Sicherer Ort, Teil 2

Artikel-Serie "Sicherer Ort"


 

 

 

Das bisher vorgestellte Verständnis des „sicheren Ortes“ bedarf des Überdenkens. Dass Menschen mit traumatischen Erfahrungen sich einen „sicheren Ort“ vorstellen, ist sinnvoll. Doch wissen wir aus Imaginationen, dass positive Imaginationen nicht immer alleine daherkommen, sondern oft mit negativen Bildern, ja manchmal mit verängstigenden Schreckensbildern verbunden sein können, insbesondere bei mehrfach traumatisierten Menschen. Es bedarf daher besonderer Ausbildung und Begleitungskompetenz, Klienten/innen bei solchen Imaginationen zu begleiten. Sie brauchen nicht nur die einfach scheinende Hilfe, positive Bilder eines „sicheren Ortes“ herzustellen. Sie brauchen darüber hinaus Hilfen zwischen angstmachenden und positiven Bildern und Vorstellungen zu wechseln.

Dabei hilft nach meinen Erfahrungen das Verraumen. Wir bitten die Person, sich einen Ort in einem Raum zu suchen, an dem sie sich relativ sicher fühlen. Diese Platzierung kann nur ein Ausdruck „relativer“ Sicherheit sein, aber immerhin einer größeren Sicherheit als vielleicht an anderen Orten. Diese Verraumung, diese Verortung, unterstützt das Entstehen innerer Bilder. Wenn Menschen sich bei Verunsicherungen an diesen „sicheren Ort“ begeben, hilft das und unterstützt den Nutzen innerer Bilder „sicherer Orte“.

Eine zweite Unterstützung „sicherer Orte“ besteht darin, dass wir den Begriff des „unzerstörbaren Kerns“ benutzen. Wir reden in der Traumatherapie davon, dass Menschen einen unzerstörbaren Kern haben, ganz gleich, wie sehr sie geschunden oder bedrängt worden sind: „Diesen Kern haben die Täter nicht erreicht. Dieser Kern ist unzerstörbar, ist Ihr Eigenes, Ihr Innerstes und Kostbarstes.“ Wenn Menschen diesen unzerstörbaren Kern malen oder zum Beispiel aus Ton oder Stoff gestalten, dann hebt dies ihr Selbstwertgefühl und dann finden sie damit einen Bezugspunkt zu einem „sicheren Ort“, den sie immer wieder greifen, buchstäblich in die Hand nehmen können.

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About Udo Baer

Dr. phil. (Gesundheitswissenschaften), Diplom-Pädagoge, Kreativer Leibtherapeut AKL, Mitbegründer und Wissenschaftlicher Berater der Zukunftswerkstatt therapie kreativ, Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für soziale Innovationen (ISI) sowie des Instituts für Gerontopsychiatrie (IGP), Vorsitzender der Stiftung Würde, Mitinhaber des Pädagogischen Instituts Berlin (PIB), Autor

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