Erste Hilfe bei Traumatisierungen, Teil 1: Welchen Stellenwert hat die Erste Hilfe?

Die Erste Hilfe nach traumatischen Ereignissen ist ein wesentlicher Bestandteil der Unterstützung. Sie beeinflusst im wesentlichen Maße, ob und wie traumatische Erfahrungen bearbeitet und verarbeitet werden können. Das hat verschiedene Gründe.

Der erste Grund liegt darin, dass die „Zeit danach“ dafür entscheidend ist, ob ein Trauma bewältigt werden kann oder ob es chronische Folgen gibt. Die Untersuchungen vor allem von Gabriele Frick-Baer[1] haben ergeben, dass die meisten Menschen, die traumatische Ereignisse durchleben mussten, sich in der Zeit danach alleine und alleine gelassen fühlten.

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Stolz und Trauma-Erfahrungen

„Sei nicht so stolz“, das haben viele von Ihnen bestimmt gehört, zumindest als Kinder. „Darauf kannst du stolz sein“, werden auch einige gehört haben, doch eine deutlich kleine Anzahl.

„Stolz“ hat mehrere Bedeutungen, ist ein schillernder Begriff. Oft wird er mit Überheblichkeit gleichgesetzt und so abgelehnt. Doch stolz zu sein ist unserer Meinung nach positiv, eine wertvolle Eigenschaft, ein wichtiges Gefühl. Wer sich stolz fühlt, nimmt sich und seine Taten als positiv an, akzeptiert, dass er oder sie etwas geschafft, etwas erreicht hat. Dies stärkt das Selbstbewusstsein und das Selbstwertgefühl.

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Das Fremde zwischen Angst und Sehnsucht

Dieser Artikel ist Teil 1 von 4 der Artikel-Serie Fremdsein und Trauma

Fremdsein und Trauma 1

Fremd zu sein ist nicht nur die Beschreibung eines objektiven Zustandes. Wir Menschen können uns fremd fühlen, nehmen manches als befremdlich wahr oder sind uns selber fremd. Ich werde deshalb in einigen Beiträgen verschiedene Aspekte der Fremde und des Fremd-Fühlens beleuchten und dabei insbesondere die Auswirkungen traumatischer Erfahrungen untersuchen.

Beginnen wir mit den offensichtlichen Phänomenen. Wenn uns Menschen etwas Fremdes entgegentritt, dann sind wir unsicher. Das Neue, das Fremde kann freundlich oder feindlich oder neutral sein. Wir wissen es zunächst nicht. Deswegen ist bei den meisten Menschen der erste Impuls zurückhaltend, abwägend, beobachtend.

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Sicherer Ort, das Verraumen und der unzerstörbare Kern

Dieser Artikel ist Teil 1 von 2 der Artikel-Serie Sicherer Ort

In der Traumapädagogik und Traumatherapie hat seit vielen Jahren die Arbeit mit dem „sicheren Ort“ einen besonderen Stellenwert. Die Notwendigkeit einer Pädagogik bzw. Traumapädagogik des „sicheren Ortes“ wird damit begründet, dass Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene, die traumatische Erfahrungen machen mussten, verunsichert sind und kein Vertrauen mehr in die Umgebung haben. Um dieser Verunsicherung entgegenzuwirken, brauchen sie Stabilität, Halt und den „sicheren Ort“. Dabei wird der „sichere Ort“ vor allem in zweierlei Hinsicht verstanden:

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Der leise Schrei: Warum manche Menschen so ungern Hilfe annehmen können!

Wir begegnen in der Traumahilfe oft Menschen, die ungern oder gar nicht Hilfe annehmen können. Das kann Beratung, Therapie oder andere Unterstützung betreffen. Wenn sie dann zum Beispiel in einer Therapie erfahren haben, dass Hilfe wirkt, erleichtert, stärkt, verstehen sie oft ihre frühere Haltung nicht.

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Völlig losgelöst

Das alte Lied „Völlig losgelöst“ (bekannt als „Major Tom“) wurde bei der Fußball-Europa-Meisterschaft vom DFB offiziell zur Torhymne der deutschen Mannschaft bestimmt und wird bei jedem Tor in den Stadien gespielt. Wenn ich es bei den Fernseh-Übertragungen höre, läuft mir jedes Mal ein Schauer über Rücken. Der Text handelt vom Suizid eines depressiven Raumfahrers. Niemand erwähnt das. Dass das Lied bei Partys gegrölt und in der Adidas-Werbung gespielt wird, ist geschmacklos genug. Ein Klick bei Google reicht, um den Text zu lesen. Es von der Zentrale des Deutschen Fußball zum offiziellen Song für Torjubel auszuwählen, ist für mich unfassbar. Er kann bei vielen Menschen, die einen Angehörigen oder eine Freund*in durch Suizid verloren haben und vielleicht dadurch traumatisiert sind, Schrecken reaktivieren. Dieses Lied ist keine Hymne. Es als Jubel zu spielen, ist entwürdigend.

