Symbiose? – Nein: Liebe!

Wie oft höre ich, dass Menschen vorgeworfen wird, sie seine „symbiotisch“ oder „zu symbiotisch“. Das hört der Ehemann, der sich so sehr um seine demenzkranke Frau kümmert, dass kaum noch Zeit für seine Freunde bleibt. Das hört die Mutter, deren erwachsene Tochter psychisch erkrankt ist und die vor Hilflosigkeit und Sorge kaum noch schlafen kann. Das hört das frisch verliebte junge Mädchen, das sich kaum noch vom Liebsten trennen kann.

Wenn hier das Wort „Symbiose“ verwendet wird, dann klingt immer der Vorwurf mit: Du bist zu nah, zu eng, du passt zu wenig auf dich auf, du kümmerst du zu viel, du hast dich verloren. In diesem Psycho-Mainstream wird „Symbiose“ mit Selbstaufgabe gleichgesetzt, zumindest damit, dass die Grenzen zwischen zwei Personen verschwinden. Denn auf den Symbiose-Vorwurf folgt meist die Aufforderung: Du muss dich mehr abgrenzen!

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Leiden arabische Frauen weniger? Kultur und Trauma Teil 5: An transkulturellen Erfahrungen anknüpfen!

Kultursoziologisch ist festzustellen, dass es die nebeneinander existierenden Kulturen nicht mehr nur gibt, sondern dass in nahezu allen Kulturen wesentliche gemeinsame Elemente vorhanden sind und im Zuge der Globalisierung wachsen:

der Fußball um die großen Vereine und Stars, Marken wir Coca Cola, Musik, Filme, Stars … Diese Phänomene werden als transkulturell bezeichnet.

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Leiden arabische Frauen weniger? Kultur und Trauma Teil 4: Interkulturelle Begegnungen

Herder hat ca. 1750 den Kulturbegriff teilweise bis heute geprägt, indem er Kulturen mit Kugeln verglich, die nebeneinander existieren würden, möglichst noch identisch mit einem Nationalstaat. Auch der Multikulti-Begriff fußt auf diesem Bild nebeneinander existierender Kulturen.

Doch die Realität zeigt, dass Kulturen sich begegnen, beeinflussen, vermischen.

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Leiden arabische Frauen weniger? Kultur und Trauma Teil 3: Multikulti

Das Wort „Multikulti“ ist zu einem politischen Kampfbegriff geworden. Ursprünglich entstand er als Versuch, kulturelle Eigenheiten von Migrant/innen gegen Assimilationsdruck zu verteidigen. In Wikipedia wird Multikulturalismus definiert:

„Multikulturalismus (zumeist abwertend auch Multi-Kulti oder Multikulti) ist der Oberbegriff für eine Reihe sozialphilosophischer Theorieansätze mit Handlungsimplikationen für die Kulturpolitik eines Landes. Multikulturalisten treten für den Schutz und die Anerkennung kultureller Unterschiede durch den Staat ein. Multikulturalismus steht dem Gedanken einer dominanten Nationalkultur ebenso entgegen wie dem in den USA weit verbreiteten Gedanken des Melting Pot, der von einer Angleichung der verschiedenen Kulturen ausgeht.“

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Stolz und Trauma-Erfahrungen

„Sei nicht so stolz“, das haben viele von Ihnen bestimmt gehört, zumindest als Kinder. „Darauf kannst du stolz sein“, werden auch einige gehört haben, doch eine deutlich kleine Anzahl.

„Stolz“ hat mehrere Bedeutungen, ist ein schillernder Begriff. Oft wird er mit Überheblichkeit gleichgesetzt und so abgelehnt. Doch stolz zu sein ist unserer Meinung nach positiv, eine wertvolle Eigenschaft, ein wichtiges Gefühl. Wer sich stolz fühlt, nimmt sich und seine Taten als positiv an, akzeptiert, dass er oder sie etwas geschafft, etwas erreicht hat. Dies stärkt das Selbstbewusstsein und das Selbstwertgefühl.

