Stolz und Trauma-Erfahrungen

„Sei nicht so stolz“, das haben viele von Ihnen bestimmt gehört, zumindest als Kinder. „Darauf kannst du stolz sein“, werden auch einige gehört haben, doch eine deutlich kleine Anzahl.

„Stolz“ hat mehrere Bedeutungen, ist ein schillernder Begriff. Oft wird er mit Überheblichkeit gleichgesetzt und so abgelehnt. Doch stolz zu sein ist unserer Meinung nach positiv, eine wertvolle Eigenschaft, ein wichtiges Gefühl. Wer sich stolz fühlt, nimmt sich und seine Taten als positiv an, akzeptiert, dass er oder sie etwas geschafft, etwas erreicht hat. Dies stärkt das Selbstbewusstsein und das Selbstwertgefühl.

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Der leise Schrei: Warum manche Menschen so ungern Hilfe annehmen können!

Wir begegnen in der Traumahilfe oft Menschen, die ungern oder gar nicht Hilfe annehmen können. Das kann Beratung, Therapie oder andere Unterstützung betreffen. Wenn sie dann zum Beispiel in einer Therapie erfahren haben, dass Hilfe wirkt, erleichtert, stärkt, verstehen sie oft ihre frühere Haltung nicht.

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G20: Macht die Fernseher aus!

Ich schreibe dies am Vormittag des 8.7. angesichts der Gewaltbilder aus Hamburg. Dass es viel zu protestieren gibt, teile ich. Dass die Gewalt gegen die Polizei, gegen die Autos und Fahrräder der Anwohner, gegen die Drogerien und Supermärkte, die geplündert wurden, menschenverachtend ist, damit werde ich mich mit fast allen, die dies lesen, einig sein.

Mich treibt um, dass auf den meisten Gewaltbildern, die im Internet zu sehen sind, im Hintergrund und an den Seiten Reporter und Fotografen zu sehen sind. Die Gwalttäter schimpfen auf die Medien und gleichzeitig wollen sie in die Medien und die friedlichen Proteste überdecken. Und die Medien bieten ihnen die Bühne dafür. Das ist ärgerlich. Das ist widerlich. Das möchte ich nicht sehen, weder im Fernsehen noch im Internet.

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Wenn Blicke nicht aushaltbar sind…

Menschen, die traumatische Erfahrungen machen mussten, werden oft von Blicken „getriggert“, das heißt, dass Blicke anderer Menschen die leibliche Erinnerung an Traumata, z. B. sexuelle Gewalt auslösen. Für sie sind Blicke oft nicht aushaltbar, da Augenkontakt mit Hilflosigkeit und Opfersein verbunden ist. Sie haben vielleicht die Erfahrung, von Tätern „ausgeguckt“ worden zu sein – unbefangener Blickkontakt ist für sie dann meist unerträglich.

Gleichzeitig spüren sie oft eine große Sehnsucht, gesehen zu werden – allerdings mit Respekt. Sie befinden sich folglich in einem Dilemma, sich nach Blickkontakt zu sehnen und ihn gleichzeitig nicht auszuhalten. Mit diesen Menschen hat sich ein Weg bewährt, den wir Fächertanz nennen. Er ermöglicht, mit Hinschauen und Wegschauen, Sich-Verstecken und Sich-Zeigen zu spielen und so neue Erfahrungen mit Blicken zu machen.

