Unterlassene Hilfeleistung und Mittäterschaft

Mich macht immer wieder fassungslos, dass und wie lange Menschen zusehen, dass ihre Kinder vom anderen Elternteil Gewalt erfahren, oft auch sexuelle Gewalt. Oft sind es Mütter, die meist den Töchtern nicht helfen. Ihr Schweigen und ihr Zulassen von Gewalttaten entspringt oft eigner Not. Oft drohen die Täter.

Oft haben diese Mütter selbst eigene Opfererfahrungen, mit denen sie allein blieben in ihrer Kindheit und Jugend. Das macht die unterlassene Hilfeleistung erklärlich, aber nicht verzeihlich. Auch Opfer haben die Möglichkeit, wenn sie selbst nicht einschreiten können, andere Menschen oder Einrichtungen zu informieren und um Hilfe zu bitten. Dies zu unterlassen, ist nicht nur unterlassene Hilfeleistung, sondern auch Mittäterschaft. Für die kindlichen Opfer ist dies schwer auszuhalten und hinterlässt manchmal lebenslange Spuren. Menschen, auf deren Unterstützung sie vertrauen, verraten sie und werden zu Kumpanen der Gewalttäter! Wie soll ein Kind das einordnen? Wie soll ein Kind damit fertigwerden?!

Kinder mit solchen Erfahrungen brauchen Halt und Unterstützung. Sie brauchen neue Erfahrungen von Menschen, die sie begleiten, die sie nicht verraten, sondern die auf sie aufpassen im besten Sinne des Wortes.

About Udo Baer

Dr. phil. (Gesundheitswissenschaften), Diplom-Pädagoge, Kreativer Leibtherapeut AKL, Mitbegründer und Wissenschaftlicher Berater der Zukunftswerkstatt therapie kreativ, Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für soziale Innovationen (ISI) sowie des Instituts für Gerontopsychiatrie (IGP), Vorsitzender der Stiftung Würde, Inhaber des Pädagogischen Instituts Berlin (PIB), Autor

2 Kommentare zu “Unterlassene Hilfeleistung und Mittäterschaft

  1. Sie werden zu Erwachsenen, die auch nicht einschreiten und wegschauen. „Geht mich doch nichts an.“
    „Ich will mich da nicht einmischen.“ Dieser Satz hat Wirkung. Die Täter können frei weiter ihr böses Tun praktizieren.
    Greift doch endlich mal ein anderer ein und bezieht Stellung für das Kind, für das Opfer, dann stachelt das den Täter an auch diesen zum Opfer werden zu lassen. Eine innere Stabilität und Stellungnahme für das Opfer praktizieren, auch wenn es echt schwer fällt gegen die aufgesetzte Freundlichkeit, die Täter nach außen hin zeigen.
    Als ich dieses „Spiel“ erkannte, habe ich die Weichen neu eingestellt. Ich wurde auch schon übel in den Boden gestampft. Ich habe irgendwann beschlossen, Täter beim Namen zu nennen und Mittäter ebenso. Ich schreibe auf meiner FB-Seite immer mal davon, um aufmerksam und bewusst zu machen, wie die Inszenierungen in Wahrheit ablaufen.
    Danke für ihre so bereichernde Aufklärungsarbeit, Herr Baer. Durch Ihre Bücher und Newsletter konnte ich so manches durchschauen.

  2. Ich bin das Opfer sexueller Gewalt, sexueller Rituale. Meine Mutter ist Mitwisserin. Sie war. Sie ist vor zwei Jahren gestorben. Sie hat mir und meiner Schwester, die ebenfalls Opfer war, nicht geholfen. Sie hat die Taten unterstützt, zugeschaut und hat sich nie ihrer Schuld gestellt. Mein Vater und meine Mutter haben zudem emotionale und körperliche Gewalt ausgeübt.
    Meine Großmutter wusste von den Vorfällen. Sie hat uns nicht geholfen. Sie hat sich aber im hohen Alter dazu geäußert. Warum sie uns nicht geholfen hat? Ich habe nicht gefragt.
    Mein Vater, der noch lebt, will sich zu den Geschehnissen nicht äußern.
    Und dennoch, ich hätte meine Kinder nie in so einer Not alleine gelassen.

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