Was Begleiter/innen traumatisierter Menschen brauchen, Teil 1: Bewegung

Dieser Artikel ist Teil von 1 der Artikel-Serie Was Begleiter/innen traumatisierter Menschen brauchen

 

 

Eine der klassischen Reaktionen von Menschen, denen traumatischer Schrecken widerfahren ist, besteht darin zu erstarren. Bei vielen hält die Erstarrung sehr lange an. Oft ist die Erstarrung ein äußerliches Phänomen, während innendrin Hocherregung tobt.

Die Erstarrung macht etwas mit den Begleitern/innen. In der Resonanz und dem Raum der Zwischenleiblichkeit, also des gemeinsamen Erlebens, kann die Erstarrung der Klient/innen auf die Begleiter/innen übergreifen. Zumindest aber werden Erfahrungen und Erinnerungen der Begleiter/innen wiederbelebt, die selbst mit Erstarrungsreaktionen der Begleiter/innen verbunden waren.

Also nicht nur Lachen oder Weinen steckt an, auch das Erstarren.

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Gewaltprävention in sozialen Institutionen, Teil 1: Warum ein Gewaltpräventionskonzept notwendig ist

Dieser Artikel ist Teil von 1 der Artikel-Serie Gewaltprävention in sozialen Institutionen

 

 

Für viele Institutionen ist die Erstellung von Konzepten zur Gewaltprävention und damit zur Verhinderung und Vorbeugung von traumatischen Erfahrungen vorgeschrieben. Andere machen dies freiwillig. Ein solches Konzept ist notwendig, um die Mitarbeiter/innen und ebenso das Klientel vor Gewalt und anderen Traumatisierungen zu schützen.

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Trost, Teil 10: Trostkompetenzen

Dieser Artikel ist Teil 9 von 10 der Artikel-Serie Trost

 

 

 

 

 

 

Um trösten zu können, müssen wir keine Seminare besuchen. Wir Menschen sind kompetent zu trösten und wir haben Erfahrungen als Kinder, als Jugendliche, auch als erwachsene Menschen gemacht, zu trösten und getröstet zu werden. Um diesen Erfahrungen des Trostes und des Tröstens nahezukommen, stellen Sie sich bitte zwei Fragen.

Die eine Frage lautet: Wie bin ich früher getröstet worden? Die Antworten sind vielfältig:

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Was tun bei »seltsamen« Gefühlen traumatisierter Kinder?, Teil 1: Neugier

Dieser Artikel ist Teil 1 von 1 der Artikel-Serie Was tun bei »seltsamen« Gefühlen traumatisierter Kinder?

Traumatische Erfahrungen bewirken in den Kindern, dass sie in all ihrem Erleben erschüttert sind. Dazu gehört auch ihr Gefühlsleben. Manche Gefühle verschwinden scheinbar, andere werden stärker, wieder andere verändern sich in ihren Inhalten und ihrem Ausdruck. Deswegen werde ich in den folgenden Abschnitten auf einige dieser Gefühle eingehen, die Veränderungen durch traumatische Erfahrungen beschreiben und Ihnen Hinweise geben, wie Sie damit umgehen können.

Neugier ist ein Gefühl, das häufig unterschätzt wird. Es macht sich negativ bemerkbar, wenn Eltern genervt sind, weil das Kind »zu« neugierig ist und fragt und fragt und fragt oder wenn die Neugier und das Interesse eines Kindes schwinden, wenn die Fähigkeit, sich für Dinge und Menschen zu interessieren oder gar zu begeistern, verloren geht. Ein solcher Verlust kann starke Auswirkungen auf die Kinder haben. Denn Neugier und Interesse öffnen die Türen zur Welt. Indem Kinder sich für Dinge interessieren, wenden sie sich ihnen zu und beschäftigen sich damit. Worauf sie neugierig sind, fragen sie, erkunden sie mit Händen und mit Worten, mit all ihrem Handeln und eignen sich die Welt an. Manche Kinder sind neugieriger als andere, doch alle Kinder werden mit Neugier und Interesse für ihre Umwelt geboren. Sie brauchen Unterstützung, diese Neugier zu leben und zu entfalten.

