Wir wissen, dass die meisten Menschen, die Opfer traumatisierender Gewalt unterstützen und begleiten, dies sehr engagiert tun. Sie gehen oft an ihre persönlichen Grenzen und manchmal darüber hinaus. Und doch gibt es versteckte Formen entwürdigenden Verhaltens in der Begleitung traumatisierter Menschen, die zwar oft aus Hilflosigkeit, Verunsicherung und mangelndem Wissen heraus entstehen, wogegen auch wir nicht gefeit sind, aber nichtsdesto-trotz besonderer Beachtung bedürfen, weil sie traumatisierte Menschen verletzen und entwürdigen.
Traumawürdigung & Trauma verstehen
Trauma-Würdigung ist uns Programm und Haltung. Um traumatisierte Menschen würdigend begleiten zu können, bedarf es eines Verständnisses traumatisierender Prozesse und deren Nachwirkungen. Sie finden hier dazu Beiträge und Artikel, die nach und nach ergänzt werden.
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Würde und Trauma 3: Die sieben Säulen der Traumawürdigung
„Traumawürdigung“ beinhaltet, traumatisierte Menschen zu würdigen. Dies ist vor allem eine Haltung, die sich in unterschiedlichen und zahlreichen konkreten Verhaltensweisen und Taten zeigen muss, die für die betroffenen Menschen erfahrbar und erlebbar sein muss. Wir hoffen, dass sich diese Haltung durch alle Beiträge dieses Blogs, dieser Webseite, zieht und sich das, was wir mit „Traumawürdigung“ meinen, Ihnen erschließt. Wir wollen deshalb die wichtigsten Säulen, die diese Haltung stützen, hier aufzeigen.
Ein erster zentraler Aspekt der Traumawürdigung besteht in der Parteilichkeit. Wer ein Beziehungstrauma erlitten hat und Opfer von Machtmissbrauch und (sexueller) Gewalt wurde, ist danach zumeist verstört. Viele der Betroffenen haben Schuldgefühle ohne Schuld oder ihnen werden Schuldgefühle gemacht. Sie brauchen unbedingt Parteilichkeit, sie müssen von wahrhaftigen, vertrauenswürdigen Menschen hören und erklärt bekommen: „Sie sind nicht schuld, der oder die andere Person ist der Täter, die Täterin.“ Wer eine traumatisierte Person begleitet, muss an ihrer Seite stehen und dies zeigen. Dazu gehört, eindeutig zwischen Opfern und Täter/innen zu unterscheiden.
Würde und Trauma 2: Traumatisierende Gewalt entwürdigt
Die häufigsten Erfahrungen, die in Traumata münden, sind Gewalterfahrungen. Dazu zählen auch alle Formen sexueller Gewalt, die in erster Linie Gewalt sind und von den Opfern als Gewalt erfahren werden, die sie in ihrer Identität, auch in ihrer geschlechtlichen Identität, verletzt. Die „vier Monster der Entwürdigung“, von denen wir in der Kreativen Leibtherapie reden, gelten für die Menschen mit Erfahrungen sexueller Gewalt in besonderem Maße:
Das erste Monster ist die Beschämung. Die Scham ist ein Gefühl, das nützlich ist, weil es uns Menschen darauf aufmerksam macht, wenn die Grenzen unserer Intimität verletzt werden. Wenn wir etwas von uns preisgeben wollen, was wir doch lieber in unserem Intimen Raum behalten wollten oder sollten, melden sich Schamgefühle, wird es peinlich. (Das Wort „Pein/Pain“ wurde aus dem Englischen übernommen und hat dort und im Deutschen die Bedeutung „Schmerz“ oder „Qual“.) Zu dem Schützenswerten gehören für die meisten Menschen ihre Sexualität und ihre sexuellen Erfahrungen. Aber auch geheime Gedanken, Fehler und Schwächen und vieles andere mehr und können und sollen intim bleiben und dabei helfen Schamgefühle.
Würde und Trauma 1: Was ist eigentlich Würde?
Wenn wir uns damit auseinandersetzen, welche Würdigung Menschen mit traumatischen Erfahrungen brauchen, dann müssen wir uns zunächst einmal darüber verständigen, was wir unter „Würde“ verstehen.
„Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ So steht es im Grundgesetz. Dass die Würde vieler Menschen dennoch Tag für Tag mit Füßen getreten wird, ist Tatsache. Und dennoch: Diesem Satz des Grundgesetzes wohnt eine Forderung inne und diese Forderung ist großartig. Die Würde des Menschen zu achten und als unantastbar zu begreifen und zu behandeln, ist ein grundlegendes Menschenrecht. Es beruht auf dem humanistischen Menschenbild: jedem Menschen steht dieses Recht zu.
Trauma, Schäuble und die Menschenrechte
Viele Menschen, die traumatische Erfahrungen durchleiden mussten, reagieren besonders stark auf die politischen Debatten um die EU und Griechenland, vor allem auf deren Darstellung in den Medien. Sie halten das, was sie als „Verlogenheit“, „Tatsachenverdrehungen“, „Verleumdungen“ bezeichnen, kaum aus. Sie schalten die Fernseher ab und legen die Zeitungen weg, weil sie „es kaum aushalten“ – und doch schauen sie wieder die Nachrichten und lesen die Zeitungen, weil es sie fasziniert.
Warum diese starke emotionale Betroffenheit? Zwei Faktoren kommen (mindestens) zusammen. Beide haben mit Erniedrigung zu tun.
Unsere Ethik in der Traumahilfe
Menschen zu begleiten, die traumatisierende Erfahrungen machen mussten, ruft bei zahlreichen Fachleuten Unsicherheiten hervor. Viele meinen, man müsse vorsichtig sein, um ja „nichts aufzurühren“. Das geht so weit, dass manche Fachleute vertreten, man dürfe traumatisierten Menschen nicht einmal über ihr traumatisches Erleben, über die traumatisierenden Ereignisse erzählen und sich darüber mit anderen austauschen lassen geschweige denn Therapie oder sonstige Hilfen anbieten, um „nicht zu retraumatisieren“. Im anderen Extrem gibt es Positionen, die fordern, dass Traumata „aufgedeckt“ werden müssen und dass Menschen mit Traumatisierungen unbedingt und so bald wie möglich nach den Traumaereignissen diese mitteilen müssen. Weiter lesen