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Leiden arabische Frauen weniger? Kultur und Trauma Teil 2: Kultur – was ist das eigentlich

Bevor man sich mit den Begegnungen zwischen Kulturen auseinandersetzt, ist es sinnvoll, sich zu fragen, was unter „Kultur“ zu verstehen ist.  Doch diese Frage ist schwierig zu beantworten, denn der Kulturbegriff ist vielfältig. Das Wort „Kultur“ erscheint in zahllosen Kontexten, z. B. in Wortzusammensetzungen wie Alltagskultur, Diskussionskultur, Esskultur, Fankultur, Firmenkultur, Fußballkultur, Populärkultur, Subkultur und vielen weiteren Zusammensetzungen (z. B. Kulturlandschaft, Kulturtechniken, politische Kultur).

Die Bundeszentrale für politische Bildung veröffentlichte einen zusammenfassenden Beitrag zum Kulturbegriff, aus dem wir zitieren möchten:

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Wenn der Geflüchtete zur Ruhe kommt, hat das Herz Zeit für die Verarbeitung des Schreckens

„Direkt nach der Flucht hab ich das gar nicht gespürt, die Angst, die Erinnerungen, den Schrecken. Jetzt ist es ruhiger, und nun kommt es. Ich versteh das nicht. Bin ich verrückt?“Der irakische Flüchtling ist nicht „verrückt“, sondern das, was er erlebt, ist typisch für viele Traumaprozesse. In der ersten Zeit nach den traumatischen Erfahrungen steht das Überleben im Vordergrund: eine Wohnung muss besorgt werden, man muss die Familienangehörigen treffen und zusammenhalten, die Anerkennung des Status als Asylbewerber muss beantragt werden usw. All das bindet Energie. Der Organismus schützt sich und ermöglicht diese Energieleistung, indem der Schrecken „eingesperrt“ wird. Das gelingt nicht allen Geflüchteten oder anderen Traumatisierten. Doch da, wo es unbewusst gelingt, ist das für die Betreffenden nützlich.

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Der leise Schrei: Warum manche Menschen so ungern Hilfe annehmen können!

Wir begegnen in der Traumahilfe oft Menschen, die ungern oder gar nicht Hilfe annehmen können. Das kann Beratung, Therapie oder andere Unterstützung betreffen. Wenn sie dann zum Beispiel in einer Therapie erfahren haben, dass Hilfe wirkt, erleichtert, stärkt, verstehen sie oft ihre frühere Haltung nicht.

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Leiden arabische Frauen weniger? Kultur und Trauma Teil 1: Unsere Haltung

Nein, sie leiden nicht anders. Da ist unsere Haltung eindeutig. Der Schmerz der vergewaltigten Frauen ist in Syrien der gleiche wie in Mecklenburg, in China wie in Italien. Wenn Menschen Gewalt angetan wird, leiden sie. Dass sie leiden, ist nicht kulturabhängig, sondern Ausdruck menschlicher Existenz.

Deswegen sind auch alle Ansätze, Gewalttaten mit „kulturellen Unterschieden“ zu erklären, zu verniedlichen oder weniger zu bestrafen, falsch und gefährlich. Gewalt und traumatisierende Erniedrigung widerspricht den Menschenrechten, ganz gleich, auf welche kulturellen oder religiösen Traditionen sie sich beruft.

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In Männerwelten darf es kein Trauma geben?

Fußball wird immer häufiger von Frauen und Mädchen gespielt, auch die Zahl der weiblichen Zuschauerinnen und Fans nimmt von Jahr zu Jahr zu. Doch die Ideologien, Normen und Sprüche traditioneller Männerbünde bestimmen immer noch die öffentliche und die veröffentlichte Kultur des Fußballs. Ein Element dieser Kultur besteht darin, Traumafolgen zu ignorieren.
Wer sich für Fußball interessiert, wird mitbekommen haben, dass es beim Fußballverein Borussia Dortmund seit einiger Zeit drunter und drüber geht. Der Trainer wurde entlassen, obwohl er sehr erfolgreich war, die Mannschaft ist gespalten, es gibt unterschiedliche Wahrheiten oder Lügen, die Verantwortlichen verbreiten … Es mag Ursachen geben, die sich in Konkurrenzverhalten und Eifersüchteleien finden lassen, doch der entscheidende Ausgangspunkt für diese Entwicklung ist das Attentat auf den Mannschaftsbus vor dem Champions-League-Spiel gegen Monaco. Die Mannschaft musste einen Tag später gegen Monaco antreten und spielte, wie zu erwarten war, verstört. Der ganze Verein ist seitdem verstört. Die häufigste und signifikanteste Traumafolge, die wir kennen.

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