Beziehungsverletzungen brauchen Beziehungsheilung – aber von wem?

Traumatische Erfahrungen sind Beziehungsverletzungen. Traumata werden durch andere Menschen zugefügt. Selbst bei traumatischen Erfahrungen durch Naturkatastrophen ist es entscheidend, wie die anderen Menschen darauf reagieren, ob die Betroffenen im Stich gelassen oder unterstützt und getröstet werden.

Solche Beziehungsverletzungen brauchen neue Beziehungserfahrungen, die heilen können. Doch viele traumatisierte Menschen sind gerade darin, neue Beziehungserfahrungen zu wagen, gehemmt. Das ist nachvollziehbar und verständlich, weil sie gerade in den Beziehungen so sehr verletzt worden sind. Und doch brauchen sie neue Erfahrungen mit anderen Menschen.

Dazu möchte ich zwei Hinweise geben:

Der erste Hinweis besteht darin, dass ich kleine, ja kleinste Schritte empfehle. Die große Liebe beginnt mit einem Blickkontakt und einer Einladung zu einer Tasse Espresso oder einem Kinobesuch. Kleine Schritte sind notwendig und sinnvoll. Nach jedem kleinen Schritt kann man wieder zurück gehen oder beiseite treten. Das zu akzeptieren, führt dazu, dass mehr gewagt werden kann und der Druck nachlässt.

Damit zusammen hängt die zweite Empfehlung: Es sollte genau überlegt und getestet werden, welchen Menschen vertraut werden kann. Manche merken dies im Augenkontakt oder ob sie jemanden „gut riechen“ können. Bei anderen sind es Gesten, die Stimme oder andere Aspekte der sinnlichen Begegnung und des Kontaktes. Wenn kleine Schritte gewagt werden, ist es möglich, andere Menschen im ungefährlichen Raum zu testen, also herauszufinden, ob der erste Eindruck stimmig ist oder trügt. Jemanden zu vertrauen bedeutet auch, sich zu trauen, einen Kontakt aufzunehmen. Dafür ist es wie gesagt gut, dass jeder Mensch für sich herausfindet, über welche Zugänge und Erfahrungen er oder sie Misstrauen spürt oder eine Bereitschaft, einen Vorschuss des Vertrauens wahrzunehmen.

About Udo Baer

Dr. phil. (Gesundheitswissenschaften), Diplom-Pädagoge, Kreativer Leibtherapeut AKL, Mitbegründer und Wissenschaftlicher Berater der Zukunftswerkstatt therapie kreativ, Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für soziale Innovationen (ISI) sowie des Instituts für Gerontopsychiatrie (IGP), Vorsitzender der Stiftung Würde, Mitinhaber des Pädagogischen Instituts Berlin (PIB), Autor

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