Verrat überleben, Verratsfolgen bewältigen (8): Spucken und Spucktöne

Wenn Menschen verraten werden, wenden sich andere nicht nur von ihnen ab, sondern es dringt auch etwas in sie ein und bleibt in ihnen haften. Oft wird dies als Gefühl, wertlos zu sein, beschrieben oder als Gefühl der Erniedrigung, als Verletzung, oft auch als Stachel. Diesen Stachel, dieses Eingedrungene wieder loszuwerden, dabei helfen oft kreative Methoden in der Therapie. Zum Beispiel kann das Verletzende und Verratende bemalt und dann das Bild vernichtet werden. Es kann ein „Stein des Verrates“ gestaltet und vergraben  oder ins Meer oder in einen Fluss geworfen werden … Mit solchen und anderen Methoden können Menschen einen Weg finden, symbolisch etwas, was ihnen unbekömmlich ist, loszuwerden.

Sehr bewährt hat sich, Opfer von Verratserfahrungen auf das Spucken hinzuweisen. Das Spucken ist nicht populär, erst recht nicht in der Öffentlichkeit. Und doch ist Spucken eine Hilfe für viele Menschen, etwas, was gar nicht schmeckt, ewas sie nicht mögen und loswerden wollen, von sich zu geben. Wenn Menschen das Gefühl überkommt, dass die Folgen des Verrats sie sehr verletzen und übermächtig zu werden drohen, dann empfehle ich ihnen, zu spucken. Nicht beim Einkaufen, nicht am Essenstisch, aber an den Orten, wo sie meinen, es sich gut erlauben zu können. Es hilft.

Eine weitere unterstützende Arbeit besteht darin, Spucktöne entstehen zu lassen. Das geht folgendermaßen: „Spucken Sie einmal aus und beachten Sie dabei die Bewegung und Haltung des Mundes. Wenn Sie nun spucken, ohne Speichel von sich zu geben, sondern statt des Speichels beim Ausatmen einen Ton entstehen lassen, dann ist das ein Spuckton … Probieren Sie es aus. Entwickeln und entfalten Sie Ihre Spucktöne!“

Spucktöne von sich zu geben und ertönen zu lassen, hilft vielen Menschen, sich der Folgen des Verrats und damit auch der traumatischen Erfahrung zu entledigen.

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About Udo Baer

Dr. phil. (Gesundheitswissenschaften), Diplom-Pädagoge, Kreativer Leibtherapeut AKL, Mitbegründer und Wissenschaftlicher Berater der Zukunftswerkstatt therapie kreativ, Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für soziale Innovationen (ISI) sowie des Instituts für Gerontopsychiatrie (IGP), Vorsitzender der Stiftung Würde, Mitinhaber des Pädagogischen Instituts Berlin (PIB), Autor

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