Angst und Geborgenheit (Angst 2)

Ein wichtiges Gegenteil von Angst, v.a. von existenzieller Angst, ist Geborgenheit. Gegen das Wachsen der Angst und gegen die Angst, von Ängsten überflutet zu werden, hilft es, sich mit Geborgenheit zu beschäftigen. Deswegen ermutigen Sie, über Ängste zu reden, UND machen Sie Geborgenheit zum Thema.

Deshalb einige Hinweise, was Geborgenheit ist. Es sind Auszüge aus dem Buch „Das Wunder der Geborgenheit“:

„Geborgenheit ist, wie alle Gefühle, Stimmungen und anderen emotionalen Regungen, leichter zu spüren als zu beschreiben. Geborgenheit ist nicht messbar, aber wir erleben sie …

Geborgenheit beinhaltet Geschütztsein. Wovor auch immer. Gefahren und Bedrohungen, Verletzungen und Kränkungen, Unsicherheiten und Verunsicherungen sind der Feind der Geborgenheit. Das Wort ,Geborgenheit’ kommt nicht von „borgen“, sondern von ,Burg’. In der Burg waren Menschen geschützt vor ihren Feinden, in die Burg zogen sie sich bei Angriffen zurück.

Wenn Menschen bedroht werden, geht die Geborgenheit für den Moment der Bedrohung verloren. Werden sie existenziell und dauerhaft bedroht und können sie die Bedrohung nicht abwehren oder das Gefühl der Bedrohung nicht ablegen, weil sie keine oder zu wenig Unterstützung von anderen Menschen erhalten, dann geht das Gefühl der Geborgenheit dauerhaft verloren und mündet in ein Gefühl des Verlorenseins …

Geborgenheit braucht den Schutz und die Vertrautheit anderer Menschen, denen man vertrauen kann und die für einen einstehen. Schutz zu bieten ist mehr als das Abwehren von Bedrohungen. Es beinhaltet auch, dass andere Menschen parteilich für die zu Beschützenden einstehen. Und dass sie ihnen freundlich gesonnen sind und Freundlichkeit in das innere der Burg ausstrahlen. Freundlichkeit ist die positive Seite des Schutzes und gehört deshalb zur Geborgenheit …

Viele Menschen beschreiben eine Atmosphäre der Geborgenheit als Wärme. Warmes Licht und Kerzen können helfen, eine Atmosphäre der Geborgenheit zu schaffen, doch vor allem ist Geborgenheit Beziehungswärme … Menschen fühlen sich dann geborgen, wenn sie ihre Umgebung und die Beziehungen zu den anderen als wahrhaftig und selbstverständlich, warm und wärmend erleben …

Das dritte wesentliche Elixier der Geborgenheit ist das Vertrauen. Wenn wir anderen Menschen nicht trauen können, fühlen wir uns nicht geschützt und können keine Beziehungswärme erfahren. Menschen, bei denen und mit denen wir uns geborgen fühlen, müssen wir vertrauen können. Vertrauen ist wichtig und notwendig und gehört wie der Schutz und die Wärme zu den drei Kernelementen der Geborgenheit.“ (Baer, Frick-Baer. Das Wunder der Geborgenheit. Beltz-Verlag)

 

Unser Vorschlag: Sprechen sie über die Angst UND auch über Geborgenheit. Fragen Sie die Menschen, die Sie begleiten, was und wer ihnen Schutz bietet, wer auf sie aufpasst. Fragen Sie sie, wem sie vertrauen. Reden Sie mit ihnen darüber, was sie wärmt – welche Menschen, welche Umgebungen usw. Und erzählen Sie von sich, davon, was für Sie Geborgenheit ist.

 

Weitere Artikel dieser Serie: << Das Recht auf Angst und das große UND (Angst 1)Angst und Wirksamkeit (Angst 3) >>

About Udo Baer

Dr. phil. (Gesundheitswissenschaften), Diplom-Pädagoge, Kreativer Leibtherapeut AKL, Mitbegründer und Wissenschaftlicher Berater der Zukunftswerkstatt therapie kreativ, Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für soziale Innovationen (ISI) sowie des Instituts für Gerontopsychiatrie (IGP), Vorsitzender der Stiftung Würde, Mitinhaber des Pädagogischen Instituts Berlin (PIB), Autor

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