Trost, Teil 3: Trost ist Beziehung

 

 

 

Als ich krank war, bekam ich viele Grußkarten mit tröstenden Sätzen und Sprüchen  und ich erhielt einzelne Symbole als tröstende Geschenke. Kleine Holzobjekte, bedruckte Tücher, Papierstatuen, kleine Figuren. All das war freundlich, nett und hilfreich. Doch wichtiger als die Symbole waren die Menschen, die mir diese geschenkt haben. Trostsymbole sind Ausdruck zwischenmenschlicher Begegnung. Trost ist Beziehung.

Wenn Menschen durch eine Krankheit, eine traumatische Erfahrung oder eine andere Verletzung belastet und beschädigt wurden, fühlen sie sich oft „aus der Welt geworfen“. Vor allem spüren viele eine tiefe Einsamkeit. Dieses Alleinsein mit dem Schmerz, mit der verletzenden Erfahrung hält die Wunde offen. Menschen brauchen Trost von Menschen. Kartensprüche und Symbole können Ausdruck dieses Beziehungstrostes sein, dann wirken sie.

Wenn wir von anderen Menschen Trost erfahren, sind zwei Voraussetzungen notwendig. Die erste besteht darin, dass die anderen mitfühlen können, dass sie berührt sind und dies mit uns teilen. Wenn wir spüren, dass andere Menschen unseren Schmerz auch als Schmerz fühlen, dann öffnet sich ein Weg aus der Einsamkeit, aus dem Alleinsein. Das tröstet.

Die zweite Voraussetzung sollte sich darin erweisen, dass sich Tröstender und der getröstete Mensch auf gleicher Augenhöhe befinden. Es braucht ein Nebeneinander und nicht ein Übereinander. Kein Blick und keine Geste von oben herab, sondern eine Begegnung unter gleichen. Menschen, die traumatisiert wurden oder andere schwere Verletzungen erlitten haben, fühlen sich schon klein und erniedrigt genug, sodass dieser Aspekt beim Trösten keinerlei Bedeutung haben darf. Wenn sie von anderen Menschen Trost auf gleicher Augenhöhe erfahren, dann fühlen sie sich gewürdigt, dann ist Trost ein Aspekt der Würdigung.

Weitere Artikel dieser Serie: << Trost, Teil 2: Trost und GlaubeTrost, Teil 4: Was nicht hilft >>

About Udo Baer

Dr. phil. (Gesundheitswissenschaften), Diplom-Pädagoge, Kreativer Leibtherapeut AKL, Mitbegründer und Wissenschaftlicher Berater der Zukunftswerkstatt therapie kreativ, Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für soziale Innovationen (ISI) sowie des Instituts für Gerontopsychiatrie (IGP), Vorsitzender der Stiftung Würde, Mitinhaber des Pädagogischen Instituts Berlin (PIB), Autor

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