In der Psychotraumatologie wurde das „Alleinsein danach“ als besonderer Teil des traumatischen Ereignisses und des Traumaerlebens herausgearbeitet (Frick-Baer 2013). Ein körperliches Trauma, eine körperliche Wunde braucht Schmerzmittel, Pflege, Verband, Ruhe usw.. Erhält sie dies, kann sie heilen. Erhält sie dies nicht, kann sie allenfalls vernarben. Ein psychosoziales Trauma braucht ebenfalls Trost, Wärme, Unterstützung, Parteilichkeit, Verständnis usw., um heilen zu können. Andernfalls vernarbt es höchstens und bricht immer wieder auf. Weiter lesen
SERIE Komorbidität – Traumaerfahrungen und psychische Erkrankungen (6): Die dritte Ähnlichkeit – Erregung
Eine traumatische Situation enthält eine existenzielle Bedrohung, die massive Reaktionen des vegetativen Nervensystems über die Amygdala initiiert. Diese führen zu einer Hocherregung. Im DSM wird die anhaltende Hocherregung folgendermaßen als Diagnosebestandteil von Traumafolgestörungen herangezogen: Weiter lesen
SERIE Komorbidität – Traumaerfahrungen und psychische Erkrankungen (5): Die zweite Ähnlichkeit – Überforderung, Verringerung des Selbstwertgefühls bis hin zur Erschütterung der Meinhaftigkeit
Dass psychische Erkrankungen mit einer Verringerung, ja oft Zerstörung des Selbstwertgefühls einhergehen, ist bekannt. Dieser ist auch Ergebnis traumatischer Erfahrungen. Wenn Menschen in traumatischen Situationen existenziell bedroht werden, wenn sie durch sexuelle und andere Gewalt als Objekte behandelt werden, muss das ihr Selbstwertgefühl erschüttern und ihre Selbstwertschätzung nachhaltig beeinträchtigen. Hilflosigkeit ersetzt Gefühle und Erwartungen der Wirksamkeit. Weiter lesen
SERIE Komorbidität – Traumaerfahrungen und psychische Erkrankungen (4): Die erste Ähnlichkeit – Die Wunde und die existenzielle Not
Das Wort Trauma stammt aus dem Alt-Griechischen und bedeutet „Wunde“. Die Bezeichnung „Trauma“ wird in der Medizin für bestimmte körperliche Wunden benutzt, in Psychologie und Psychotherapie für bestimmte seelische Verletzungen. „In einer ersten Arbeitsdefinition können wir psychisches Trauma als seelische Verletzung verstehen (von dem griechischen Wort Trauma = Verletzung). Weiter lesen
SERIE Komorbidität – Traumaerfahrungen und psychische Erkrankungen (3): Trauma, Traumabewältigung und psychische Erkrankungen
Aus der hohen Komorbidität zwischen Traumaerfahrungen und psychischen Erkrankungen ergibt sich die Notwendigkeit einer traumasensiblen Begleitung und Therapie psychisch erkrankter Menschen. Diese muss auf die traumatogenen Besonderheiten ausgerichtet und eingestellt sein (s.a. Flatten 2011). Weiter lesen
SERIE Komorbidität – Traumaerfahrungen und psychische Erkrankungen (2): Weitere Zahlen
Das Posttraumatische Belastungssyndrom PTBS ist nur eine der Folgen traumatischer Erfahrungen. Werden die Folgen traumatischer Erfahrungen weiter gefasst, ergeben sich hohe Komobiditätsraten:
- 95% der Frauen mit selbstverletzendem Verhalten berichteten von sexueller Gewalt (Romans, Martin et al. 1995).
SERIE Komorbidität – Traumaerfahrungen und psychische Erkrankungen (1): PTBS
PTBS (= Posttraumatische Belastungsstörung) und psychische Erkrankungen werden oft parallel diagnostiziert. Das parallele Auftreten zweier seelischer Erkrankungen wird „Komorbidität“ genannt. Weiter lesen
Verrat überleben, Verratsfolgen bewältigen (10): Dem Grummeln folgen
Wer verraten wurde, wird – und das ist unsere Erfahrung in fast jedem Kontakt mit betroffenen Menschen – sich nachträglich Vorwürfe machen: „Das hätte ich doch vorher merken müssen.“ Manchmal gab es klare und eindeutige Anzeichen, dass sich ein Verrat ankündigte, oft aber bildete sich erst im Nachhinein ein seltsames Gefühl, manchmal ein Grummeln, dem man nicht nachging und das man nicht ernst nahm. Wie dem auch sei, ein wichtiges Element, um aus den Verratserfahrungen zu lernen und die Folgen zu bewältigen besteht darin, in der Gegenwart dem Grummeln zu folgen. Weiter lesen
Verrat überleben, Verratsfolgen bewältigen (9): Etwas für den Körper tun
Ich kenne keinen Menschen, der unter Traumafolgen und insbesondere unter Verratserfahrungen gelitten hat oder leidet, der nicht auch ein negatives Körpererleben spürt. Gewalterfahrungen und die Erfahrung von Verrat führen dazu, dass man sich im Körper nicht mehr „zu Hause“ fühlt. Erniedrigung führt zu Anspannung, zu Körperentfremdung, Unlust und anderen körperlichen Irritationen. Deswegen besteht eine meiner Unterstützungen in der Bewältigung von Verratserfahrungen darin, dass ich oft anrege, dem Körper etwas Gutes zu tun. Weiter lesen
„Ich hätte es doch vorher merken müssen!“ – Sich verzeihen
Nahezu alle Täter und Täterinnen, denen ich in meinem Berufs- und Privatleben begegnet bin, hatten Schuld, aber keine Schuldgefühle. Dem gegenüber haben nahezu alle Opfer von Gewalt und anderen traumatisierenden Handlungen Schuldgefühle, Schuldgefühle ohne Schuld! Eine besondere Qualität dieser Schuldgefühle existiert dann, wenn es im Vorfeld einer traumatisierenden Tat Anzeichen gab, die auf das Geschehen hindeuteten. Eine Mutter, deren Tochter Gewalt erfahren hatte, sagt: „Ich hatte immer schon ein komisches Gefühl mit dem neuen Freund meiner Tochter. Aber ich bin dem nicht nachgegangen. Ich habe gedacht, die ist doch schon groß und ich muss ihr vertrauen. Aber das kann ich mir nicht verzeihen. Immer wieder denke ich daran, dass ich da hätte vorher etwas sagen oder einschreiten müssen. Dann wäre das nicht so passiert.“ Weiter lesen