Der traumatisierte Machiavelli

Niccolò Machiavelli lebte vor rund 500 Jahren. Sein Name steht dafür, dass Machtpolitik jeder Moral entbehren soll, für Skrupellosigkeit, Täuschungen und Rohheit. Kaum jemand weiß, dass Machiavelli sein wichtigstes Werk in den sechs Monaten verfasste, nachdem er im Gefängnis gefoltert wurde und mehrere Schein-Hinrichtungen überlebt hatte. Er war viele Jahre lang in Florenz politisch tätig gewesen und hatte dadurch die Illusionen verloren, dass hinter den Handlungen der Mächtigen etwas anderes stecken könne als Machtstreben. Doch die Foltererfahrungen scheinen der entscheidende Anstoß gewesen zu sein, um jegliche Hoffnung auf Moral fahren zu lassen. Machiavelli schrieb mit verkrüppelten Händen.

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Warum werden so viele Flüchtlinge am Meniskus operiert?

Hussein ist gerade 30 geworden. Er liegt im Krankenhaus. Sein Meniskus wurde operiert. Kompliziert. Er kann eine Weile nicht laufen.Gelaufen ist er vor zwei Jahren viel, sehr viel. Von Syrien bis Bulgarien und dann nach Deutschland. Immer ein Stück mit dem Bus und versteckt im Lastwagen, dann wieder zu Fuß. Nun muss er liegen. Als ob das Knie, als ob die Beine eine Pause benötigen. Zahlreiche geflüchtete Menschen wurden in den letzten Monaten am Knie operiert. Das kann am Verschleiß liegen oder Zufall sein. Oder der Körper sagt: Ich kann und will nicht mehr laufen.

 

„Mein Nabel ist abgesunken“

Viele geflüchtete Menschen sind traumatisiert, oft mussten sie sogar mehrfach traumatisierende Erfahrungen erleben. Gleichzeitig ist den meisten von ihnen unbekannt, was ein Trauma ist, welche Folgen es hat und wie sie damit umgehen können. Es gibt in den Herkunftsländern keine Tradition, psychische Erkrankungen als solche zu erkennen und sie zu benennen. Es existiert kein Versorgungssystem für psychische Erkrankungen, auch nicht für Traumafolgestörungen. Psychotherapie ist weitgehend unbekannt, unter Therapie wird oft verstanden, dass Familien die Kinder weggenommen werden …

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Leiden arabische Frauen weniger? Kultur und Trauma Teil 5: An transkulturellen Erfahrungen anknüpfen!

Dieser Artikel ist Teil 5 von 5 der Artikel-Serie Leiden arabische Frauen weniger? Kultur und Trauma

Kultursoziologisch ist festzustellen, dass es die nebeneinander existierenden Kulturen nicht mehr nur gibt, sondern dass in nahezu allen Kulturen wesentliche gemeinsame Elemente vorhanden sind und im Zuge der Globalisierung wachsen:

der Fußball um die großen Vereine und Stars, Marken wir Coca Cola, Musik, Filme, Stars … Diese Phänomene werden als transkulturell bezeichnet.

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Leiden arabische Frauen weniger? Kultur und Trauma Teil 4: Interkulturelle Begegnungen

Dieser Artikel ist Teil 4 von 5 der Artikel-Serie Leiden arabische Frauen weniger? Kultur und Trauma

Herder hat ca. 1750 den Kulturbegriff teilweise bis heute geprägt, indem er Kulturen mit Kugeln verglich, die nebeneinander existieren würden, möglichst noch identisch mit einem Nationalstaat. Auch der Multikulti-Begriff fußt auf diesem Bild nebeneinander existierender Kulturen.

Doch die Realität zeigt, dass Kulturen sich begegnen, beeinflussen, vermischen.

