Sicherer Ort, Teil 3

Dieser Artikel ist Teil 3 von 3 der Artikel-Serie Sicherer Ort

 

 

 

Der nächste „sichere Ort“, den traumatisierte Menschen gewinnen können, sind Beziehungen. Denn traumatische Erfahrungen sind Beziehungserfahrungen. Es waren andere Menschen, die den betroffenen Leid zugefügt haben, die sie vergewaltigt, geschlagen und erniedrigt haben. Es waren andere Menschen, die Hilfeleistung unterlassen und die Opfer alleine gelassen haben. Die traumatischen Erfahrungen sind daher immer eine Beziehungskränkung.

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Zur Geschichte der Trauma-Leugnung, Teil 1: Ehre für Ulrich Venzlaff

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Ulrich Venzlaff wurde 1921 geboren und starb 2013. Er erregte Aufsehen, als er sich in einem Gutachten für eine Entschädigung eines ehemaligen Naziverfolgten einsetzte. Dies geschah schon 1952. Er erkannte bei den traumatisierten Menschen eine „verfolgungsbedingte Neurose“. Dieses Gutachten versetzte die Öffentlichkeit und vor allen Dingen das zuständige Entschädigungsamt in große Unruhe, weil diese eine „Gefahr einer nachfolgenden Lawine von Rentenansprüchen“ zu erkennen meinten. Denn bis dahin stand es außer Frage, dass Verfolgungen im Nationalsozialismus und andere Traumata oder erst recht Kriegsfolgen keinerlei Entschädigungsansprüche begründeten.

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Sicherer Ort, Teil 2

Dieser Artikel ist Teil 2 von 3 der Artikel-Serie Sicherer Ort

 

 

 

Das bisher vorgestellte Verständnis des „sicheren Ortes“ bedarf des Überdenkens. Dass Menschen mit traumatischen Erfahrungen sich einen „sicheren Ort“ vorstellen, ist sinnvoll. Doch wissen wir aus Imaginationen, dass positive Imaginationen nicht immer alleine daherkommen, sondern oft mit negativen Bildern, ja manchmal mit verängstigenden Schreckensbildern verbunden sein können, insbesondere bei mehrfach traumatisierten Menschen. Es bedarf daher besonderer Ausbildung und Begleitungskompetenz, Klienten/innen bei solchen Imaginationen zu begleiten. Sie brauchen nicht nur die einfach scheinende Hilfe, positive Bilder eines „sicheren Ortes“ herzustellen. Sie brauchen darüber hinaus Hilfen zwischen angstmachenden und positiven Bildern und Vorstellungen zu wechseln.

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Das dreifache UND für Partner/innen traumatisierter Menschen

Wenn ein Partner oder eine Partnerin unter Trauma-Folgen leiden, insbesondere unter solchen sexualisierter bzw. sexueller Gewalt, dann spüren Partner/Partnerinnen oft für sie seltsame und manchmal belastende Verhaltensweisen der traumatisierten Menschen. Sie können diese antriggern. Sie können Übertragungen ausgeliefert sein. Sie können mit ihren Bemühungen um Nähe und liebevolles Verhalten auf Abweisung stoßen. Diese Erfahrungen müssen nichts damit zu tun haben, dass ihr/e Partner/in sie nicht liebt oder nicht mit ihnen die Liebe im Alltag leben möchte. Nein, es sind Folgen von traumatischen Erfahrungen, insbesondere Gewalterfahrungen einschließlich sexualisierter Gewalt. Diese Erfahrungen können zum Beispiel durch Nähe, durch Berührungen, Töne, Gerüche oder andere Erfahrungen wieder ausgelöst werden.

Hilfreich für die Angehörigen ist die Haltung des dreifachen UND, die hier kurz skizziert werden soll.

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Erste Hilfe bei Traumatisierungen, Beitrag 3: Stress triggert !

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Die Volksweisheit sagt: „Wer einen Fahrradunfall hatte, sollte sofort wieder auf das Fahrrad steigen.“ Oder: „Wer vom Pferd gefallen ist, soll sofort weiter reiten.“ Diese Ratschläge sind für die meisten Menschen, die traumatischen Ereignissen ausgesetzt wurden, falsch.

Im Einzelfall kann dies eine Bewältigungsstrategie sein, doch all unsere Erfahrungen zeigen, dass Menschen, die traumatische Ereignisse durchlitten haben, danach eine Pause benötigen. Sie kann eine Woche dauern oder drei Tage, bei manchen auch zwei bis drei Wochen oder eine noch längere Zeit. Dies ist individuell unterschiedlich. In jedem Fall ist es wichtig, dass die Menschen Zeit und Raum bekommen, um sich wieder zu sortieren, wieder Boden unter den Füßen zu spüren, sich zu erholen.

