Die Abstimmung in Irland, Abtreibung und die Würde Teil1

Dieser Artikel ist Teil 1 von 1 der Artikel-Serie Die Abstimmung in Irland, Abtreibung und die Würde

 

 

 

Von Udo Baer und Gabriele Frick-Baer

Wir sind sehr erfreut über das Abstimmungsergebnis der Iren, dass sie sich in ihrer Mehrheit dafür ausgesprochen haben, den Frauen das Recht auf eigene Entscheidungen für oder gegen eine Schwangerschaft zu geben, sie zu respektieren und zu legalisieren. Wir sind erleichtert, dass die Not der Frauen, in die sie die Illegalität eines Abbruchs getrieben hat, laut geworden und gehört worden ist. Wir hoffen, dass der Scheinheiligkeit ein Ende bereitet wird, das ungeborene Leben zu schützen und das geborene Leben der Kinder der „gefallenen Frauen“ grausam in foltergleicher Heimerziehung und Morden mit Füßen zu treten. Wir freuen uns, dass Solidarität und Mut und ernsthafte Auseinandersetzung mit Themen der Menschenwürde zu gesellschaftlichen und juristischen Konsequenzen geführt hat.

Warum nehmen wir dieses Ereignis als Anlass für einen Beitrag? Warum sind wir so positiv erschüttert – berührt und erleichtert? Wir haben miteinander darüber gesprochen und gemerkt, dass uns dabei viele Facetten beschäftigen und berühren, denen wir hier, wenn auch in aller Kürze und damit Verkürzung, einen Raum geben wollen.

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Verschobene Trauer

Ein Mann Anfang vierzig hatte vor Jahren einen schweren Unfall überlebt. Ein Teil seiner Lebensfähigkeit war danach erstarrt. Er musste nach dem Unfall seinen Beruf aufgeben und durchlebte eine längere Leidenszeit in der Rekonvaleszenz und in der Reha. Darüber zu trauern, war er nicht in der Lage. Die Trauer war „abgestorben“, wie er meinte. Am Anfang war dies überlagert durch seine Erleichterung, überlebt zu haben und sich halbwegs gesund wieder bewegen zu können. Doch dann merkte er, dass etwas an ihm nagte und ihn beunruhigte. Dass dieses „etwas“ mit seinem Trauma zu tun haben könnte, auf die Idee kam er nicht. Aber er suchte Hilfe.

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Der Mythos: „Nie mehr abhängig!“

„Du darfst dich nicht abhängig machen!“ – das höre ich von zwei Seiten. Einmal von manchen Psycholog/innen, Therapeut/innen und anderen Ratgebern. Sie hängen dem Mythos nach, dass Menschen nach Unabhängigkeit streben sollen und dass Abhängigkeit Ausdruck der Symbiose ist oder in die Symbiose führt. Theoretischer Hintergrund sind Behauptungen von Fromm, Mahler, Spitz und anderen Psychoanalytikern, dass wir Menschen im Mutterleib und in bestimmten Phasen der Kindheit eine „symbiotische Phase“ leben würden, die es unbedingt zu überwinden gelte, um ein glücklicher Erwachsener zu werden.

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Symbiose? – Nein: Liebe!

Wie oft höre ich, dass Menschen vorgeworfen wird, sie seine „symbiotisch“ oder „zu symbiotisch“. Das hört der Ehemann, der sich so sehr um seine demenzkranke Frau kümmert, dass kaum noch Zeit für seine Freunde bleibt. Das hört die Mutter, deren erwachsene Tochter psychisch erkrankt ist und die vor Hilflosigkeit und Sorge kaum noch schlafen kann. Das hört das frisch verliebte junge Mädchen, das sich kaum noch vom Liebsten trennen kann.

Wenn hier das Wort „Symbiose“ verwendet wird, dann klingt immer der Vorwurf mit: Du bist zu nah, zu eng, du passt zu wenig auf dich auf, du kümmerst du zu viel, du hast dich verloren. In diesem Psycho-Mainstream wird „Symbiose“ mit Selbstaufgabe gleichgesetzt, zumindest damit, dass die Grenzen zwischen zwei Personen verschwinden. Denn auf den Symbiose-Vorwurf folgt meist die Aufforderung: Du muss dich mehr abgrenzen!

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