Warum gibt es so viel Rassismus zwischen den Flüchtlingen?

Die Meldungen häufen sich:

  • Kinder aus dem Irak mögen nicht mit afghanischen Kindern in einer Fußballmannschaft spielen.
  • Syrische Frauen weisen afrikanische Frauen aus der Küche im Aufnahmelager.
  • Libysche Flüchtlinge prügeln sich mit solche aus Eritrea.
  • Roma werden bei der Essensausgabe von anderen Flüchtlingen ignoriert.

Solche und zahlreiche andere Geschehnisse verweisen auf einen starken Rassismus, der sich zwischen den Flüchtlingsgruppen austobt. Warum ist das so? Weiter lesen

Verrat überleben, Verratsfolgen bewältigen (5): Der nützliche Abgrund

Eine Klientin mit massiven Verrats- und Traumaerfahrungen sagte: „Ja, ich schaffe es, zu dem Menschen, der mir das Schlimme angetan hat, Abstand zu halten. Und ich merke auch, das tut mir gut. Es war ein früherer Freund, der mich vergewaltigt hat, und ich fühle mich so von ihm verraten, denn ich habe ihn doch mal geliebt und er mich auch. Für mich ist das immer noch unfassbar. Weiter lesen

Warum wehren sich Migrant/innen und Flüchtlinge gegen neue Flüchtlinge?

Umfrageergebnisse sagen, dass fast 50 % der Flüchtlinge aus Syrien Obergrenzen bei der Aufnahme neuer Flüchtlinge befürworten. Unter denen, die schön länger als Flüchtlinge oder andere Migrant/innen in Deutschland leben, lehnen viele in scharfen Worten die Aufnahme neuer Flüchtlinge ab. Eine Lehrerin aus der Nähe von Berlin erzählte mir, dass die Kinder ihrer Klasse in der Grundschule sie fragten, ob sie bald ihre Arbeit verliere, weil ja „die Flüchtlinge allen die Arbeit wegnehmen“. Viele Kinder äußerten massive Ängste vor Flüchtlingen, im Originalton der Eltern. Von den Kindern ihrer Klasse hatten nur zwei deutsche Eltern, alle anderen Eltern mit Migrationshintergrund … Weiter lesen

Verrat überleben, Verratsfolgen bewältigen (4): Das verlorene Paradies, der innere Terror und die Sehnsucht nach dem, was heil ist

Eine Klientin erzählte: „Mir ist, als wäre ich aus dem Paradies vertrieben worden. So wie Eva, als sie den verbotenen Apfel gegessen hat. Doch dabei habe ich doch gar nichts getan. Ich habe nichts Verbotenes getan. Ich bin nur so gedemütigt und verraten worden. Vorher habe ich an mich geglaubt und an ein gutes Leben. Doch jetzt kommt mir das vor wie ein zerplatzter Traum. Ich bin aus dem Paradies vertrieben …“ Weiter lesen

Verrat überleben, Verratsfolgen bewältigen (3): Radikaler Respekt

Wer das Gefühl hat, verraten worden zu sein, hat die Erfahrung gemacht, dass er oder sie nicht respektiert wurde. Dies hat oft zur Folge, dass diese Menschen nachhaltig verunsichert sind. Sie sehnen sich auf der einen Seite danach, respektiert zu werden, auf der anderen Seite hat die Erfahrung fehlenden Respekts oft dazu geführt, dass der Respekt vor sich selbst verunsichert, manchmal verwirrt und verkümmert ist und oft angezweifelt wird. Respekt vor sich selbst heißt, sich ernst nehmen in seinen Widersprüchlichkeiten, auch in seinem Kummer, auch in seiner Verunsicherung. Und deswegen empfehlen wir Menschen, die Verratserfahrungen haben, dass sie sich darum bemühen und darin unterstützt werden, den Weg des radikalen Respekts zu gehen. Weiter lesen

Verstörtsein und was es braucht

Die hauptsächlichste Nachwirkung traumatischer Erfahrung besteht darin, dass die Menschen verstört sind. Es gibt bei den meisten keinen Katalog von „Störungen“ oder von allgemeingültigen „Symptomen“, sondern eher ein Befinden, welches das Erleben ausdrückt, dass die Welt nicht mehr die gleiche ist wie früher, die äußere wie die innere Welt. Wir nennen es Verstörtsein. Manche sagen dazu „verpeilt“, „neben sich stehend“, „durcheinander“, „neben der Kappe sein“ …
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Verrat überleben, Verratsfolgen bewältigen (2): Der Verlust der Zugehörigkeit und des Eingehaustseins

Viele traumatisierte Menschen beschreiben ihre Erfahrung mit dem Bild, dass sie aus der Welt gefallen sind, aus ihrer Welt. Ein besonderer Aspekt besteht darin, dass die Zugehörigkeit verloren gegangen ist. Wir Menschen fühlen uns dort zugehörig, wo es selbstverständliche Verbindungen und Bindungen zu anderen Menschen gibt. Da die meisten Menschen, die Traumata erlebten, sexuelle Gewalt erfuhren, und dies aus dem engsten Familien-, Verwandtschafts- und Nachbarschaftskreis, muss dies Auswirkungen auf das Vertrauen und die selbstverständliche Zugehörigkeit haben.
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Das „Dreifache Aus-der-Welt-Fallen“

Viele Menschen, die traumatische Erfahrungen gemacht haben – vor allem Kriegserfahrungen, Überfälle und sexuelle Gewalt – beschreiben ihr Erleben so, dass sie „aus der Welt gefallen sind“. Sie befinden sich noch in der gleichen Welt wie vorher und in der gleichen Welt wie andere Menschen, doch in ihrem Erleben sind sie aus der bisherigen Welt in eine andere Welt gefallen: in eine Welt der Verzweiflung, in eine Welt oft des Abgrundes, in eine Welt, die andere nicht verstehen. Woraus sie gefallen sind, ist die Selbstverständlichkeit des In-der-Welt-Seins, der selbstverständliche sichere Ort im sozialen Netz.
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Verrat überleben, Verratsfolgen bewältigen (1): Das Gefühl ernst nehmen

„Sie hatten mir gesagt: Das Boot ist sicher. Und doch ist es voll gelaufen!“ Der Flüchtling wurde gerade noch gerettet, seine Frau auch. Doch er fühlt sich auch ein Jahr danach noch getäuscht und verraten und ist fassungslos.

Eine deutsche Klientin war als 12jähriges Mädchen von ihrem Onkel vergewaltigt worden. „Ich hatte ihm doch vertraut. Darüber komme ich immer noch nicht hinweg. Nach über 20 Jahren müsste es doch vorbei sein …“ Auch sie fühlt sich verraten. Immer noch und immer wieder. Weiter lesen