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Verrat überleben, Verratsfolgen bewältigen (10): Dem Grummeln folgen

Wer verraten wurde, wird – und das ist unsere Erfahrung in fast jedem Kontakt mit betroffenen Menschen – sich nachträglich Vorwürfe machen: „Das hätte ich doch vorher merken müssen.“ Manchmal gab es klare und eindeutige Anzeichen, dass sich ein Verrat ankündigte, oft aber bildete sich erst im Nachhinein ein seltsames Gefühl, manchmal ein Grummeln, dem man nicht nachging und das man nicht ernst nahm. Wie dem auch sei, ein wichtiges Element, um aus den Verratserfahrungen zu lernen und die Folgen zu bewältigen besteht darin, in der Gegenwart dem Grummeln zu folgen. Weiter lesen

Verrat überleben, Verratsfolgen bewältigen (9): Etwas für den Körper tun

Ich kenne keinen Menschen, der unter Traumafolgen und insbesondere unter Verratserfahrungen gelitten hat oder leidet, der nicht auch ein negatives Körpererleben spürt. Gewalterfahrungen und die Erfahrung von Verrat führen dazu, dass man sich im Körper nicht mehr „zu Hause“ fühlt. Erniedrigung führt zu Anspannung, zu Körperentfremdung, Unlust und anderen körperlichen Irritationen. Deswegen besteht eine meiner Unterstützungen in der Bewältigung von Verratserfahrungen darin, dass ich oft anrege, dem Körper etwas Gutes zu tun. Weiter lesen

„Ich hätte es doch vorher merken müssen!“ – Sich verzeihen

Nahezu alle Täter und Täterinnen, denen ich in meinem Berufs- und Privatleben begegnet bin, hatten Schuld, aber keine Schuldgefühle. Dem gegenüber haben nahezu alle Opfer von Gewalt und anderen traumatisierenden Handlungen Schuldgefühle, Schuldgefühle ohne Schuld! Eine besondere Qualität dieser Schuldgefühle existiert dann, wenn es im Vorfeld einer traumatisierenden Tat Anzeichen gab, die auf das Geschehen hindeuteten. Eine Mutter, deren Tochter Gewalt erfahren hatte, sagt: „Ich hatte immer schon ein komisches Gefühl mit dem neuen Freund meiner Tochter. Aber ich bin dem nicht nachgegangen. Ich habe gedacht, die ist doch schon groß und ich muss ihr vertrauen. Aber das kann ich mir nicht verzeihen. Immer wieder denke ich daran, dass ich da hätte vorher etwas sagen oder einschreiten müssen. Dann wäre das nicht so passiert.“ Weiter lesen

Verrat überleben, Verratsfolgen bewältigen (8): Spucken und Spucktöne

Wenn Menschen verraten werden, wenden sich andere nicht nur von ihnen ab, sondern es dringt auch etwas in sie ein und bleibt in ihnen haften. Oft wird dies als Gefühl, wertlos zu sein, beschrieben oder als Gefühl der Erniedrigung, als Verletzung, oft auch als Stachel. Diesen Stachel, dieses Eingedrungene wieder loszuwerden, dabei helfen oft kreative Methoden in der Therapie. Weiter lesen

Verrat überleben, Verratsfolgen bewältigen (7): Die Zeit der Asche und der Trauer

In skandinavischen Sagen und Heldengeschichten begegnen wir oft dem Phänomen, dass sich Männer, die sehr tatkräftig waren und sind, eine Zeit lang zurückziehen, sich in den großen Höfen neben die Kamin-Feuer legten, mit Asche bedeckten und dort lange Zeit nahezu apathisch verharrten. Dies wurde „Zeit der Asche“ genannt. Heute würde die Diagnose wahrscheinlich „depressive Episode“ lauten. Doch es muss nicht gleich eine Depression sein, wenn Menschen den Impuls haben, sich zurückzuziehen. Weiter lesen

Verrat überleben, Verratsfolgen bewältigen (6): Wahrhaftigkeit und heiliger Zorn

Wenn traumatisierte Menschen verraten wurden und sich verraten fühlen, dann sind sie oft wütend und zornig. Doch oft werden diese aggressiven Gefühle gebremst, weil viele Menschen denken: „Ich will nicht so aggressiv sein wie die Menschen, die mir etwas angetan haben!“ Oder: „Man muss doch auch vergeben können!“ Weiter lesen