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Sicherer Ort, Teil 1

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In der Traumapädagogik und Traumatherapie hat seit vielen Jahren die Arbeit mit dem „sicheren Ort“ einen besonderen Stellenwert. Die Notwendigkeit einer Pädagogik bzw. Traumapädagogik des „sicheren Ortes“ wird damit begründet, dass Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene, die traumatische Erfahrungen machen mussten, verunsichert sind und kein Vertrauen mehr in die Umgebung haben. Um dieser Verunsicherung entgegenzuwirken, brauchen sie Stabilität, Halt und den „sicheren Ort“. Dabei wird der „sichere Ort“ vor allem in zweierlei Hinsicht verstanden:

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Erste Hilfe bei Traumatisierungen, Beitrag 2: Der erste Mensch ist am wichtigsten.

Dieser Artikel ist Teil 2 von 3 der Artikel-Serie Erste Hilfe bei Traumatisierungen

Zwei Szenen:

Eine 42jährige Frau wird Zeugin eines Unfalls mit Schwerverletzten auf der Autobahn. Sie steht im Stau in der Reihe der Autos, die nicht weiterfahren können und bekommt über Sichtkontakt die Rettungsmaßnahmen mit. Sie ist geschockt, erstarrt und möglicherweise co-traumatisiert.

Als nach einer Stunde der Unfallort geräumt ist, kommt ein Mitarbeiter der Autobahnpolizei oder der Rettungsdienste, so genau weiß sie es danach nicht mehr, zu ihr und herrscht sie an, sie solle doch endlich losfahren. Es sei doch jetzt wieder alles in Ordnung. Diese Behandlung führt zum Ausbruch der Co-Traumatisierung. Die Frau fährt los, ohne zu wissen, dass sie und wie sie fährt. Als sie zu Hause ankommt und ihrer Familie begegnet, befindet sie sich völlig im Schock, als wäre ihr der Unfall selbst geschehen.

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Erste Hilfe bei Traumatisierungen, Beitrag 1: Welchen Stellenwert hat die Erste Hilfe?

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Die Erste Hilfe nach traumatischen Ereignissen ist ein wesentlicher Bestandteil der Unterstützung. Sie beeinflusst im wesentlichen Maße, ob und wie traumatische Erfahrungen bearbeitet und verarbeitet werden können. Das hat verschiedene Gründe.

Der erste Grund liegt darin, dass die „Zeit danach“ dafür entscheidend ist, ob ein Trauma bewältigt werden kann oder ob es chronische Folgen gibt. Die Untersuchungen vor allem von Gabriele Frick-Baer[1] haben ergeben, dass die meisten Menschen, die traumatische Ereignisse durchleben mussten, sich in der Zeit danach alleine und alleine gelassen fühlten.

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Zeiterleben und Trauma, Teil 7: Immer zu spät kommen

Dieser Artikel ist Teil 7 von 7 der Artikel-Serie Trauma und Zeiterleben

 

 

 

 

 

Ellen B. gab sich große Mühe, doch sie kam immer zu spät. Sie stellte sich morgens den Wecker rechtzeitig. Sie ging eine halbe Stunde früher aus dem Haus. Sie unternahm alles Mögliche, doch immer wieder kam sie zu spät. Insbesondere wenn sie Menschen traf, die ihr besonders wichtig waren, verspätete sie sich regelmäßig. Das galt für das Vorstellungsgespräch genauso wie für die Begegnung mit einer ihr lieben Freundin. Es war verflixt. Sie haderte mit sich und schimpfte sich aus. Doch je mehr sie sich Druck machte, desto schlimmer wurde es.

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Zeiterleben Trauma, Teil 6: Zeitliche Dissoziationen

Dieser Artikel ist Teil 6 von 7 der Artikel-Serie Trauma und Zeiterleben

Wenn ein Schreckenserleben für den betroffenen Menschen unaushaltbar wird, dann kann ein besonderer Schutzmechanismus in Kraft treten. Menschen können sich dann sich „wegbeamen“ oder das Erleben des Schreckens abspalten. Hält sich dies über einen längeren Zeitraum oder gar im weiteren Leben, wird dieser Zustand Dissoziation genannt. Manche Menschen mit traumatischen Erfahrungen reagieren auch mit zeitlichen Dissoziationen. Manche Lebensphasen werden zu einer Black Box. Es gibt keine zeitlichen Erinnerungen an diese Phase oder nur zwei oder drei Momente, die in dem Erinnerungsfluss aufblitzen. Manche Zeiten sind also dissoziiert, auf eine andere Stelle des Unterbewusstseins geschoben worden, was die wörtliche Übersetzung von „dissoziieren“ aus dem Lateinischen bedeutet. Zeitliche Dissoziationen sind also Erinnerungslücken oder vollständige Amnesien, die manche Zeitabschnitte des Lebens betreffen.

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