In dem großen Roman „Parzival“ von Wolfram von Eschenbach aus dem 12. Jahrhundert kommen zwei Ritter vor, Klingsor und Anfortas. Beide haben Schuld auf sich geladen, beide leiden an dieser Wunde. Klingsor verdrängt seine Schuld/seine Wunde und wird zum Täter. Anfortas leidet und wartet darauf, dass ihn jemand erlöst.
Traumawürdigung & Trauma verstehen
Trauma-Würdigung ist uns Programm und Haltung. Um traumatisierte Menschen würdigend begleiten zu können, bedarf es eines Verständnisses traumatisierender Prozesse und deren Nachwirkungen. Sie finden hier dazu Beiträge und Artikel, die nach und nach ergänzt werden.
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Was tun gegen das Böse?
Viele Kolleginnen und Kollegen, die sich mit den Folgen traumatischer Erfahrungen auseinandersetzen, sind fassungslos gegenüber dem, was in unserer Welt an Bösartigem geschieht. Ganz gleich, ob in einer deutschen Kinderstube ein Kind vergewaltigt wird oder ob Menschen in Syrien massakriert werden, ob Terroristen Menschen in die Luft sprengen oder ganze Volksgruppen vertrieben werden – wer ein mitfühlendes Herz hat, kann verzweifeln angesichts dessen, was in der Welt an Schlimmem passiert. Das gilt für das große Weltgeschehen ebenso wie für die „kleinen“ Bösartigkeiten, denen wir in der Begleitung und Unterstützung traumatisierter Menschen begegnen. Viele fühlen sich angesichts solcher Erfahrungen ohnmächtig und wirkungslos.
Das Böse
Wenn wir Therapeutinnen und Therapeuten Menschen begleiten, die Erfahrungen traumatisierter Gewalt machen mussten, dann sind wir oft fassungslos. Fassungslos über das, was Menschen anderen antun. Wir sind fassungslos über Brutalität und Bestialität, über Rohheit und Erniedrigung. Es ist gut, dass wir fassungslos sind, dass wir unsere Hilflosigkeit, unser Entsetzen spüren, da es zeigt, dass wir fähig sind zum Mitgefühl gegenüber denen, die als Opfer leiden müssen. Und doch spüren wir in der Fassungslosigkeit die Maßlosigkeit des Bösen, das den Opfern angetan wird. Das macht hilflos und wirft die Frage auf: Wie kommt es, dass Menschen so böse werden, so bösartig?
Wie wir in der Kreativen Leibtherapie mit dem „inneren Kind“ arbeiten – und wie nicht
* zuerst erschienen im KLT-Journal Online 12/2014
Die wichtigste positive Erfahrung in der therapeutischen Arbeit und der theoretischen Auseinandersetzung mit dem „inneren Kind“ ist leicht zu benennen: Die Bezeichnung „inneres Kind“ ist eine starke Metapher. Sie steht in unserem leibtherapeutischen Verständnis für die Kindheitserfahrungen, die in einem Menschen lebendig sind und nachwirken. Der Zeitgleichheit von erwachsenem und kindlichem Erleben, dem „Zeitkollabs“ begegnen wir in unserer therapeutischen Arbeit ständig. Uns fällt zum Beispiel eine Frau ein, die ihr Leben lang der Überzeugung gewesen war, eine „glückliche Kindheit“ erlebt zu haben. Sie hatte daraus die Schlussfolgerung gezogen, dass sie „eigentlich die Pflicht habe, glücklich“ zu sein. Da ihr das nicht gelang, beschimpfte sie sich als „Versagerin“. Weiter lesen
127 000 mal Gewalt – je Jahr
Im November 2016 veröffentlichten das Bundeskriminalamt und das Familienministerium Zahlen zur häuslichen Gewalt in Deutschland. Das Ergebnis ist erschütternd: 2015 waren 127 457 Fälle häuslicher Gewalt bei der Polizei gemeldet worden. Weiter lesen
„Weniger schwerwiegend“ – NSU und Kinderpornografie
Im Herbst wurde bekannt, dass auf einem Computer, den die NSU-Täter nutzten, Dateien mit Kinderpornografie gefunden worden waren. Außerdem hatten Zeugen berichtet, dass die drei Mörder in ihrem Campingwagen und bei Urlauben oft von Kindern begleitet waren. Weiter lesen
Tagung: „Trauma und Würde — Kreative Wege in Traumapädagogik, -therapie und -beratung“
In Duisburg findet am 07.03.2017 unsere eine Tagung „Trauma und Würde — Kreative Wege in Traumapädagogik, -therapie und -beratung“ statt und wir laden Sie herzlich ein, daran teilzunehmen.
Neben Vorträgen von mir und meiner Frau sowie einer gemeinsamen kreativen Aktion haben Sie die Möglichkeit, an einem von fünf zur Auswahl stehenden Workshops zum Thema „Würdigen, was ist, und in Würde begegnen“ teilzunehmen. Folgende Schwerpunkte werden angeboten: Weiter lesen
Verrat überleben, Verratsfolgen bewältigen (10): Dem Grummeln folgen
Wer verraten wurde, wird – und das ist unsere Erfahrung in fast jedem Kontakt mit betroffenen Menschen – sich nachträglich Vorwürfe machen: „Das hätte ich doch vorher merken müssen.“ Manchmal gab es klare und eindeutige Anzeichen, dass sich ein Verrat ankündigte, oft aber bildete sich erst im Nachhinein ein seltsames Gefühl, manchmal ein Grummeln, dem man nicht nachging und das man nicht ernst nahm. Wie dem auch sei, ein wichtiges Element, um aus den Verratserfahrungen zu lernen und die Folgen zu bewältigen besteht darin, in der Gegenwart dem Grummeln zu folgen. Weiter lesen
Verrat überleben, Verratsfolgen bewältigen (9): Etwas für den Körper tun
Ich kenne keinen Menschen, der unter Traumafolgen und insbesondere unter Verratserfahrungen gelitten hat oder leidet, der nicht auch ein negatives Körpererleben spürt. Gewalterfahrungen und die Erfahrung von Verrat führen dazu, dass man sich im Körper nicht mehr „zu Hause“ fühlt. Erniedrigung führt zu Anspannung, zu Körperentfremdung, Unlust und anderen körperlichen Irritationen. Deswegen besteht eine meiner Unterstützungen in der Bewältigung von Verratserfahrungen darin, dass ich oft anrege, dem Körper etwas Gutes zu tun. Weiter lesen
„Ich hätte es doch vorher merken müssen!“ – Sich verzeihen
Nahezu alle Täter und Täterinnen, denen ich in meinem Berufs- und Privatleben begegnet bin, hatten Schuld, aber keine Schuldgefühle. Dem gegenüber haben nahezu alle Opfer von Gewalt und anderen traumatisierenden Handlungen Schuldgefühle, Schuldgefühle ohne Schuld! Eine besondere Qualität dieser Schuldgefühle existiert dann, wenn es im Vorfeld einer traumatisierenden Tat Anzeichen gab, die auf das Geschehen hindeuteten. Eine Mutter, deren Tochter Gewalt erfahren hatte, sagt: „Ich hatte immer schon ein komisches Gefühl mit dem neuen Freund meiner Tochter. Aber ich bin dem nicht nachgegangen. Ich habe gedacht, die ist doch schon groß und ich muss ihr vertrauen. Aber das kann ich mir nicht verzeihen. Immer wieder denke ich daran, dass ich da hätte vorher etwas sagen oder einschreiten müssen. Dann wäre das nicht so passiert.“ Weiter lesen