Drei aktuell erschienene Artikel zu unterschiedlichen Aspekten des Themenbereichs „Trauma“, von Udo Baer und Gabriele Frick-Baer

 

1. Beitrag
„Flucht, traumatisierende Gewalt und die Folgen“
Autoren: Udo Baer und Gabriele Frick-Baer
Erschienen in: Migration und soziale Arbeit- Freie Beiträge, 41. Jahrgang 2019, Heft 4, Seite 360-367.

2. Beitrag
„Die Zeit heilt nicht alle Wunden“
Drei Viertel der Menschen, die in der Altenhilfe begleitet werden, sind traumatisiert. Der Beitrag zeigt die Phänomene von Trauma­folgen im Alter und eröffnet Perspektiven für eine angemessene und würdigende Begleitung in sozialen Diensten und anderen Feldern Sozialer Arbeit.
Autor: Udo Baer
Erschienen in: sozialmagazin, Die Zeitschrift für Soziale Arbeit, Heft 1-2- 2020, Seite 48-55.

3. Beitrag
„Schuldgefühle ohne Schuld“
Wir kennen keine Opfer sexueller Ausbeutung oder anderer entwürdigender Gewalt, die nicht unter Schuldgefühlen leiden.
Deswegen ist es sinnvoll, ja notwendig, sich mit dem Thema «Schuld und Schuldgefühle» zu beschäftigen.
Autoren: Gabriele Frick-Baer und Udo Baer
Erschienen in: CASTAGNA Themenheft 2020, Seite 24-28

Traumatisierte Kinder sensibel begleiten, Teil 3: Erregung reduzieren

Dieser Artikel ist Teil 3 von 3 der Artikel-Serie Traumatisierte Kinder sensibel begleiten

 

 

 

 

Bei allen Kindern ist wie bei uns Erwachsenen zu beobachten, dass der Verlauf von Aufgeregtheit und Entspannung in unterschiedlichen Phasen und Intensitäten aufeinander folgt. Sie werden Kinder kennen, die sehr aufgeregt sind, sich danach beruhigen, allein oder mit Hilfe anderer, und andere, die auf einem relativ hohen Erregungsniveau bleiben oder aber eher zu den stillen und ruhigen Kindern zählen. Die Erregungsverläufe sind typisch für alle Menschen, sie gehören zu den Grundqualitäten des Erlebens.

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Traumatisierte Kinder sensibel begleiten, Teil 1: Woran Traumata bei Kindern erkennen

Dieser Artikel ist Teil von 3 der Artikel-Serie Traumatisierte Kinder sensibel begleiten

 

 

 

Es gibt keine allgemeingültigen Listen von Symptomen, an denen erkannt werden kann, ob ein Kind traumatische Erfahrungen machen musste. Es gibt Hinweise
– nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Der wichtigste Hinweis besteht darin, dass Kinder nach einer traumatischen Erfahrung verstört sind. Sie verhalten sich nicht mehr so wie vorher.
Sie wirken anders, zeigen Verhaltensänderungen unterschiedlicher Art. Jedes Kind reagiert anders. Aber das Verstörtsein ist ein gemeinsam auftretendes Merkmal. Manche Kinder werden sehr unruhig, sind reizbar und schreckhaft. Andere ziehen sich eher zurück. Wieder andere werden aggressiv gegenüber ihrer Umgebung, um einem erneuten Kontrollverlust vorzubeugen.

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„Die Scham der Frauen und die Scham der Männer“, ein Interview mit Dr. Gabriele Frick-Baer

 

Wovor schämen sich Frauen besonders?

Die meisten Frauen schämen sich, wenn ihr Innerstes entblößt wird. Was das ist, ist individuell unterschiedlich, vielleicht wird das Tagebuch von jemandem Unbefugten gelesen oder eine andere Person sieht etwas am eigenen Körper, was nicht so vollkommen ist und verborgen bleiben soll. Vielleicht tritt Scham auf, wenn ein Fehler, der unentdeckt bleiben soll bemerkt wird. Andere schämen sich ihrer Armut oder Arbeitslosigkeit, schämen sich für Ihre Kinder, schämen sich bestimmter Krankheiten, z. B. ihrer Migräne und dergleichen mehr. Wovor und wobei sich Frauen schämen ist so vielfältig, wie die Menschen sind. Scham ist das Gefühl, das auftritt, wenn Intimes an die Öffentlichkeit gerät oder zu geraten droht. Scham macht darauf aufmerksam, ist also ein Wächter des Intimen Raums.

 

Schämen sich Männer anders?

