Traumbilder der Zwischenleiblichkeit

Wir Menschen sind voller Imagination. Wir stellen uns Szenen und anderes Bildhaftes vor. Wir sehen solche Bilder und spüren sie in den Träumen, wir haben Tagträume und vieles mehr. Auch Flashbacks, in denen traumatische Erfahrungen wieder aufleben, sind häufig von solchen Imaginationen begleitet.

Nun gibt es ein Phänomen, dass Kinder oder gar Enkel von Menschen, die traumatische Erfahrungen gemacht haben, berichten, dass sie Bilder solcher Erfahrungen geträumt haben oder dass sie ihnen in Tagträumen erscheinen. Es handelt sich dabei zum Beispiel um Bilder von Landschaften, durch die die Mutter nach dem Zweiten Weltkrieg geflohen ist, Bilder von Kriegsereignissen, die der Vater erlebt hat, oder Vergewaltigung, die der Mutter wiederfahren ist. Die Frage taucht auf: Wie ist so etwas zu erklären?

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Transgenerative Traumaweitergabe: Coping-Weitergabe

Wir haben schon oft darauf hingewiesen, dass bei der Weitergabe von traumatischen Erfahrungen an die nächste Generation nicht das Trauma weitergegeben wird, sondern die Traumafolgen. Dazu gehören auch Aspekte des Traumaerlebens, die ja als Flashbacks auch nach dem Ende der traumatischen Situation immer wieder aufleben. Dazu gehören vor allem die Traumafolgen wie Ängste, Schuldgefühle, Unruhe und dergleichen mehr. Besonders hinweisen möchte ich darauf, dass auch die Art und Weise, wie Menschen mit dem Trauma umgehen, wie sie es bewältigen, an diesen nächsten Generationen weitergegeben werden kann und oft wird.

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Was tun gegen das Böse?

Viele Kolleginnen und Kollegen, die sich mit den Folgen traumatischer Erfahrungen auseinandersetzen, sind fassungslos gegenüber dem, was in unserer Welt an Bösartigem geschieht. Ganz gleich, ob in einer deutschen Kinderstube ein Kind vergewaltigt wird oder ob Menschen in Syrien massakriert werden, ob Terroristen Menschen in die Luft sprengen oder ganze Volksgruppen vertrieben werden – wer ein mitfühlendes Herz hat, kann verzweifeln angesichts dessen, was in der Welt an Schlimmem passiert. Das gilt für das große Weltgeschehen ebenso wie für die „kleinen“ Bösartigkeiten, denen wir in der Begleitung und Unterstützung traumatisierter Menschen begegnen. Viele fühlen sich angesichts solcher Erfahrungen ohnmächtig und wirkungslos.

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Das Böse

Wenn wir Therapeutinnen und Therapeuten Menschen begleiten, die Erfahrungen traumatisierter Gewalt machen mussten, dann sind wir oft fassungslos. Fassungslos über das, was Menschen anderen antun. Wir sind fassungslos über Brutalität und Bestialität, über Rohheit und Erniedrigung. Es ist gut, dass wir fassungslos sind, dass wir unsere Hilflosigkeit, unser Entsetzen spüren, da es zeigt, dass wir fähig sind zum Mitgefühl gegenüber denen, die als Opfer leiden müssen. Und doch spüren wir in der Fassungslosigkeit die Maßlosigkeit des Bösen, das den Opfern angetan wird. Das macht hilflos und wirft die Frage auf: Wie kommt es, dass Menschen so böse werden, so bösartig?

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Wie wir in der Kreativen Leibtherapie mit dem „inneren Kind“ arbeiten – und wie nicht

* zuerst erschienen im KLT-Journal Online 12/2014

Die wichtigste positive Erfahrung in der therapeutischen Arbeit und der theoretischen Auseinandersetzung mit dem „inneren Kind“ ist leicht zu benennen: Die Bezeichnung „inneres Kind“ ist eine starke Metapher. Sie steht in unserem leibtherapeutischen Verständnis für die Kindheitserfahrungen, die in einem Menschen lebendig sind und nachwirken. Der Zeitgleichheit von erwachsenem und kindlichem Erleben, dem „Zeitkollabs“ begegnen wir in unserer therapeutischen Arbeit ständig. Uns fällt zum Beispiel eine Frau ein, die ihr Leben lang der Überzeugung gewesen war, eine „glückliche Kindheit“ erlebt zu haben. Sie hatte daraus die Schlussfolgerung gezogen, dass sie „eigentlich die Pflicht habe, glücklich“ zu sein. Da ihr das nicht gelang, beschimpfte sie sich als „Versagerin“. Weiter lesen

Tagung: „Trauma und Würde — Kreative Wege in Traumapädagogik, -therapie und -beratung“

In Duisburg findet am 07.03.2017 unsere eine Tagung „Trauma und Würde — Kreative Wege in Traumapädagogik, -therapie und -beratung“ statt und wir laden Sie herzlich ein, daran teilzunehmen.

Neben Vorträgen von mir und meiner Frau sowie einer gemeinsamen kreativen Aktion haben Sie die Möglichkeit, an einem von fünf zur Auswahl stehenden Workshops zum Thema „Würdigen, was ist, und in Würde begegnen“ teilzunehmen. Folgende Schwerpunkte werden angeboten: Weiter lesen

SERIE Komorbidität – Traumaerfahrungen und psychische Erkrankungen (7): Die vierte Ähnlichkeit – Einsamkeit und sozialer Rückzug

In der Psychotraumatologie wurde das „Alleinsein danach“ als besonderer Teil des traumatischen Ereignisses und des Traumaerlebens herausgearbeitet (Frick-Baer 2013). Ein körperliches Trauma, eine körperliche Wunde braucht Schmerzmittel, Pflege, Verband, Ruhe usw.. Erhält sie dies, kann sie heilen. Erhält sie dies nicht, kann sie allenfalls vernarben. Ein psychosoziales Trauma braucht ebenfalls Trost, Wärme, Unterstützung, Parteilichkeit, Verständnis usw., um heilen zu können. Andernfalls vernarbt es höchstens und bricht immer wieder auf. Weiter lesen

SERIE Komorbidität – Traumaerfahrungen und psychische Erkrankungen (6): Die dritte Ähnlichkeit – Erregung

Eine traumatische Situation enthält eine existenzielle Bedrohung, die massive Reaktionen des vegetativen Nervensystems über die Amygdala initiiert. Diese führen zu einer Hocherregung. Im DSM wird die anhaltende Hocherregung folgendermaßen als Diagnosebestandteil von Traumafolgestörungen herangezogen: Weiter lesen