Unsere Ethik in der Traumahilfe

Menschen zu begleiten, die traumatisierende Erfahrungen machen mussten, ruft bei zahlreichen Fachleuten Unsicherheiten hervor. Viele meinen, man müsse vorsichtig sein, um ja „nichts aufzurühren“. Das geht so weit, dass manche Fachleute vertreten, man dürfe traumatisierten Menschen nicht einmal über ihr traumatisches Erleben, über die traumatisierenden Ereignisse erzählen und sich darüber mit anderen austauschen lassen geschweige denn Therapie oder sonstige Hilfen anbieten, um „nicht zu retraumatisieren“. Im anderen Extrem gibt es Positionen, die fordern, dass Traumata „aufgedeckt“ werden müssen und dass Menschen mit Traumatisierungen unbedingt und so bald wie möglich nach den Traumaereignissen diese mitteilen müssen. Weiter lesen

Neues Buch: Kriegserbe in der Seele – Was Kindern und Enkeln der Kriegsgeneration wirklich hilft

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Kriegserbe in der Seele – was Kindern und Enkeln der Kriegsgeneration wirklich hilft

Kriegserlebnisse und die durch sie verursachten Traumata hinterlassen oft über Generationen Spuren in Familien, ohne dass diese konkret benannt werden können. Dieses Buch zeigt, woran Kriegskinder und Kriegsenkel die Folgen der von den Eltern oder Großeltern »vererbten« Traumata bei sich selbst erkennen. Es bietet konkrete Hilfe an, etwa bei scheinbar unbegründeten Ängsten, nicht zu greifenden Einsamkeitsgefühlen, dem quälenden Gefühl der Liebesunfähigkeit oder übermäßigem Leistungsdruck. Eine Fülle von Übungen helfen, den »Schritt beiseite« aus der Weitergabe von Kriegstraumata zu wagen.

Das neue Buch von Gabriele Frick-Baer und Udo Baer ist im Juli erschienen und kann  im Beltz-Verlag bestellt werden. Oder schauen Sie erst mal in die Leseprobe.

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Gedächtnisstörungen sind normal!

Kürzlich erzählte eine Frau, dass sie von einem Verteidiger als Zeugin während eines Gerichtsverfahrens „in die Mangel genommen“ wurde. „Ich konnte mich nicht mehr an alle Einzelheiten der Vergewaltigung erinnern und bei einer Zeitangabe muss ich mich vertan haben. Ich war so aufgeregt und durcheinander.“

Sie schämte sich ihrer Aufgeregtheit und Verwirrung. Dabei ist beides normal. Es ist üblich, aufgeregt zu sein, erst recht, wenn es darum geht, über eine intime Gewalterfahrung öffentlich zu berichten. Und es ist normal, dass die Erinnerungen nach einer traumatischen Erfahrung nicht geordnet sind. Das macht gerade einen Wesenszug des Traumas aus.

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Warum dieser Blog?

Weil viel dafür getan werden muss, dass traumatisierte Menschen und diejenigen, die sie unterstützen, gewürdigt werden. Dass  traumatische Erfahrungen v. a. sexueller oder anderer Gewalt leidvolle Folgen bewirken, hat sich herumgesprochen. Doch wie  Hilfe in Therapie, Pädagogik, Beratung usw. erfolgen sollte, dazu gibt es viele offene Fragen, dazu brauchen professionelle und ehrenamtliche Begleiter/innen Unterstützung und Knowhow. Dazu will dieser Blog beitragen.

Traumatische Gewalt ist entwürdigend. Traumahilfe braucht Traumawürdigung.

Dieser Blog ist ein Baer-Blog, das heißt, ich, Udo Baer, übernehme die Verantwortung und die Redaktion und werde viele Beiträge hier veröffentlichen. Und er ist ein Blog, eine Stimme anderer Kolleg/innen, die einen würdigenden Ansatz der Traumatherapie und -begleitung vertreten. Wir werden hier ca. jede Wochen einen Beitrag veröffentlichen und alle früheren Beiträge unter den Kategorien zur Verfügung stellen. Die Form reicht von Kommentaren oder nützlichen Methoden oder Hintergrundanalysen bis zu Literaturtipps und Buchauszügen. Die Themen betreffen das Traumaverständnis, die transgenerative Traumaweitergabe und vor allem viele konkrete Hilfen für Menschen, die traumatisierte Personen begleiten.

Alle, die für eine würdigende Trauma-Begleitung und Trauma-Therapie eintreten, sind aufgefordert, an der Webseite mitzuarbeiten. Fragen, Themenwünsche, eigene Beiträge, Rezensionen, Informationen … – alles ist willkommen. Ihre Beiträge können mit vollem Namen, mit Kürzel oder anonym veröffentlicht werden, wie Sie es wünschen.

Bitte senden Sie Ihre Beiträge an info@trauma-und-wuerde.de.