Was tun bei seltsamen Gefühlen traumatisierter Kinder, Teil 5: Schuldgefühle

Dieser Artikel ist Teil 5 von 5 der Artikel-Serie Was tun bei »seltsamen« Gefühlen traumatisierter Kinder?

 

 

 

 

Traumatische Erfahrungen bewirken in den Kindern, dass sie in all ihrem Erleben erschüttert sind. Dazu gehört auch ihr Gefühlsleben. Manche Gefühle verschwinden scheinbar, andere werden stärker, wieder andere verändern sich in ihren Inhalten und ihrem Ausdruck. Deswegen werde ich in den folgenden Abschnitten auf einige dieser Gefühle eingehen, die Veränderungen durch traumatische Erfahrungen beschreiben und Ihnen Hinweise geben, wie Sie damit umgehen können

Um die trauerbedingten Schuldgefühle zu verstehen, ist es wichtig, dass Sie zwischen Schuld und Schuldgefühlen unterscheiden können. Es gibt viele Menschen, die Schuld auf sich geladen haben, aber keine Schuldgefühle spüren, darunter nach meinen Erfahrungen die meisten Täter und Täterinnen. Und es gibt Opfer, die Schuldgefühle haben, aber keine Schuld. Wir haben bei größeren Kindern, bei Jugendlichen und Erwachsenen fast immer beobachtet, dass sich die Opfer von sexueller Gewalt oder anderer Gewalt schuldig fühlen. Vernünftig ist dies nicht zu erklären, denn sie waren Opfer und ausgeliefert.

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Gewaltprävention in sozialen Institutionen, Teil 4: Erste Hilfe

Dieser Artikel ist Teil 5 von 5 der Artikel-Serie Gewaltprävention in sozialen Institutionen

Erste Hilfe meint den unmittelbaren Umgang mit einer Situation, in der Gewalt ausgeübt wird.

  • Die Mitarbeiter/innen brauchen einen Standardplan mit Ansprechpartnern.
  • Die Opfer dürfen nicht allein gelassen werden.
  • Eine Trennung von Tätern und Opfern ist unabdingbar. Jeder Täterkontakt triggert bei den Opfern das Erleben der Gewalt. Dies gilt auch für die Zweite Hilfe.
  • Beweise und Aussagen müssen festgehalten und gesichert werden.
  • Gegebenenfalls müssen Arzt und Polizei hinzugezogen werden.
  • Zeugen solltet beachtet und sich auch um sie gekümmert werden, nicht nur um Täter und Opfer.
  • Es braucht Transparenz und Offenheit.

Sind Mitarbeiter/innen von Gewaltdrohungen und Gewaltattacken betroffen, sollten sie sofort aus der Situation herausgenommen werden. Sie dürfen nicht allein gelassen werden, sondern brauchen Solidarität und Begleitung

Was tun bei seltsamen Gefühlen traumatisierter Kinder?, Teil 4: Misstrauen

Dieser Artikel ist Teil 4 von 5 der Artikel-Serie Was tun bei »seltsamen« Gefühlen traumatisierter Kinder?

 

 

Traumatische Erfahrungen bewirken in den Kindern, dass sie in all ihrem Erleben erschüttert sind. Dazu gehört auch ihr Gefühlsleben. Manche Gefühle verschwinden scheinbar, andere werden stärker, wieder andere verändern sich in ihren Inhalten und ihrem Ausdruck. Deswegen werde ich in den folgenden Abschnitten auf einige dieser Gefühle eingehen, die Veränderungen durch traumatische Erfahrungen beschreiben und Ihnen Hinweise geben, wie Sie damit umgehen können

 

Dass eine traumatische Erfahrung dazu führt, dass Kinder misstrauisch gegenüber anderen Menschen, ja, gegenüber der Welt werden, habe ich schon mehrmals erwähnt. Wenn Menschen, denen sie vertrauen, ihnen Gewalt antun, wenn sie in Situationen, die sie als vertraulich erlebt und in denen sie auf den Schutz der Erwachsenen vertraut haben, in existenzielle Bedrohungen gestürzt werden, dann bricht die Welt zusammen und damit auch das Vertrauen in die Welt.

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Gewaltprävention in sozialen Institutionen, Teil 3 : Prävention

Dieser Artikel ist Teil 3 von 5 der Artikel-Serie Gewaltprävention in sozialen Institutionen

 

 

Prävention besteht aus einem Bündel von Maßnahmen:

  • Es braucht ein Klima und eine gemeinsame Haltung: Stopp der Gewalt!
  • Gewaltdrohungen und Gewaltvorfälle müssen besprochen werden. Enttabuisierung und Transparenz müssen selbstverständlich werden.
  • Es sollten Strukturen verändert werden, die Gewalt fördern können. Angsträume müssen Schritt für Schritt abgeschafft werden, soweit und sobald sie bekannt werden.
  • Es braucht Fortbildungen zum Umgang mit und zur Prävention von Gewalt für alle Mitarbeiter/innen.
  • In allen Einrichtungen brauchen die Mitarbeiter/innen konkrete Informationen, an wen sie sich wenden können bzw. bei Gewaltvorfällen müssen.
  • Bei der Aufnahme sollten Risikofaktoren soweit wie möglich erfasst und Ausschlussereignisse definiert werden.
  • Rechtliche Rahmenbedingungen sollten bekannt sein und beachtet werden.
  • Ideen und Vorschläge von Mitarbeiter/innen sollten gesammelt und ernst genommen werden.
  • Zu jedem Gewaltvorfall braucht es eine Nachbesprechung. Nachbesprechungen sind die beste Vorbeugung. Dabei geht nicht um Schuldzuweisungen, sondern darum, aus jedem Ereignis zu lernen, welche Vorwarnsignale und andere Hinweise zu beachten sind und was daraus für Schlussfolgerungen zu ziehen sind.
  • Auf allen Ebenen ist eine Eindeutigkeit in der Kommunikation notwendig, insbesondere zu allen Gewalt-relevanten Themen, damit alle wissen, woran sie sind.
  • Eine gemeinsame Haltung „Stopp der Gewalt“ oder „Keine Gewalt“ kann nur mit einer solidarischen Haltung untereinander gelebt werden.

