Leiden arabische Frauen weniger? Kultur und Trauma Teil 4: Interkulturelle Begegnungen

Herder hat ca. 1750 den Kulturbegriff teilweise bis heute geprägt, indem er Kulturen mit Kugeln verglich, die nebeneinander existieren würden, möglichst noch identisch mit einem Nationalstaat. Auch der Multikulti-Begriff fußt auf diesem Bild nebeneinander existierender Kulturen.

Doch die Realität zeigt, dass Kulturen sich begegnen, beeinflussen, vermischen.

Mit interkulturell wird die Begegnung zweier Kulturen verstanden. Die Menschen können durchaus überlappende kulturelle Elemente teilen (z. B. beide Christen oder Ingenieure sein. Der größte Teil ihrer Erfahrungen beruht aber auf unterschiedlichen kulturell bestimmten Prägungen. „Hier haben sie eine unterschiedliche Wahrnehmung von der Realität und dabei ein unterschiedliches Verständnis von Normalität und Routine. Diese Unterschiede müssen bewusst, verständlich und handhabbar gemacht werden, so dass sie ihre Bedrohlichkeit verlieren. Dazu ist interkulturelles Lernen erforderlich.“ (Losche et al., S. 29)

In der Traumahilfe begegnen sich Menschen unterschiedlicher Kulturen. Oft hören wir, dass man sich an die Hilfe für Angehörige anderer Kulturen nicht herantraue, weil man so wenig über deren kulturellen Hintergrund wisse. Man brauche erst mehr Wissen. Wissen über kulturelle Unterschiede und Hintergründe schadet nicht, selbstverständlich. Doch oft haben erlebt, dass die Zurückhaltung andere Gründe hatte. Unser Tipp: Fragen Sie die Menschen aus anderen Kulturen! Das ist die beste Fortbildung. Sie sind die Expert/innen. Dass verschafft Erkenntnisse und das ist der Anfang interkultureller Begegnung.

About Udo Baer

Dr. phil. (Gesundheitswissenschaften), Diplom-Pädagoge, Kreativer Leibtherapeut (AKL), Mitbegründer und Geschäftsführer der Zukunftswerkstatt therapie kreativ, Vorsitzender der Stiftung Würde und wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Gerontopsychiatrie (IGP).

Ein Kommentar zu “Leiden arabische Frauen weniger? Kultur und Trauma Teil 4: Interkulturelle Begegnungen

  1. Es gibt da etwas, was für alle Menschen dieser Welt eine Gültigkeit hat. Der Mensch an sich möchte zu anderen dazu gehören ( dürfen ). Die Ausgrenzung und damit einhergehende Isolation von Menschen, die infolge von ganz bestimmten „Verhaltens-Auffälligkeiten“, den Trauma-Folgen, wie „Fremde“ wirken, fördert keine Heilung, bewirkt keine Traumata-Integration…. Übrigens, das gilt auch für im Inland traumatisierte Menschen. : „Der beste Arzt ist die Gemeinschaft. “ http://www.zeit.de/kultur/2015-11/trauma-fluechtlinge-therapie-10nach8

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