Böse Muster, böses Mustern.

Wir verwenden das Wort „Muster“ als Bezeichnung für sich wiederholende Weisen des Verhaltens, des Fühlens, des Denkens, der Beziehungsverläufe usw.  Wenn Menschen darunter leiden, hilft Kreative Leibtherapie, Muster zu verändern. Wenn sie nicht darunter leiden, sind sie einfach ein Teil der menschlichen Persönlichkeit.

Soweit, so gut. Doch es gibt noch eine weitere Wortbedeutung von „Muster“. Da steht das Wort für ein vorbildliches Verhalten, an dem sich andere orientieren sollen oder müssen: „Sie ist ein Muster an Disziplin und Selbstbeherrschung.“ Meist geht es gar nicht um ein Vorbild, gegen das nichts einzuwenden wäre, sondern um ein Schema, in das Menschen gepresst werden. In der „Musterung“ für den Militärdienst wird das deutlich. Es gibt ein vorgegebenes Schema und die gemusterten Menschen werden überprüft, ob sie hinpassen oder nicht.

Ich kenne Menschen, die brauchten keine Musterung für die Bundeswehr. Für sie war die ganze Familienzeit eine Musterung, ob sie den Ansprüchen genügten oder nicht. Jedes Mal, wenn sie angeschaut wurden, wurden sie „gemustert“, ob sie ordentlich angezogen sind oder sich den Regeln gemäß verhalten. Andere wurden gemustert, ob sie als Opfer sexueller Gewalt infrage kamen. Gemustert zu werden, ist für diese Menschen eine böse Erfahrung, erniedrigend und entwürdigend. Sie brauchen wahrhaftige, wohlwollende und würdigende Blicke und Begegnungen.

About Udo Baer

Dr. phil. (Gesundheitswissenschaften), Diplom-Pädagoge, Kreativer Leibtherapeut AKL, Mitbegründer und Wissenschaftlicher Berater der Zukunftswerkstatt therapie kreativ, Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für soziale Innovationen (ISI) sowie des Instituts für Gerontopsychiatrie (IGP), Vorsitzender der Stiftung Würde, Mitinhaber des Pädagogischen Instituts Berlin (PIB), Autor

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