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Drei aktuell erschienene Artikel zu unterschiedlichen Aspekten des Themenbereichs „Trauma“, von Udo Baer und Gabriele Frick-Baer

 

1. Beitrag
„Flucht, traumatisierende Gewalt und die Folgen“
Autoren: Udo Baer und Gabriele Frick-Baer
Erschienen in: Migration und soziale Arbeit- Freie Beiträge, 41. Jahrgang 2019, Heft 4, Seite 360-367.

2. Beitrag
„Die Zeit heilt nicht alle Wunden“
Drei Viertel der Menschen, die in der Altenhilfe begleitet werden, sind traumatisiert. Der Beitrag zeigt die Phänomene von Trauma­folgen im Alter und eröffnet Perspektiven für eine angemessene und würdigende Begleitung in sozialen Diensten und anderen Feldern Sozialer Arbeit.
Autor: Udo Baer
Erschienen in: sozialmagazin, Die Zeitschrift für Soziale Arbeit, Heft 1-2- 2020, Seite 48-55.

3. Beitrag
„Schuldgefühle ohne Schuld“
Wir kennen keine Opfer sexueller Ausbeutung oder anderer entwürdigender Gewalt, die nicht unter Schuldgefühlen leiden.
Deswegen ist es sinnvoll, ja notwendig, sich mit dem Thema «Schuld und Schuldgefühle» zu beschäftigen.
Autoren: Gabriele Frick-Baer und Udo Baer
Erschienen in: CASTAGNA Themenheft 2020, Seite 24-28

Trost, Teil 9: Trostdialog

Dieser Artikel ist Teil 8 von 10 der Artikel-Serie Trost

 

 

 

 

 

Wenn Menschen mit dem Trösten fremdeln und mit dem Wort und dem Inhalt des Tröstens nicht viel anfangen können, entspringt dies meistens der Erfahrung, dass sie selbst zu wenig getröstet worden sind und in dessen Gefolge auch zu wenig andere Menschen trösten durften. Hier bietet sich der Trostdialog an, um Erfahrungen des Tröstens auszutauschen und sich dem Thema anzunähern. Ein Beispiel aus der Paararbeit:

Nehmt ein großes Blatt A0-Papier. Zeichnet die Umrisse einer großen Blume mit fünf Blütenblättern auf das Papier …

Es geht um Trost und Trösten. Eine/r von euch malt oder schreibt in ein Blütenblatt Erfahrungen zum Thema „Ich werde getröstet“. Erfahrungen, wie ihr getröstet wurde und aktuell werden, vielleicht auch, welchen Trost ihr gebraucht hättet. Ihr könnt dabei erzählen, wenn ihr wollt …

Dann gestaltet die andere Person ein Blütenblatt zum gleichen Thema aus ihren/seinen Erfahrungen …

Das nächste Blütenblatt wird beschrieben oder bemalt zum Thema: „Ich tröste“. Wie kann ich trösten? Was hat sich „bewährt“, bei wem auch immer? …

Auch hier wieder der Wechsel zur anderen Person, die das vierte Blatt füllt …

Das fünfte Blatt wird gemeinsam gestaltet. Es ist der „Joker“: Welches Trösten mag ich probieren/riskieren/wagen …? Nach welchem Trost habe ich Sehnsucht …?

 Dabei und danach viel Austausch.

Wenn genug Boden vorhanden ist, kann diese Einheit abgeschlossen werden mit einem gegenseitigen Geschenk. Beide stehen auf, stellen sich gegenüber und schenken der oder dem jeweils anderen eine Geste. Vielleicht eine Geste des Trostes, vielleicht eines des Dankes, eine der Ermutigung …

Gastbeitrag aus aktuellem Anlass: „Weil Nähe zählt“, Frauke Grießmann

Weil Nähe zählt/ Frauke Grießmann

 

Frau L. ist bettlägrig. Sie hatte einen Schlaganfall. Hier, im Krankenhaus, soll sie wieder ‚auf die Beine kommen’. Es ist Ende April, die Abstandsregeln gelten. Frau L. darf keinen Besuch empfangen. Sie fragt mich jeden Tag, wo ihr Mann bleibt und er warum er noch nicht da war. Dann erinnere ich sie. „Das ist doch wegen dem blöden Virus, wissen sie. Da darf niemand besucht werden. So was Blödes, nicht wahr?“ Frau L. schimpft, über das blöde Virus, ihren Mann, der trotzdem nicht kommt und sie weint, weil sie ihn so vermisst.

