Verrat überleben, Verratsfolgen bewältigen (7): Die Zeit der Asche und der Trauer

In skandinavischen Sagen und Heldengeschichten begegnen wir oft dem Phänomen, dass sich Männer, die sehr tatkräftig waren und sind, eine Zeit lang zurückziehen, sich in den großen Höfen neben die Kamin-Feuer legten, mit Asche bedeckten und dort lange Zeit nahezu apathisch verharrten. Dies wurde „Zeit der Asche“ genannt. Heute würde die Diagnose wahrscheinlich „depressive Episode“ lauten. Doch es muss nicht gleich eine Depression sein, wenn Menschen den Impuls haben, sich zurückzuziehen. Weiter lesen

Trauern: Das Meer der Tränen

„Da ist eine große Trauer in mir, aber die drücke ich weg. Wenn ich anfange, zu weinen, dann höre ich nicht mehr auf, dann werde ich im Meer der Tränen ertrinken.“ So sprechen und so denken viele Menschen, die traumatische Erfahrungen gemacht haben. Meine Haltung ist: Es ist noch niemand im Meer der Tränen ertrunken! Diese Erfahrungen habe ich gemacht in vielen, vielen Jahren. Und die Erfahrungen meiner Kolleg/innen bestätigen dies. Weiter lesen

Verrat überleben, Verratsfolgen bewältigen (6): Wahrhaftigkeit und heiliger Zorn

Wenn traumatisierte Menschen verraten wurden und sich verraten fühlen, dann sind sie oft wütend und zornig. Doch oft werden diese aggressiven Gefühle gebremst, weil viele Menschen denken: „Ich will nicht so aggressiv sein wie die Menschen, die mir etwas angetan haben!“ Oder: „Man muss doch auch vergeben können!“ Weiter lesen

Warum gibt es so viel Rassismus zwischen den Flüchtlingen?

Die Meldungen häufen sich:

  • Kinder aus dem Irak mögen nicht mit afghanischen Kindern in einer Fußballmannschaft spielen.
  • Syrische Frauen weisen afrikanische Frauen aus der Küche im Aufnahmelager.
  • Libysche Flüchtlinge prügeln sich mit solche aus Eritrea.
  • Roma werden bei der Essensausgabe von anderen Flüchtlingen ignoriert.

Solche und zahlreiche andere Geschehnisse verweisen auf einen starken Rassismus, der sich zwischen den Flüchtlingsgruppen austobt. Warum ist das so? Weiter lesen

Verrat überleben, Verratsfolgen bewältigen (5): Der nützliche Abgrund

Eine Klientin mit massiven Verrats- und Traumaerfahrungen sagte: „Ja, ich schaffe es, zu dem Menschen, der mir das Schlimme angetan hat, Abstand zu halten. Und ich merke auch, das tut mir gut. Es war ein früherer Freund, der mich vergewaltigt hat, und ich fühle mich so von ihm verraten, denn ich habe ihn doch mal geliebt und er mich auch. Für mich ist das immer noch unfassbar. Weiter lesen

Warum wehren sich Migrant/innen und Flüchtlinge gegen neue Flüchtlinge?

Umfrageergebnisse sagen, dass fast 50 % der Flüchtlinge aus Syrien Obergrenzen bei der Aufnahme neuer Flüchtlinge befürworten. Unter denen, die schön länger als Flüchtlinge oder andere Migrant/innen in Deutschland leben, lehnen viele in scharfen Worten die Aufnahme neuer Flüchtlinge ab. Eine Lehrerin aus der Nähe von Berlin erzählte mir, dass die Kinder ihrer Klasse in der Grundschule sie fragten, ob sie bald ihre Arbeit verliere, weil ja „die Flüchtlinge allen die Arbeit wegnehmen“. Viele Kinder äußerten massive Ängste vor Flüchtlingen, im Originalton der Eltern. Von den Kindern ihrer Klasse hatten nur zwei deutsche Eltern, alle anderen Eltern mit Migrationshintergrund … Weiter lesen

Verrat überleben, Verratsfolgen bewältigen (4): Das verlorene Paradies, der innere Terror und die Sehnsucht nach dem, was heil ist

Eine Klientin erzählte: „Mir ist, als wäre ich aus dem Paradies vertrieben worden. So wie Eva, als sie den verbotenen Apfel gegessen hat. Doch dabei habe ich doch gar nichts getan. Ich habe nichts Verbotenes getan. Ich bin nur so gedemütigt und verraten worden. Vorher habe ich an mich geglaubt und an ein gutes Leben. Doch jetzt kommt mir das vor wie ein zerplatzter Traum. Ich bin aus dem Paradies vertrieben …“ Weiter lesen

Verrat überleben, Verratsfolgen bewältigen (3): Radikaler Respekt

Wer das Gefühl hat, verraten worden zu sein, hat die Erfahrung gemacht, dass er oder sie nicht respektiert wurde. Dies hat oft zur Folge, dass diese Menschen nachhaltig verunsichert sind. Sie sehnen sich auf der einen Seite danach, respektiert zu werden, auf der anderen Seite hat die Erfahrung fehlenden Respekts oft dazu geführt, dass der Respekt vor sich selbst verunsichert, manchmal verwirrt und verkümmert ist und oft angezweifelt wird. Respekt vor sich selbst heißt, sich ernst nehmen in seinen Widersprüchlichkeiten, auch in seinem Kummer, auch in seiner Verunsicherung. Und deswegen empfehlen wir Menschen, die Verratserfahrungen haben, dass sie sich darum bemühen und darin unterstützt werden, den Weg des radikalen Respekts zu gehen. Weiter lesen

Verstörtsein und was es braucht

Die hauptsächlichste Nachwirkung traumatischer Erfahrung besteht darin, dass die Menschen verstört sind. Es gibt bei den meisten keinen Katalog von „Störungen“ oder von allgemeingültigen „Symptomen“, sondern eher ein Befinden, welches das Erleben ausdrückt, dass die Welt nicht mehr die gleiche ist wie früher, die äußere wie die innere Welt. Wir nennen es Verstörtsein. Manche sagen dazu „verpeilt“, „neben sich stehend“, „durcheinander“, „neben der Kappe sein“ …
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