Was tun gegen das Böse?

Viele Kolleginnen und Kollegen, die sich mit den Folgen traumatischer Erfahrungen auseinandersetzen, sind fassungslos gegenüber dem, was in unserer Welt an Bösartigem geschieht. Ganz gleich, ob in einer deutschen Kinderstube ein Kind vergewaltigt wird oder ob Menschen in Syrien massakriert werden, ob Terroristen Menschen in die Luft sprengen oder ganze Volksgruppen vertrieben werden – wer ein mitfühlendes Herz hat, kann verzweifeln angesichts dessen, was in der Welt an Schlimmem passiert. Das gilt für das große Weltgeschehen ebenso wie für die „kleinen“ Bösartigkeiten, denen wir in der Begleitung und Unterstützung traumatisierter Menschen begegnen. Viele fühlen sich angesichts solcher Erfahrungen ohnmächtig und wirkungslos.

Mir geht es oft auch so UND ich möchte dem etwas entgegensetzen. Egal ob in der Tagesschau oder in der Zeitung oder in der praktischen Arbeiten, immer wieder begegnen wir den vier Monstern der Entwürdigung: der Gewalt, der Beschämung, der Erniedrigung und dem Ins-Leere-gehen-Lassen. Überall, wo wir Menschen unterstützen, sich gegen diese vier Monster zu wehren, tun wir etwas gegen die Ohnmacht. Therapeutische Arbeit, sozialpädagogische Arbeit, pädagogische Unterstützung von entwürdigten Kindern, all das ist auch politisch, all das ist auch ein Weg, gegen das Böse in der Welt aufzutreten, all das ist auch ein Weg, aus der Hilflosigkeit und Fassungslosigkeit herauszutreten und etwas zu tun.

Vielleicht mag uns das wenig vorkommen, aber nur wenn möglichst viele diesen Weg beschreiten und dies laut verkünden und offen und lautstark gegen die Monster der Entwürdigung eintreten, für die Würdigung und den Respekt und die Solidarität, dann kann sich in der Welt etwas ändern. Ganz sicher viel zu langsam, gemessen an dem, was Menschen an Leidvollem erleben. Ganz sicher, viel zu gering gegenüber dem, was die Kräfte des Bösen an Handlungen vollbringen – doch ganz sicher viel mehr und viel wirkungsvoller, als würden wir auf unsere tatkräftigen Handlungen verzichten, als würden wir resignieren oder in der Hilflosigkeit erstarren. Der Weg des Würdigens ist ein mühsamer Weg, doch er lohnt sich.

About Udo Baer

Dr. phil. (Gesundheitswissenschaften), Diplom-Pädagoge, Kreativer Leibtherapeut AKL, Mitbegründer und Wissenschaftlicher Berater der Zukunftswerkstatt therapie kreativ, Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für soziale Innovationen (ISI) sowie des Instituts für Gerontopsychiatrie (IGP), Vorsitzender der Stiftung Würde, Mitinhaber des Pädagogischen Instituts Berlin (PIB), Autor

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