In der Pflege gilt sie als schwierige Patientin. Eine, die nicht mit macht und alles verweigert. Entsprechend wird sie behandelt. Schwierige PatientInnen hat man nicht so gerne …

Ich bin mit meiner Kollegin verabredet. Wir wollen versuchen, Frau L. an die Bettkante zu mobilisieren und das geht, wenn überhaupt, im Moment nur zu zweit. Wir haben eine Flasche kalte Cola dabei. Frau L. hat am Vortag inbrünstig von kalter Cola geschwärmt.

Frau L. begrüßt uns freudig und herzlich. Sie freut sich stets, wenn jemand zu ihr kommt. Nichts ist schwierig. Sie hat immer einen lockeren Spruch auf den Lippen, der zum Lachen animiert. Sie fragt nach ihrem Mann, ach ja, das blöde Virus schon wieder, und ob wir den kleinen Chinesen schon gesehen hätten. Nein, haben wir nicht. Außerdem wolle sie nachhause, zu ihrer Mutter, wo sie für ihre Kinder das Mittagessen kochen müsse.

Ich stehe an Frau L.s linker Bettseite und erkläre ihr, dass wir jetzt versuchen möchten, sie ganz vorsichtig an die Bettkante zu setzten.

„NEIN! Lassen sie mich bitte!“

Meine Kollegin und ich bemerken, dass aufgrund der Inkontinenz ein Wechseln der Vorlage und die nötige Intimpflege wichtig wären.

Wir beraten und kurz. Ich erkläre Frau L., dass wir vorhaben, nach der Krankenschwester zu rufen, damit sie entsprechend versorgt kann. Dabei halte ich ihre rechte Hand und schaue ihr über meinen Mund-Nasen-Schutz in die Augen.

„NEIN! Ich will das nicht! Bitte lassen sie mich!“

Es folgen schreckliche 10 Minuten ….

Für alle Beteiligten. Eine bettlägrige alte Frau, 2 Therapeutinnen und 2 Krankenschwestern ringen um das, was notwendig erscheint. Gegen den ausdrücklichen Willen der Patientin. Es ist ein Alptraum.

Frau L. schreit unentwegt. Ich halte ihre rechte Hand, sie hält sich an meiner, so fest mit einer Kraft, als wolle sie sich aus etwas heraus ziehen.

„NEIN, NEIN, NEIN, hört auf, hört doch bitte auf, lasst mich, lasst mich, lasst mich!!!“

Mir stehen die Schweißperlen auf der Stirn, und ich spreche mit Frau L.

„Frau L., schauen sie mich an. Machen sie die Augen auf und schauen sie mich an. Schauen sie in meine Augen! Sie sind im Krankenhaus und werden gerade von der Krankenschwester gewaschen. Ich halte ihre Hand. Spüren sie, wie ich ihre Hand halte? Ich bin bei ihnen und halte ihre Hand. Schauen sie mir weiter in die Augen. So ist es gut …“

Hände halten, Augen halten. Es ist vorbei.

Was bleibt, sind unsere haltenden Hände und unser Blickkontakt. Es ist als hätte sich ihr Blick in meinem verankert. Mir erscheint, als herrsche im Raum unserer Zwischenleiblichkeit eine Klarheit und ein tiefes Einverständnis. Ich frage sie.

„Haben sie in ihrem Leben etwas Schlimmes erlebt, Frau L.?“

„Ja. Ich kann ihnen gar nicht sagen, was alles …“

Ich nicke langsam. Ihr Blick saugt sich an meinem fest. Leise Tränen kullern aus ihren Augenwickeln.

„Wie alt waren sie?“

„Ich war sehr jung.“

„Wie haben sie das überlebt?“

„Ich habe dagegen angeschrieen.“

Hände halten, Augen halten.

Ich werde diese Momente und Augenblicke mit Frau L. nie vergessen.

Einige Zeit später suche ich das Gespräch mit der zuständigen Ärztin. Ich teile ihr meine Eindrücke mit. Von meiner Überzeugung, das Frau L. ein Opfer von Gewalt ist und vor allem in pflegerischen Situationen immer wieder in das Erleben von damals gerät und somit in existentielle Not.

