Wenn Blicke nicht aushaltbar sind…

Menschen, die traumatische Erfahrungen machen mussten, werden oft von Blicken „getriggert“, das heißt, dass Blicke anderer Menschen die leibliche Erinnerung an Traumata, z. B. sexuelle Gewalt auslösen. Für sie sind Blicke oft nicht aushaltbar, da Augenkontakt mit Hilflosigkeit und Opfersein verbunden ist. Sie haben vielleicht die Erfahrung, von Tätern „ausgeguckt“ worden zu sein – unbefangener Blickkontakt ist für sie dann meist unerträglich.

Gleichzeitig spüren sie oft eine große Sehnsucht, gesehen zu werden – allerdings mit Respekt. Sie befinden sich folglich in einem Dilemma, sich nach Blickkontakt zu sehnen und ihn gleichzeitig nicht auszuhalten. Mit diesen Menschen hat sich ein Weg bewährt, den wir Fächertanz nennen. Er ermöglicht, mit Hinschauen und Wegschauen, Sich-Verstecken und Sich-Zeigen zu spielen und so neue Erfahrungen mit Blicken zu machen.

Er geht so:
Nehmen Sie ein großes Blatt Papier und falzen Sie es immer abwechselnd nach vorn und nach hinten in Abstand von ca. einem Zentimeter. Wenn Sie das Papier dann zusammengefaltet an einer Seite festhalten und an der anderen auseinander ziehen, haben Sie einen Fächer in der Hand.
Sie können den Fächer, wenn Sie wollen, bemalen. Vielleicht mit Ihrer Seite, die Sie gerne zeigen, nach außen und mit der eher verborgenen, schutzbedürftigen Seite nach innen.
Und dann spielen Sie mit anderen, die ebenfalls einen Fächer haben: Sie zeigen sich und Sie verbergen sich … Mit Musik kann sogar ein Fächertanz daraus werden …
Sie können in den Fächer auch ein kleines Loch reißen. Dann können Sie sich hinter dem Fächer verbergen und gleichzeitig auf die andere Person schauen …

About Udo Baer

Dr. phil. (Gesundheitswissenschaften), Diplom-Pädagoge, Kreativer Leibtherapeut (AKL), Mitbegründer und Geschäftsführer der Zukunftswerkstatt therapie kreativ, Vorsitzender der Stiftung Würde und wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Gerontopsychiatrie (IGP).

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