Was tun bei »seltsamen« Gefühlen traumatisierter Kinder?, Teil 3: Zorn

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Traumatische Erfahrungen bewirken in den Kindern, dass sie in all ihrem Erleben erschüttert sind. Dazu gehört auch ihr Gefühlsleben. Manche Gefühle verschwinden scheinbar, andere werden stärker, wieder andere verändern sich in ihren Inhalten und ihrem Ausdruck. Deswegen werde ich in den folgenden Abschnitten auf einige dieser Gefühle eingehen, die Veränderungen durch traumatische Erfahrungen beschreiben und Ihnen Hinweise geben, wie Sie damit umgehen können.

Ein Kind ist manchmal ärgerlich, zornig, wütend und zeigt dies auch. Die Kinder teilen uns dadurch mit, dass sie etwas anders haben wollen. Die Mutter soll nicht weggehen, sie möchten das Essen nicht aufessen, sie wollen beim Spiel gewinnen … Das ist der Sinn und der Nutzen der aggressiven Gefühle: Sie zielen auf Veränderung ab und zeigen, dass Kinder eine solche Veränderung bewirken wollen. Mit den aggressiven Gefühlen umzugehen, gehört zu Ihrem erzieherischen Alltag. Doch bei Kindern, die traumatische Erfahrungen gemacht haben, können der Zorn oder die Wut besondere Qualitäten zeigen, die über die Alltagserfahrungen hinausgehen:

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Trost, Teil 12: Die ungetröstete Generation

Dieser Artikel ist Teil 12 von 12 der Artikel-Serie Trost

 

 

 

 

Im Jahr 2015 jährte sich das Ende des Zweiten Weltkrieges zum 70. Mal. Im Institut für Soziale Innovation (ISI) überlegten wir, was wir aus diesem Anlass unternehmen könnten. Absicht war, die alten Menschen, die das Kriegsende erlebt hatten, zu trösten und zu unterstützen. Wir kamen auf die Idee, Menschen zu befragen, die das Kriegsende erlebt und überlebt hatten: Was hat Sie damals getröstet? Dies taten wir, und es kamen viele Aussagen, Bilder und Objekte zusammen, die später als eine Ausstellung „Trost 45“ in verschiedenen Einrichtungen gezeigt wurden. Bei der Eröffnung der Ausstellungen in den unterschiedlichen Orten führten wir Veranstaltungen durch und diskutierten mit den Beteiligten aber auch deren Kindern und anderen interessierten Menschen. Dabei hörten wir oft:

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Was tun bei »seltsamen« Gefühlen traumatisierter Kinder?, Teil 2: Angst

Dieser Artikel ist Teil 2 von 5 der Artikel-Serie Was tun bei »seltsamen« Gefühlen traumatisierter Kinder?

 

 

 

Traumatische Erfahrungen bewirken in den Kindern, dass sie in all ihrem Erleben erschüttert sind. Dazu gehört auch ihr Gefühlsleben. Manche Gefühle verschwinden scheinbar, andere werden stärker, wieder andere verändern sich in ihren Inhalten und ihrem Ausdruck. Deswegen werde ich in den folgenden Abschnitten auf einige dieser Gefühle eingehen, die Veränderungen durch traumatische Erfahrungen beschreiben und Ihnen Hinweise geben, wie Sie damit umgehen können.

 

Alle Kinder haben Angst. Angst ist ein nützliches Gefühl, denn es bewahrt Kinder (und Erwachsene) davor, sich in gefährliche Situationen zu begeben. Wenn wir Trauma-Folgen betrachten geht es also nicht um die Angst an sich, sondern vor allem um das Maß der Angst. Viele traumatisierte Kinder sind im Nachklang extrem angstvoll. Sie wurden und sie fühlten sich existenziell bedroht und konnten dies nicht bewältigen. Also ist es nachvollziehbar, dass ihre Angst steigt, manchmal sogar ins Unermessliche.

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Gewaltprävention in sozialen Institutionen, Teil 2 : Die Haltung

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Jedes Gewaltpräventionskonzept beruht auf einer Haltung und diese fußt auf einem Menschenbild. Das Menschenbild sollte auf der Achtung der Würde aller Menschen gründen. Der Schutz der Würde ist ein Menschenrecht. Er gilt für alle Menschen, egal wo sie herkommen und wie sie sind. Diese Grundhaltung verpflichtet alle Mitarbeiter/innen und Bewohner/innen oder andere Klient/innen, sich gegen Gewalt zu wenden und ihr vorzubeugen. Gewalt entwürdigt.

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Was Begleiter/innen traumatisierter Menschen brauchen, Teil 2: Trauern

Dieser Artikel ist Teil 2 von 2 der Artikel-Serie Was Begleiter/innen traumatisierter Menschen brauchen

 

 

Das Gefühl des Trauerns ist ein äußerst hilfreiches Gefühl in der Bewältigung traumatischer Erfahrungen und ihrer Folgen. Denn Trauern ist das Gefühl des Loslassens. Wenn Menschen mit traumatischen Erfahrungen trauern können, löst sich das Trauma nicht auf, aber es kann an Kraft verlieren und einen anderen Platz im Leben erhalten.

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