- Sicherer Ort, das Verraumen und der unzerstörbare Kern
- Sicherer Ort – Beziehungskränkungen brauchen Beziehungsheilung
In der Traumapädagogik und Traumatherapie hat seit vielen Jahren die Arbeit mit dem „sicheren Ort“ einen besonderen Stellenwert. Die Notwendigkeit einer Pädagogik bzw. Traumapädagogik des „sicheren Ortes“ wird damit begründet, dass Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene, die traumatische Erfahrungen machen mussten, verunsichert sind und kein Vertrauen mehr in die Umgebung haben. Um dieser Verunsicherung entgegenzuwirken, brauchen sie Stabilität, Halt und den „sicheren Ort“. Dabei wird der „sichere Ort“ vor allem in zweierlei Hinsicht verstanden:
Erstens wird versucht, die traumatisierten Menschen darin zu unterstützen, sich in ihrer Imagination einen „sicheren Ort“ vorzustellen. Durch Fantasiereisen werden die Menschen darin angeleitet, sich Orte auszumalen, an denen sie sich sicher fühlen. Diese werden dann in Worten beschrieben, manchmal auch gemalt. Sie werden zu einem inneren Zufluchtsort, den Menschen aktivieren können, wenn sie sich verunsichert fühlen.
Als zweites wird das Konzept des „sicheren Ortes“ vor allem in der Jugendhilfe dazu verwandt, die Einrichtungen der Jugendhilfe als „sicheren Ort“ zu konzipieren. Manchmal sollen auch Schulen oder Berufsschulen „sichere Orte“ werden. Richtig daran ist, dass Menschen mit traumatischen Erfahrungen und damit existentiellen Verunsicherungen eine möglichst haltende und geborgene und damit auch sichere Umgebung brauchen. Alles was dem dient, sollte unterstützt werden.
Das Konzept des „sicheren Ortes“ kann und sollte aber erweitert werden.
Das bisher vorgestellte Verständnis des „sicheren Ortes“ bedarf des Überdenkens. Dass Menschen mit traumatischen Erfahrungen sich einen „sicheren Ort“ vorstellen, ist sinnvoll. Doch wissen wir aus Imaginationen, dass positive Imaginationen nicht immer alleine daherkommen, sondern oft mit negativen Bildern, ja manchmal mit verängstigenden Schreckensbildern verbunden sein können, insbesondere bei mehrfach traumatisierten Menschen. Es bedarf daher besonderer Ausbildung und Begleitungskompetenz, Klienten*innen bei solchen Imaginationen zu begleiten. Sie brauchen nicht nur die einfach scheinende Hilfe, positive Bilder eines „sicheren Ortes“ herzustellen. Sie brauchen darüber hinaus Hilfen zwischen angstmachenden und positiven Bildern und Vorstellungen zu wechseln.
Dabei hilft nach meinen Erfahrungen das Verraumen. Wir bitten die Person, sich einen Ort in einem Raum zu suchen, an dem sie sich relativ sicher fühlen. Diese Platzierung kann nur ein Ausdruck „relativer“ Sicherheit sein, aber immerhin einer größeren Sicherheit als vielleicht an anderen Orten. Diese Verraumung, diese Verortung, unterstützt das Entstehen innerer Bilder. Wenn Menschen sich bei Verunsicherungen an diesen „sicheren Ort“ begeben, hilft das und unterstützt den Nutzen innerer Bilder „sicherer Orte“.
Eine zweite Unterstützung „sicherer Orte“ besteht darin, dass wir den Begriff des „unzerstörbaren Kerns“ benutzen. Wir reden in der Traumatherapie davon, dass Menschen einen unzerstörbaren Kern haben, ganz gleich, wie sehr sie geschunden oder bedrängt worden sind: „Diesen Kern haben die Täter nicht erreicht. Dieser Kern ist unzerstörbar, ist Ihr Eigenes, Ihr Innerstes und Kostbarstes.“ Wenn Menschen diesen unzerstörbaren Kern malen oder zum Beispiel aus Ton oder Stoff gestalten, dann hebt dies ihr Selbstwertgefühl und dann finden sie damit einen Bezugspunkt zu einem „sicheren Ort“, den sie immer wieder greifen, buchstäblich in die Hand nehmen können.
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Mein „sicherer Ort“ ist mein Therapeut. Soviel Halt, Geborgenheit, Zärtlichkeit, Liebe. Ich bin jetzt 60 – und fühle mich wie ein kleines Kind. Wie ein Baby. Er ist Körpertherapeut, und das erste, was wir machen, wenn ich komme, ist uns zu begrüßen; wir kuscheln miteinander, wir stehen uns gegenüber und er hält mich einfach nur in seinen Armen und ich kuschel mich an ihn und in ihn hinein. Und dann – verliere ich mich ihn ihm. Wir trennen uns erst wieder, wenn ich mich entspannt hab und wenn ich mehr weine. Wenn ich mich zufrieden fühle wie ein Säugling. Eine tiefe Zufriedenheit, wie ich sie in meinem ganzen Leben noch nicht gespürt hab. Ich hab ihn mehr lieb alles alles auf der Welt.