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Leiden arabische Frauen weniger? Kultur und Trauma Teil 3: Multikulti

Dieser Artikel ist Teil 3 von 5 der Artikel-Serie Leiden arabische Frauen weniger? Kultur und Trauma

Das Wort „Multikulti“ ist zu einem politischen Kampfbegriff geworden. Ursprünglich entstand er als Versuch, kulturelle Eigenheiten von Migrant/innen gegen Assimilationsdruck zu verteidigen. In Wikipedia wird Multikulturalismus definiert:

„Multikulturalismus (zumeist abwertend auch Multi-Kulti oder Multikulti) ist der Oberbegriff für eine Reihe sozialphilosophischer Theorieansätze mit Handlungsimplikationen für die Kulturpolitik eines Landes. Multikulturalisten treten für den Schutz und die Anerkennung kultureller Unterschiede durch den Staat ein. Multikulturalismus steht dem Gedanken einer dominanten Nationalkultur ebenso entgegen wie dem in den USA weit verbreiteten Gedanken des Melting Pot, der von einer Angleichung der verschiedenen Kulturen ausgeht.“

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Leiden arabische Frauen weniger? Kultur und Trauma Teil 2: Kultur – was ist das eigentlich

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Bevor man sich mit den Begegnungen zwischen Kulturen auseinandersetzt, ist es sinnvoll, sich zu fragen, was unter „Kultur“ zu verstehen ist.  Doch diese Frage ist schwierig zu beantworten, denn der Kulturbegriff ist vielfältig. Das Wort „Kultur“ erscheint in zahllosen Kontexten, z. B. in Wortzusammensetzungen wie Alltagskultur, Diskussionskultur, Esskultur, Fankultur, Firmenkultur, Fußballkultur, Populärkultur, Subkultur und vielen weiteren Zusammensetzungen (z. B. Kulturlandschaft, Kulturtechniken, politische Kultur).

Die Bundeszentrale für politische Bildung veröffentlichte einen zusammenfassenden Beitrag zum Kulturbegriff, aus dem wir zitieren möchten:

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Wenn der Geflüchtete zur Ruhe kommt, hat das Herz Zeit für die Verarbeitung des Schreckens

„Direkt nach der Flucht hab ich das gar nicht gespürt, die Angst, die Erinnerungen, den Schrecken. Jetzt ist es ruhiger, und nun kommt es. Ich versteh das nicht. Bin ich verrückt?“Der irakische Flüchtling ist nicht „verrückt“, sondern das, was er erlebt, ist typisch für viele Traumaprozesse. In der ersten Zeit nach den traumatischen Erfahrungen steht das Überleben im Vordergrund: eine Wohnung muss besorgt werden, man muss die Familienangehörigen treffen und zusammenhalten, die Anerkennung des Status als Asylbewerber muss beantragt werden usw. All das bindet Energie. Der Organismus schützt sich und ermöglicht diese Energieleistung, indem der Schrecken „eingesperrt“ wird. Das gelingt nicht allen Geflüchteten oder anderen Traumatisierten. Doch da, wo es unbewusst gelingt, ist das für die Betreffenden nützlich.

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Leiden arabische Frauen weniger? Kultur und Trauma Teil 1: Unsere Haltung

Dieser Artikel ist Teil 1 von 5 der Artikel-Serie Leiden arabische Frauen weniger? Kultur und Trauma

Nein, sie leiden nicht anders. Da ist unsere Haltung eindeutig. Der Schmerz der vergewaltigten Frauen ist in Syrien der gleiche wie in Mecklenburg, in China wie in Italien. Wenn Menschen Gewalt angetan wird, leiden sie. Dass sie leiden, ist nicht kulturabhängig, sondern Ausdruck menschlicher Existenz.

Deswegen sind auch alle Ansätze, Gewalttaten mit „kulturellen Unterschieden“ zu erklären, zu verniedlichen oder weniger zu bestrafen, falsch und gefährlich. Gewalt und traumatisierende Erniedrigung widerspricht den Menschenrechten, ganz gleich, auf welche kulturellen oder religiösen Traditionen sie sich beruft.

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