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Zwei Seelen in meiner Brust

Im Juni stellte die unabhängige Kommission zur Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs die Ergebnisse ihrer Untersuchungsarbeit vor. Über 1000 betroffene Menschen wurden befragt und erzählten von ihren Erfahrungen. Der „Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung“, Johannes Wilhelm Rörig, sagte: „Der Bericht ist tief erschütternd.“ Über manche Ergebnisse wurden in der Presse berichtet – genau einen Tag lang. Dann wieder Schweigen.

Meine Reaktion darauf ist äußerst zwiespältig. Eine der einen Seite finde ich es gut, dass wenigstens einen Tag lang in den Medien über die Leiden von Opfern traumatisierender Gewalt berichtet wird. Ich finde gut, dass 1000 Menschen die Geschichte ihres Leidens erzählen können und Gehör finden. Jedes Bisschen, das Schweigen bricht und Öffentlichkeit schafft, ist positiv.

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SERIE Komorbidität – Traumaerfahrungen und psychische Erkrankungen (7): Die vierte Ähnlichkeit – Einsamkeit und sozialer Rückzug

Dieser Artikel ist Teil 7 von 7 der Artikel-Serie SERIE Komorbidität - Traumaerfahrungen und psychische Erkrankungen

In der Psychotraumatologie wurde das „Alleinsein danach“ als besonderer Teil des traumatischen Ereignisses und des Traumaerlebens herausgearbeitet (Frick-Baer 2013). Ein körperliches Trauma, eine körperliche Wunde braucht Schmerzmittel, Pflege, Verband, Ruhe usw.. Erhält sie dies, kann sie heilen. Erhält sie dies nicht, kann sie allenfalls vernarben. Ein psychosoziales Trauma braucht ebenfalls Trost, Wärme, Unterstützung, Parteilichkeit, Verständnis usw., um heilen zu können. Andernfalls vernarbt es höchstens und bricht immer wieder auf. Weiter lesen

SERIE Komorbidität – Traumaerfahrungen und psychische Erkrankungen (6): Die dritte Ähnlichkeit – Erregung

Dieser Artikel ist Teil 6 von 7 der Artikel-Serie SERIE Komorbidität - Traumaerfahrungen und psychische Erkrankungen

Eine traumatische Situation enthält eine existenzielle Bedrohung, die massive Reaktionen des vegetativen Nervensystems über die Amygdala initiiert. Diese führen zu einer Hocherregung. Im DSM wird die anhaltende Hocherregung folgendermaßen als Diagnosebestandteil von Traumafolgestörungen herangezogen: Weiter lesen

SERIE Komorbidität – Traumaerfahrungen und psychische Erkrankungen (5): Die zweite Ähnlichkeit – Überforderung, Verringerung des Selbstwertgefühls bis hin zur Erschütterung der Meinhaftigkeit

Dieser Artikel ist Teil 5 von 7 der Artikel-Serie SERIE Komorbidität - Traumaerfahrungen und psychische Erkrankungen

Dass psychische Erkrankungen mit einer Verringerung, ja oft Zerstörung des Selbstwertgefühls einhergehen, ist bekannt. Dieser ist auch Ergebnis traumatischer Erfahrungen. Wenn Menschen in traumatischen Situationen existenziell bedroht werden, wenn sie durch sexuelle und andere Gewalt als Objekte behandelt werden, muss das ihr Selbstwertgefühl erschüttern und ihre Selbstwertschätzung nachhaltig beeinträchtigen. Hilflosigkeit ersetzt Gefühle und Erwartungen der Wirksamkeit. Weiter lesen

SERIE Komorbidität – Traumaerfahrungen und psychische Erkrankungen (4): Die erste Ähnlichkeit – Die Wunde und die existenzielle Not

Dieser Artikel ist Teil 4 von 7 der Artikel-Serie SERIE Komorbidität - Traumaerfahrungen und psychische Erkrankungen

Das Wort Trauma stammt aus dem Alt-Griechischen und bedeutet „Wunde“. Die Bezeichnung „Trauma“ wird in der Medizin für bestimmte körperliche Wunden benutzt, in Psychologie und Psychotherapie für bestimmte seelische Verletzungen. „In einer ersten Arbeitsdefinition können wir psychisches Trauma als seelische Verletzung verstehen (von dem griechischen Wort Trauma = Verletzung). Weiter lesen

SERIE Komorbidität – Traumaerfahrungen und psychische Erkrankungen (3): Trauma, Traumabewältigung und psychische Erkrankungen

Dieser Artikel ist Teil 3 von 7 der Artikel-Serie SERIE Komorbidität - Traumaerfahrungen und psychische Erkrankungen

Aus der hohen Komorbidität zwischen Traumaerfahrungen und psychischen Erkrankungen ergibt sich die Notwendigkeit einer traumasensiblen Begleitung und Therapie psychisch erkrankter Menschen. Diese muss auf die traumatogenen Besonderheiten ausgerichtet und eingestellt sein (s.a. Flatten 2011). Weiter lesen