Trost, Teil 7: Das große UND: Was kann ich verändern, was nicht?

 

 

Beim Trauern hilft das große UND: Wenn Menschen etwas loslassen, verlieren sie etwas UND es bleibt etwas. Wenn ein Mensch gestorben ist, können wir nicht mehr mit ihm zusammenleben UND es bleibt eine Erinnerung, eine Erfahrung, ein Gefühl und vieles mehr. Am Anfang eines Verlustes ist der Schmerz so groß, dass dieses große UND nicht spürbar ist und von den tröstenden Menschen noch nicht angeführt werden sollte. Doch im Laufe der Zeit findet es einen Boden und kann und sollte ein Bestandteil des Tröstens werden.

Auch in vieler anderer Hinsicht ist das große UND wichtig: Du bist allein in der Einzigartigkeit deines Leidens und deines Schmerzes UND ich bin bei dir und versuche, dir Trost und Halt zu geben.

Hilfreich ist auch die Frage, was ein Mensch, der leidet, verändern kann und was nicht: „Ich kann an der Tatsache, dass ich meinen Arbeitsplatz verloren habe, nichts mehr ändern UND ich kann verändern, dass ich mich davon nicht herunterziehen lasse, sondern mir einen neuen mir angemessenen Arbeitsplatz suche.“ Wer zwischen dem, was man verändern kann, und dem, wogegen man ohnmächtig ist, differenzieren kann, wird weniger seine Kraft vergeuden, Unabänderliches zu bewegen zu versuchen, sondern eher die Energie darauf richten, wo es Gestaltungsmöglichkeiten im Leben gibt. Diese Differenzierung ist nicht einfach. Diesen Weg zu beschreiten braucht Zeit und kleine Schritte. Doch in jedem Fall ist es wichtig und notwendig, diesen Prozess nicht allein zu gehen. Er ist ein wesentlicher Inhalt des Tröstens und er braucht die Begleitung tröstender Menschen.

Weitere Artikel dieser Serie: << Trost, Teil 6: Trösten ist gemeinsam trauernTrost, Teil 8: Trostsymbole >>

About Udo Baer

Dr. phil. (Gesundheitswissenschaften), Diplom-Pädagoge, Kreativer Leibtherapeut AKL, Mitbegründer und Wissenschaftlicher Berater der Zukunftswerkstatt therapie kreativ, Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für soziale Innovationen (ISI) sowie des Instituts für Gerontopsychiatrie (IGP), Vorsitzender der Stiftung Würde, Mitinhaber des Pädagogischen Instituts Berlin (PIB), Autor

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