„Ich bin dumm!“

Viele Opfer traumatisierender Gewalterfahrungen, v.a. sexueller Gewalt, halten sich für dumm. Manche meinen das als generelle Bewertung der eigenen Person, andere beziehen sich auf einzelne Teilbereiche ihrer Fähigkeiten und Kompetenzen. Manche äußern dies ständig, andere teilen dieses Selbstbewertung nicht mit anderen, wälzen Sie aber als Selbstbeschimpfung wiederholt in ihren Gedanken.

Diese Selbsteinschätzung steht meistens in solch frappierenden Gegensatz dazu, wie ich die jeweilige Personen wahrnehme, dass ich meist innerlich den Kopf schüttele und verwundert staune.

Weiter lesen

Traumbilder der Zwischenleiblichkeit

Wir Menschen sind voller Imagination. Wir stellen uns Szenen und anderes Bildhaftes vor. Wir sehen solche Bilder und spüren sie in den Träumen, wir haben Tagträume und vieles mehr. Auch Flashbacks, in denen traumatische Erfahrungen wieder aufleben, sind häufig von solchen Imaginationen begleitet.

Nun gibt es ein Phänomen, dass Kinder oder gar Enkel von Menschen, die traumatische Erfahrungen gemacht haben, berichten, dass sie Bilder solcher Erfahrungen geträumt haben oder dass sie ihnen in Tagträumen erscheinen. Es handelt sich dabei zum Beispiel um Bilder von Landschaften, durch die die Mutter nach dem Zweiten Weltkrieg geflohen ist, Bilder von Kriegsereignissen, die der Vater erlebt hat, oder Vergewaltigung, die der Mutter wiederfahren ist. Die Frage taucht auf: Wie ist so etwas zu erklären?

Weiter lesen

Transgenerative Traumaweitergabe: Coping-Weitergabe

Wir haben schon oft darauf hingewiesen, dass bei der Weitergabe von traumatischen Erfahrungen an die nächste Generation nicht das Trauma weitergegeben wird, sondern die Traumafolgen. Dazu gehören auch Aspekte des Traumaerlebens, die ja als Flashbacks auch nach dem Ende der traumatischen Situation immer wieder aufleben. Dazu gehören vor allem die Traumafolgen wie Ängste, Schuldgefühle, Unruhe und dergleichen mehr. Besonders hinweisen möchte ich darauf, dass auch die Art und Weise, wie Menschen mit dem Trauma umgehen, wie sie es bewältigen, an diesen nächsten Generationen weitergegeben werden kann und oft wird.

Weiter lesen

Verrat überleben, Verratsfolgen bewältigen (1): Das Gefühl ernst nehmen

Dieser Artikel ist Teil 1 von 10 der Artikel-Serie Verrat überleben, Verratsfolgen bewältigen

„Sie hatten mir gesagt: Das Boot ist sicher. Und doch ist es voll gelaufen!“ Der Flüchtling wurde gerade noch gerettet, seine Frau auch. Doch er fühlt sich auch ein Jahr danach noch getäuscht und verraten und ist fassungslos.

Eine deutsche Klientin war als 12jähriges Mädchen von ihrem Onkel vergewaltigt worden. „Ich hatte ihm doch vertraut. Darüber komme ich immer noch nicht hinweg. Nach über 20 Jahren müsste es doch vorbei sein …“ Auch sie fühlt sich verraten. Immer noch und immer wieder. Weiter lesen

Bleiben oder zurückkehren?

Anknüpfend an den Beitrag letzter Woche hier ein Beitrag zu einem Konflikt, der uns im Rahmen unser kommenden Buchveröffentlichung „Flucht und Trauma – Wie wir traumatisierten Flüchtlingen wirksam helfen können“ oft begegnete und beschäftigte.

Für viele Flüchtlinge ist klar, dass sie in Deutschland bleiben wollen. Sie beabsichtigen, sich hier niederzulassen und einzurichten. Andere wollen wieder in ihr altes Heimatland zurück, wenn sich die Verhältnisse dort ändern.

Viele der Flüchtlinge schwanken zwischen Hierbleiben und Zurückkehren. Hierfür ein Beispiel: Weiter lesen

Warum dieser Blog?

Weil viel dafür getan werden muss, dass traumatisierte Menschen und diejenigen, die sie unterstützen, gewürdigt werden. Dass  traumatische Erfahrungen v. a. sexueller oder anderer Gewalt leidvolle Folgen bewirken, hat sich herumgesprochen. Doch wie  Hilfe in Therapie, Pädagogik, Beratung usw. erfolgen sollte, dazu gibt es viele offene Fragen, dazu brauchen professionelle und ehrenamtliche Begleiter/innen Unterstützung und Knowhow. Dazu will dieser Blog beitragen.

Traumatische Gewalt ist entwürdigend. Traumahilfe braucht Traumawürdigung.

Dieser Blog ist ein Baer-Blog, das heißt, ich, Udo Baer, übernehme die Verantwortung und die Redaktion und werde viele Beiträge hier veröffentlichen. Und er ist ein Blog, eine Stimme anderer Kolleg/innen, die einen würdigenden Ansatz der Traumatherapie und -begleitung vertreten. Wir werden hier ca. jede Wochen einen Beitrag veröffentlichen und alle früheren Beiträge unter den Kategorien zur Verfügung stellen. Die Form reicht von Kommentaren oder nützlichen Methoden oder Hintergrundanalysen bis zu Literaturtipps und Buchauszügen. Die Themen betreffen das Traumaverständnis, die transgenerative Traumaweitergabe und vor allem viele konkrete Hilfen für Menschen, die traumatisierte Personen begleiten.

Alle, die für eine würdigende Trauma-Begleitung und Trauma-Therapie eintreten, sind aufgefordert, an der Webseite mitzuarbeiten. Fragen, Themenwünsche, eigene Beiträge, Rezensionen, Informationen … – alles ist willkommen. Ihre Beiträge können mit vollem Namen, mit Kürzel oder anonym veröffentlicht werden, wie Sie es wünschen.

Bitte senden Sie Ihre Beiträge an info@trauma-und-wuerde.de.