe es, zu dem Menschen, der mir das Schlimme angetan hat, Abstand zu halten. Und ich merke auch, das tut mir gut. Es war ein früherer Freund, der mich vergewaltigt hat, und ich fühle mich so von ihm verraten, denn ich habe ihn doch mal geliebt und er mich auch. Für mich ist das immer noch unfassbar. Weiter lesen

Verrat überleben, Verratsfolgen bewältigen (4): Das verlorene Paradies, der innere Terror und die Sehnsucht nach dem, was heil ist

Dieser Artikel ist Teil 4 von 10 der Artikel-Serie Verrat überleben, Verratsfolgen bewältigen

Eine Klientin erzählte: „Mir ist, als wäre ich aus dem Paradies vertrieben worden. So wie Eva, als sie den verbotenen Apfel gegessen hat. Doch dabei habe ich doch gar nichts getan. Ich habe nichts Verbotenes getan. Ich bin nur so gedemütigt und verraten worden. Vorher habe ich an mich geglaubt und an ein gutes Leben. Doch jetzt kommt mir das vor wie ein zerplatzter Traum. Ich bin aus dem Paradies vertrieben …“ Weiter lesen

Verrat überleben, Verratsfolgen bewältigen (3): Radikaler Respekt

Dieser Artikel ist Teil 3 von 10 der Artikel-Serie Verrat überleben, Verratsfolgen bewältigen

Wer das Gefühl hat, verraten worden zu sein, hat die Erfahrung gemacht, dass er oder sie nicht respektiert wurde. Dies hat oft zur Folge, dass diese Menschen nachhaltig verunsichert sind. Sie sehnen sich auf der einen Seite danach, respektiert zu werden, auf der anderen Seite hat die Erfahrung fehlenden Respekts oft dazu geführt, dass der Respekt vor sich selbst verunsichert, manchmal verwirrt und verkümmert ist und oft angezweifelt wird. Respekt vor sich selbst heißt, sich ernst nehmen in seinen Widersprüchlichkeiten, auch in seinem Kummer, auch in seiner Verunsicherung. Und deswegen empfehlen wir Menschen, die Verratserfahrungen haben, dass sie sich darum bemühen und darin unterstützt werden, den Weg des radikalen Respekts zu gehen. Weiter lesen

Verstörtsein und was es braucht

Die hauptsächlichste Nachwirkung traumatischer Erfahrung besteht darin, dass die Menschen verstört sind. Es gibt bei den meisten keinen Katalog von „Störungen“ oder von allgemeingültigen „Symptomen“, sondern eher ein Befinden, welches das Erleben ausdrückt, dass die Welt nicht mehr die gleiche ist wie früher, die äußere wie die innere Welt. Wir nennen es Verstörtsein. Manche sagen dazu „verpeilt“, „neben sich stehend“, „durcheinander“, „neben der Kappe sein“ …
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Verrat überleben, Verratsfolgen bewältigen (2): Der Verlust der Zugehörigkeit und des Eingehaustseins

Dieser Artikel ist Teil 2 von 10 der Artikel-Serie Verrat überleben, Verratsfolgen bewältigen

Viele traumatisierte Menschen beschreiben ihre Erfahrung mit dem Bild, dass sie aus der Welt gefallen sind, aus ihrer Welt. Ein besonderer Aspekt besteht darin, dass die Zugehörigkeit verloren gegangen ist. Wir Menschen fühlen uns dort zugehörig, wo es selbstverständliche Verbindungen und Bindungen zu anderen Menschen gibt. Da die meisten Menschen, die Traumata erlebten, sexuelle Gewalt erfuhren, und dies aus dem engsten Familien-, Verwandtschafts- und Nachbarschaftskreis, muss dies Auswirkungen auf das Vertrauen und die selbstverständliche Zugehörigkeit haben.
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Verrat überleben, Verratsfolgen bewältigen (1): Das Gefühl ernst nehmen

Dieser Artikel ist Teil 1 von 10 der Artikel-Serie Verrat überleben, Verratsfolgen bewältigen

„Sie hatten mir gesagt: Das Boot ist sicher. Und doch ist es voll gelaufen!“ Der Flüchtling wurde gerade noch gerettet, seine Frau auch. Doch er fühlt sich auch ein Jahr danach noch getäuscht und verraten und ist fassungslos.

Eine deutsche Klientin war als 12jähriges Mädchen von ihrem Onkel vergewaltigt worden. „Ich hatte ihm doch vertraut. Darüber komme ich immer noch nicht hinweg. Nach über 20 Jahren müsste es doch vorbei sein …“ Auch sie fühlt sich verraten. Immer noch und immer wieder. Weiter lesen

Was mache ich, wenn … ein Flüchtling aus dem Irak sich weigert, mit mir als Frau zu sprechen?

Dann können Sie in der Regel nichts daran verändern. Dieses Verhalten ruft Gefühle von Hilflosigkeit hervor, vielleicht auch von Zorn, von Traurigkeit, Enttäuschung … Und doch werden Sie in den meisten Fällen an der Situation nichts ändern können. Weiter lesen

Was mache ich, wenn … Flüchtlinge, mit denen ich arbeite, überangepasst sind und gar nicht auffallen? Kann das auch eine Folge von Traumatisierungen sein?

Ja, das kann der Fall sein. Eine traumatische Erfahrung ist ein Erleben existentieller Bedrohung. Die Folge ist, dass Menschen alles tun, um sich solchen Situationen nicht mehr auszusetzen. Ein Weg besteht darin, sich wie ein Chamäleon zu verhalten, sich also an unterschiedliche Gegebenheiten anzupassen. Oft erfolgt das so in solch extremer Stärke, Weiter lesen

Was mache ich, wenn … ich mich an die fremdsprachigen Namen nicht mehr erinnere oder sie nicht richtig aussprechen kann, wie zum Beispiel bei Flüchtlingen aus dem arabischen Raum oder aus Afrika?

Namen sind wichtiger Ausdruck unserer Identität. Sie sind Ausdruck dessen, was uns einzigartig und unverwechselbar macht. Deswegen ist es für alle Menschen wichtig, mit dem Namen richtig angesprochen zu werden. Viele Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland sind verletzt, wenn noch nach Jahren zum Beispiel türkische Namen nicht richtig ausgesprochen werden, zum Beispiel das türkischen „Z“ wie ein deutsches „Z“ ausgesprochen und nicht mit einem weichen „S“. Wenn Menschen den Eindruck haben, dass sich niemand darum bemüht, ihren Namen richtig auszusprechen oder ihn zu behalten, dann fühlen sie sich meistes verletzt. Das gilt insbesondere dann, wenn diese Menschen traumatisiert sind und folglich unter Indentitäts-Verunsicherungen leiden. Weiter lesen