Ich schlage vor, ein festes Team um Frau L. zu bilden, um mit besonderer Achtsamkeit und in gegenseitiger Absprache eine bessere Versorgung für sie zu ermöglichen. Wir haben gerade jetzt die Zeit. Wegen dem blöden Virus …

Dies war die Reaktion: „Na ja, was sollen wir da groß machen. Man kann ein Trauma nun auch nicht von heute auf morgen heilen. Und außerdem ist die Frau doch dement. Woher willst du also wissen, ob das stimmt, was sie sagt?“

Ich erzähle in diesem Artikel über eine Begebenheit aus meiner Praxis im Krankenhaus in Corona-Zeiten. Was Nähe alles sein kein, was Nähe alles bewirken kann.

Es hätte sich jedoch auch zu jeder anderen Zeit abspielen können.

Und doch gibt es einen Unterschied. Da, wo Abstandsregeln den Besuch und die Nähe von angehörigen Menschen unmöglich machen, haben in unserem Haus alle Professionen deutlich mehr Zeit für die Patienten. Haben …. hätten.

Wir haben gerade erheblich weniger Arbeit. Abstandsregel heißt auch, weniger PatientInnen. Heißt, deutlich weniger Stress und mehr Zeit für Zuwendung, Pflege, Therapie.

‚Weil Nähe zählt’. Dies ist das Motto unseres Hauses.

Traumatisierte Kinder sensibel begleiten, Teil 3: Erregung reduzieren

Dieser Artikel ist Teil 3 von 3 der Artikel-Serie Traumatisierte Kinder sensibel begleiten

 

 

 

 

Bei allen Kindern ist wie bei uns Erwachsenen zu beobachten, dass der Verlauf von Aufgeregtheit und Entspannung in unterschiedlichen Phasen und Intensitäten aufeinander folgt. Sie werden Kinder kennen, die sehr aufgeregt sind, sich danach beruhigen, allein oder mit Hilfe anderer, und andere, die auf einem relativ hohen Erregungsniveau bleiben oder aber eher zu den stillen und ruhigen Kindern zählen. Die Erregungsverläufe sind typisch für alle Menschen, sie gehören zu den Grundqualitäten des Erlebens.

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Trost, Teil 8: Trostsymbole

Dieser Artikel ist Teil 7 von 10 der Artikel-Serie Trost

 

 

 

 

 

Auch ein Mensch, der nicht gläubig ist, kann Trost finden, wenn er einen Schutzengel geschenkt bekommt. So sehr wir betont haben, dass Trösten vor allem ein aktiver Beziehungsprozess ist, so wichtig können als Ausdruck dieser Beziehung (nicht als Ersatz!) Symbole eine wichtige Rolle spielen. Hilfreich sind Trostsymbole, die Sie selbst aktiv gestalten. Zum Beispiel:

  • Bemalen Sie eine Postkarte und schenken Sie sie der leidenden Person.
  • Bemalen Sie einen Stein und verschenken Sie ihn als Kraft- oder Troststein.
  • Sammeln Sie ein Stück Rinde oder Holz im Wald oder am Wegesrand und gestalten Sie dieses mit einem Messer, mit Farben, mit Fäden oder Blumen, Gräsern oder sonstigem und verschenken sie es.

Solche oder viele andere Möglichkeiten, die Ihnen sicherlich einfallen, können trösten und können ein Symbol der Verbindung zwischen Ihnen und der zu tröstenden Person werden. Wir nennen dies Aktives Symbolisieren.

 

Trost, Teil 7: Das große UND: Was kann ich verändern, was nicht?

Dieser Artikel ist Teil 6 von 10 der Artikel-Serie Trost

 

 

Beim Trauern hilft das große UND: Wenn Menschen etwas loslassen, verlieren sie etwas UND es bleibt etwas. Wenn ein Mensch gestorben ist, können wir nicht mehr mit ihm zusammenleben UND es bleibt eine Erinnerung, eine Erfahrung, ein Gefühl und vieles mehr. Am Anfang eines Verlustes ist der Schmerz so groß, dass dieses große UND nicht spürbar ist und von den tröstenden Menschen noch nicht angeführt werden sollte. Doch im Laufe der Zeit findet es einen Boden und kann und sollte ein Bestandteil des Tröstens werden.

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