Was mache ich, wenn … bei einer Gruppe mit traumatisierten Menschen jemand den Raum verlässt?

Wenn sie zu zweit die Gruppe leiten, ist es relativ einfach. Eine Person geht hinterher, die andere arbeitet weiter mit den Anwesenden. Auch hier ist es wichtig zu erklären, was passiert ist, zu sagen: „Meine Kollegin geht jetzt hin-terher, um zu schauen, was die Person XY braucht. Wir sorgen dafür, dass ihr nichts passiert, und ich bleibe bei Ihnen und wir arbeiten weiter.“ Transparenz und Klarheit sind wesentliche Bestandteile, weil die Gruppenteilnehmer/innen sonst in der Verunsicherung angesteckt werden und sie die Transparenz und Klarheit als Halt und Sicherheit benötigen. Wenn Sie eine solche Gruppe alleine leiten, ist die Situation schwieriger. Aber auch hier haben wir bislang gute Erfahrungen gemacht, wenn Sie als anleitende Person derjenigen, die den Raum verlässt, folgen und sich um sie kümmern. Zumindest dann, wenn diese Person nicht gesagt hat, dass sie wiederkommt und nur eine kleine Auszeit benötigt, wenn Sie sich Sorgen um sie machen und Sie den Eindruck haben, das es nötig ist, nach ihr zu schauen, ob sie Hilfe braucht.

Entscheidend ist auch hier erstens, dass Sie der Gruppe erklären, dass Sie gehen, aber auch, dass Sie wiederkommen, dass die Gruppe sich darauf verlassen kann, dass Sie wiederkommen. Zweitens ist notwendig, dass Sie den Zurückbleibenden eine konkrete Aufgabe geben, mit der sie beschäftigt sind, bis Sie wieder da sein. Sie können darum bitten, dass sie etwas aufschreiben oder etwas malen, sie sollen dieses oder jenes tun. Möglichst konkret, möglichst handfest, damit die Menschen in der Zeit, in der Sie nicht dabei sind, beschäftigt sind.

Wenn Sie wieder zurückkommen, erklären Sie, was vorgefallen ist, soweit das der Intimitätsschutz der Person, die den Raum verlassen hat, zulässt. Geben Sie auch hier durch Ihre Transparenz und Klarheit der Gruppe Halt und Sicherheit.

Vereinbaren Sie danach Spielregeln für die Zukunft, dass es durchaus möglich ist, den Raum zu verlassen, wenn etwas zuviel ist, dass Sie es aber brauchen und einfordern, dass Ihnen Bescheid gesagt wird, wo die den Raum verlassende Person hingeht und dass sie wiederkommt.

About Udo Baer

Dr. phil. (Gesundheitswissenschaften), Diplom-Pädagoge, Kreativer Leibtherapeut AKL, Mitbegründer und Wissenschaftlicher Berater der Zukunftswerkstatt therapie kreativ, Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für soziale Innovationen (ISI) sowie des Instituts für Gerontopsychiatrie (IGP), Vorsitzender der Stiftung Würde, Mitinhaber des Pädagogischen Instituts Berlin (PIB), Autor

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