„Flüchtlinge“ und was mich gerade bewegt

„Die Flüchtlingskrise“ :  in der Tageszeitung – jeden Tag;  in den Nachrichten – jeden Tag; im Alltag und auf der Straße – jeden Tag!

Niemand hätte gedacht, dass so eine Flutwelle von Flüchtlingen und Aussiedlern auf uns zurollen würde, niemand hat das Ausmaß der Gründe für die Flucht von so vielen Menschen so heftig eingeschätzt….. – und nun stecken wir alle mittendrin!

Es ist nicht mehr möglich, nicht hinzuschauen! Aber jeden Tag hinzuschauen und sich klar- zu machen, was hier eigentlich passiert, macht mich oft ohnmächtig!

Ich weiß, dass viel Bedarf für Hilfe und Unterstützung besteht, dass die Menschen traumatisiert sind, die zu uns oder in andere Länder flüchten.

Ich kann nur ahnen, wie es sein muss, in Notunterkünften zu hausen und zu warten…..stundenlang, tagelang, wochenlang, monatelang auf den Bescheid, ob man als Asylsuchender angenommen oder abgelehnt wird.

Wie es sein muss, seine Heimat, seine Familien, sein Hab und Gut zu verlassen, kann ich nur aus den Geschichten meiner Elterngeneration erfahren – zum Glück musste ich das bisher nicht am eigenen Leib erfahren!

 

Dennoch bleibt da dieser „Graben“ zwischen mir und den „anderen“ – mir fremden Menschen und auch die Angst.

Ich habe hier 1 km vor meinem Haus eine Art Sporthalle, die als Flüchtlingsunterkunft dient.

Ich habe mir schon oft vorgestellt, wie es ist, dort einfach hinzugehen und „Hallo“ zu sagen – habe mich dann aber doch nicht getraut. Ab und zu begegnen mir Menschen von dort, die ich dann wenigstens bewusst freundlich grüße.

Ich habe mit Freunden über dieses Thema gesprochen und wie wir dem begegnen könnten.

Momentan scheint sich daraus eine Initiative zu entwickeln.

 

Dazu kommt ein ganz wichtiger Punkt, den ich ansprechen möchte:

Ich möchte nicht aus einem Gefühl, die Welt verbessern zu müssen, handeln. Es hat mich viele Jahre gekostet, aus meinem christlichen Korsett heraus zu kommen und mein eigenes Wohl und meine eigenen Grenzen zu wahren und im Blick zu haben.

Wohl aber möchte ich an meiner Freude und meiner Herzensliebe bleiben, die es mir ermöglichen, aus einer freundlichen Haltung heraus freiwillig zu geben/zu verschenken.

Es ist sicher nicht leicht, in der Freude zu bleiben, wenn man viel Elend und Trauma sieht – da braucht es die Vernetzung mit anderen, das Gefühl für die eigenen Grenzen.

 

Deswegen verfolge ich weiter meine Idee/mein Projekt,  in dieses oder ein anderes Flüchtlingsheim zu gehen und mit den Menschen zusammen zu musizieren – eine gemeinsame „Sprache“ zu finden, die jenseits von Worten ist und dennoch Verständnis gibt, möglicherweise an Erinnerungen anknüpft aus der Heimat und auch Freude bringt.

Das Projekt soll aus einer Gruppe von Musikern bestehen.

Was sich dann daraus weiter entwickelt, wird sich zeigen.

Meine Erfahrung, die ich aus dem Musizieren und der Musiktherapie mit Menschen mit Demenz täglich neu erleben darf, stärkt mich darin, dass das ein guter Ansatz ist mit der Musik.

Plötzlich ist es vollkommen unerheblich, ob jemand noch  einen ganzen Satz hintereinander bekommt, verwirrt scheint oder in einer anderen Welt ist. Die Musik bringt für Momente Freude und Wärme in die Herzen der Menschen.

Generell ist es wichtig in dieser Zeit, sich mit anderen, Gleichgesinnten zusammenzutun – sich auszutauschen, sich zu unterstützen, Antworten auf Fragen zu suchen und Möglichkeiten, dem Thema „Flüchtlingskrise“ allgemein und vor der eigenen Haustür zu begegnen.

 

Deswegen finde ich auch diesen Blog sehr wichtig!

 

Autorin:

Friedegard Diestelkamp

Heilpraktikerin

Musiktherapeutin

Ein Kommentar zu “„Flüchtlinge“ und was mich gerade bewegt

  1. Danke für diesen Beitrag und danke insgesamt, lieber Udo Baer, für diesen Blog. Ich lese immer mal wieder rein….
    Seit gut drei Jahren gehe ich regelmäßig in eine Flüchtlingsunterkunft, um dort mit Menschen zu sprechen. Seit über einem Jahren öffne ich, zusammen mit meinem Mann, jeden Montag den Raum zum gemeinsamen Musizieren mit Einheimischen und geflüchteten Menschen … überwiegend rhythmisch mit Trommeln und Kleinperkussion … und wir singen, ermutigen dazu, Lieder aus der jeweiligen Heimat vorzustellen. Das Alles ohne therapeutischen Anspruch … und jede und jeder ist uns willkommen … unabhängig von musikalischen Vorerfahrungen. Einfach beisammen sein und entstehen lassen …. Gerade das macht es vielleicht so unendlich heilsam. Manchmal denke ich, dass es für uns „Einheimische“ ein großer Segen ist, diese Erfahrungen machen zu können. Musik baut Brücken zwischen Kulturen und Menschen …

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