Erinnern und Gedenken

Auf einem evangelischen Kirchentag in Berlin wurde darüber diskutiert, was Erinnern und Gedenken unterscheidet. Meine Antwort auf diese Frage lautet:

Erinnern ist ein offener Prozess des Erlebens. Wir erinnern uns mit unserem Denken und Fühlen. Wir können uns bewusst an etwas erinnern (das lernen wir in der Schule) und wir werden von Erinnerungen überfallen, manchmal überflutet (wie bei traumabedingten Flashbacks). Es gibt Erinnerungen, die guttun, und solche, die uns schmerzen …

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Wenn Blicke nicht aushaltbar sind…

Menschen, die traumatische Erfahrungen machen mussten, werden oft von Blicken „getriggert“, das heißt, dass Blicke anderer Menschen die leibliche Erinnerung an Traumata, z. B. sexuelle Gewalt auslösen. Für sie sind Blicke oft nicht aushaltbar, da Augenkontakt mit Hilflosigkeit und Opfersein verbunden ist. Sie haben vielleicht die Erfahrung, von Tätern „ausgeguckt“ worden zu sein – unbefangener Blickkontakt ist für sie dann meist unerträglich.

Gleichzeitig spüren sie oft eine große Sehnsucht, gesehen zu werden – allerdings mit Respekt. Sie befinden sich folglich in einem Dilemma, sich nach Blickkontakt zu sehnen und ihn gleichzeitig nicht auszuhalten. Mit diesen Menschen hat sich ein Weg bewährt, den wir Fächertanz nennen. Er ermöglicht, mit Hinschauen und Wegschauen, Sich-Verstecken und Sich-Zeigen zu spielen und so neue Erfahrungen mit Blicken zu machen.

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Schwäche zeigen ist stark

Als Emma weint, lachen andere Kinder sie aus: »Heulsuse, Heulsuse!« Emma weint oft. Sie hat ihre Mutter verloren und ist seitdem sehr verunsichert und den Tränen sehr nahe.

Die Erzieherin möchte Emma schützen und bemüht sich, die anderen Kinder zu stoppen. Das gelingt nur kurzfristig. Also bietet sie eine Gruppenarbeit zum Thema an: »Wenn mir etwas weh tut.« Die Kinder erzählen von aufgeplatzter Haut am Knie, von Bauchschmerzen, vom gebrochenen Arm … »Kennt ihr auch Schmerzen, die man nicht sieht? Dass es innendrin weh tut, im Kopf oder im Herzen, in den Gedanken?« Urs sagt, dass er oft traurig ist, dass sein Papa nicht mehr bei ihnen wohnt. Auch andere erzählen.

Die Erzieherin erzählt vom Schmerzfresserchen, einem Wesen, das den Schmerz aufessen kann. Aber nur, wenn ein Kind den Schmerz zeigt. Zum Beispiel, indem es weint. Mit Tränen kann der Schmerz herausfließen. Wenn Kinder weinen, weiß das Schmerzfresserchen, dass es helfen muss.

Die Kinder malen ihr Schmerzfresserchen.

Dieses Beispiel zeigt, wie verpönt es immer noch ist, Schmerzen und damit Schwäche zu zeigen. Die Erzieherin geht damit beispielhaft um, sie macht es zum Thema der ganzen Gruppe.

Es gibt zahlreiche tolle Angebote, in denen Kinder ermutigt werden, stark zu werden. »Starke Kinder …« und andere mehr. Diese Angebote sind hilfreich. Doch es fehlt etwas. Kinder brauchen auch die Erlaubnis, ihre Schwäche zu zeigen – oder das, was dafür gehalten wird. Ihre Angst, ihre Traurigkeit, ihre Unsicherheit …

Alle Kinder, und traumatisierte Kinder besonders, brauchen eine Ermutigung, ihre Schwächen zu zeigen. Nur dann können sie geteilt werden und geteiltes Leid ist halbes Leid. Nur dann können sie getröstet werden oder andere Unterstützung erfahren. Machen Sie die Erlaubnis, schwach zu sein, zum Thema. Unterstützen Sie Kinder, die ihre Not zeigen. Seien Sie Vorbild, indem Sie auch einmal teilen, dass Ihnen etwas weh tut oder Sie nicht so gut drauf sind.

 

Ermutigen Sie Kinder, ihre Schwächen zu zeigen.

 

Buchtipp:

Udo Baer „Traumatisierte Kinder sensibel begleiten“

Basiswissen und Praxisideen

In jeder Kita-Gruppe gibt es ungefähr ein bis zwei Kinder, die eine traumatische Erfahrung machen mussten, z. B. durch das eigene Erfahren und Miterleben von Gewalt und Missbrauch, Flucht, Tod oder Konfrontationen mit alters unangemessenen Inhalten in digitalen Medien. Diese Zahlen zeigen: Das Thema Trauma ist kein fernes Problem, es kann frühpädagogischen Fachkräften in ihrem Kita-Alltag begegnen.
Das Praxisbuch bietet Basiswissen rund um Traumata bei Kindern, z. B.: Was ist ein Trauma, welche Folgen kann es haben, wie lässt es sich erkennen, was tue ich bei einem Verdacht, wie sollte ich mich verhalten?
Als praktisch ausgerichteter Teil folgt eine breite Palette an Informationen und Angeboten, wie Kinder (trauma-)sensibel begleitet werden können, u. a. Fallbeispiele, Gesprächshinweise sowie zahlreiche Spiele und Übungen, die der Stärkung und der Überwindung von Traumafolgen dienen wie ein Angstfresserchen malen oder Stoppsagen lernen. Alle Aktivitäten fördern auch Kinder, die keinen traumatischen Erfahrungen ausgesetzt waren.

Udo Baer
Traumatisierte Kinder sensibel begleiten  Basiswissen und Praxisideen

Beltz Verlag, 114 Seiten, 18,95 Euro, ISBN:978-3-407-72766-4   Bestellung hier